Vietnamesen in ihrer Heimat Thüringen. Wege des Ankommens

Podiumsgespräch und Ausstellungseröffnung

Interkulturelle Woche 2017

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Podium

Das Podium

Das Politische Bildungsforum Thüringen lud am 19. September anlässlich der Interkulturellen Woche zu einer Podiumsveranstaltung mit anschließender Ausstellungseröffnung über Vietnamesen und ihre Migrationsgeschichten, die als Vertragsarbeiter in die DDR und nach Thüringen kamen, im Thüringer Landtag ein.

Nach einen einführenden Tanz mit Kegelhüten, Fächern und traditionaler Tracht von vietnamesischen Frauen begrüßte Maja Eib, Landesbeauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. für den Freistaat Thüringen, die Gäste. In ihrer Begrüßung erwähnte sie die gelungene Geschichte der in den 80er Jahren als Vertragsarbeiter nach Deutschland angekommenen Vietnamesen. In diesem Zusammenhang sollte der gelungene Integrationsprozess der Vietnamesen trotz Herausforderungen und Schwierigkeiten als Beispiel gesehen werden, wie erfolgreiches Ankommen auch in der 2. Und 3. Generation in Deutschland funktionieren kann. Auch für die Vietnamesen war das Ankommen nicht leicht. Neben den kulturellen Unterschieden erschwerte das SED-Regime die Integration. Die DDR war hauptsächlich an der Arbeitskraft interessiert und Kontakte zwischen DDR-Bevölkerung und Vietnamesen waren abseits offizieller Kanäle kaum möglich bzw. nicht erwünscht, so dass erst nach der Wiedervereinigung und der Konsolidierung der Aufenthaltsregelungen eine wirkliche Zukunft in Deutschland aufgebaut werden konnte, die wir heute selbstverständlich in unseren vietnamesischen Nachbarn in Thüringen sehen. Marion Walsmann MdL, Europapolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, moderierte das anschließende Gespräch mit Vietnamesen der ersten und zweiten Generation und einer vietnamesischen Studentin, die in Deutschland studiert.

Xuan Bui Thi kam 1987 in die damalige DDR und arbeitete als Näherin. Die Wende und ersten Jahre im wiedervereinigten Deutschland waren geprägt vom Streben nach unbegrenzter Aufenthaltsgenehmigung und der Schaffung beruflicher Perspektiven, die wie bei vielen Vietnamesen in einem eigenen kleinen Geschäft mündete. Mit viel Fleiß und Anstrengung konnte Sie und ihre Familie die eigene berufliche Existenz ausbauen. 1997 bekam sie die unbefristete Aufenthaltserlaubnis und konnte endlich mit Sicherheit die Zukunft gestalten. Integration ist für sie und ihre Familie sich in die Gesellschaft einzufügen, seinen Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können und die Vorteile wie Demokratie und Meinungsfreiheit in Deutschland auch zu nutzen. Der Schlüssel hierfür sei insbesondere das Erlernen der Sprache.

Hai Bluhm, Ausstellungskuratorin aus Potsdam, kam mehrfach in Deutschland an. Ihre Geschichte begann 1975, als sie in die DDR zum Studieren ging. Nach dem Studium kam sie zurück nach Vietnam, aber es gab keine Arbeit für die Absolventin. Folglich nahm sie 1982 das Angebot an, als Dolmetscherin der Vertragsarbeiter wieder in die DDR zu gehen. In den Jahren kurz vor der Wende war sie u.a. auch als Mitarbeiterin in einem Kühlschrankhersteller tätig. Wenn Sie und die Vietnamesen die Zeit als Vertragsarbeiter doch als sehr schöne Jahre in Erinnerung haben, war jedoch auch die beengte Unterbringung, Heimweh als auch die Unterbindung von Kontakten zu DDR-Bürgern bis hin zum Abtreibungszwang oder Heimkehrpflicht bei Schwangerschaft eine große Belastung. Hai Bluhm hielt über die Jahre Kontakt mit ihren ehemaligen Vertragsarbeiterkollegen und so reifte in ihr der Entschluss, das Ankommen, Leben und die Integration der Vertragsarbeiter aus Vietnam in einer Ausstellung darzustellen, welche Sie dann 2008 mit Unterstützung der brandenburgischen Integrationsbeauftragten erstellen konnte und sowohl in Vietnam als auch in Deutschland bereits an vielen Orten zu sehen war.

Als ein Schüler in Erfurt brachte Nam – der Sohn von Xuan Bui Thi – die Perspektive der nächsten Generation der Vietnamesen in Deutschland ein. Er sei stolz auf seine Wurzeln und Kultur, da seine Familie ihm zeigte, wer er ist und woher er stammt. Zuhause spreche er vietnamesisch und im Alltag deutsch. Mit dem Interesse an Rugby entwickelte sich für den zweisprachigen Nam auch sein Plan, in naher Zukunft ein Schuljahr in Neuseeland zu verbringen. Auch Nam betonte, dass er die Möglichkeiten der Freiheit, Demokratie und beruflichen Perspektiven in Deutschland schätzt und sowohl deutsch als auch vietnamesisch sei.

Die vietnamesische Studentin Phuong Anh Nguyen, die in Jena studiert brachte den Blick von außen in das Gespräch ein. Sie kennt die Geschichte der Vertragsarbeiter aus Vietnam, was sie leisten mussten und ihre Bemühungen dafür, sich ein neues Leben in einem fremden Land aufzubauen. Die Jenaer Studentin vertrat die Ansicht, dass die ehemaligen Vertragsarbeiter eine Brücke seien, die die Beziehungen zwischen Vietnam und Deutschland unterstützen und ausbauen. Darüber hinaus sah Phuong Anh Nguyen, dass die schon lange in Deutschland lebenden Vietnamesen zum Teil Vorbilder seien, von denen die jungen Generationen viel lernen können.

Marion Walsmann beschloss den ersten Teil des Programms mit dem Dank an die Gäste und die Referenten und die Einladung, nun die Ausstellung besichtigen zu können. Die Konrad-Adenauer-Stiftung Thüringen bedankte sich mit Blumen bei den Referenten und den vietnamesischen Tänzerinnen. Der Abend wurde mit den einleitenden Worten der Kuratorin Hai Bluhm zur Ausstellung „Als Arbeitskraft willkommen“ fortgesetzt. Viele Gäste nutzen sogleich die Gelegenheit, sich zu den Migrationsgeschichten und Materialien, die von Hai Bluhm zusammengetragen worden sind, zu informieren. Das vietnamesische Essen und weitere vietnamesische Tanzdarbietungen ließen gemeinsam mit der Ausstellung noch viele Gäste im Anschluss im Thüringer Landtag verweilen und Raum für viele Gespräche zwischen vielen ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeitern, die unter den Gästen waren, als auch den deutschen Gästen.

Autor

Daniel Braun

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Erfurt, 22. September 2017

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