Mo und die Arier: Allein unter Rassisten und Neonazis

Lesung und Gespräch im Rahmen der Jüdisch-Israelischen Kulturtage

Lesung und Gespräch

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Frank Rostek, Bürgermeister der Stadt Bleicherode

Herr Frank Rostek, Bürgermeister der Stadt Bleicherode, mit dem Grußwort

Anlässlich der Jüdisch-Israelischen Kulturtage und in Erinnerung an die Reichsprogromnacht am 09.11.1938 war die bekannte TV-Journalistin Mo Asumang zu Gast, welche ihr Buch und Film „MO UND DIE ARIER: ALLEIN UNTER RASSISTEN UND NEONAZIS“ vorstellte. Mo Asumang wurde in Kassel als Tochter einer Deutschen und eines Ghanaers geboren und musste bereits früh Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung aufgrund ihres Aussehens als „Afrodeutsche“ machen.

Die Veranstaltung im Friedrich-Schiller-Gymnasium in Bleicherode wurde vom Bürgermeister der Stadt Bleicherode eröffnet, der für Toleranz und Verständnis im Miteinander warb.

Anstoß für das Filmprojekt und das gleichnamige Buch Mo Asumangs war eine Todesdrohung in einem Lied der rechtsextremen Musikgruppe „White Aryan Rebels“, welche in einer Textzeile „Mo, diese Kugel ist für dich“ sangen. Mo Asumang recherchierte darauf hin zum Thema Arier und versuchte mit Rechtsextremen auf Demonstrationen, Internetplattformen und Anfragen ins Gespräch zu kommen. Dabei stieß sie auf die historischen Fiktionen, deren die die Nationalsozialisten, Neo-nazis und Rassisten von heute verbreiten, da der Begriff Arier keinesfalls seine Quellen im „nordischen Menschen“ hat, wie von den Rechtsextremisten und Rassisten behauptet, sondern seine Ursprünge im heutigen Iran besitzt. Dazu reiste Mo Asumang auch in den Iran und sprach mit Wissenschaftlern und Menschen, die sich bis heute selbst als Arier bezeichnen und darüber verwundert sind, dass weiße Rassisten diese Bezeichnung für sich beanspruchen.

In der Veranstaltung zeigte Mo Asumang Ausschnitte die Kurzversion ihres Films zu den geschilderten Ereignissen. Diese enthielt auch die Sequenzen aus Interviews mit einem bekannten Rassisten aus den USA und Mitgliedern des Ku-Klux-Klans. Mo Asumang verhielt sich dabei weniger anklagend als hinterfragend und zuhörend, wodurch selbst die überzeugten Rassisten teilweise ratlos in ihren rassistischen Weltbildern wurden und sogar freundschaftlich anmutende Situationen entstanden. Dies ist für Mo Asumang auch ihre Botschaft, dass beim Kampf gegen Rassismus und Ausgrenzung nicht ebenfalls nur mit Ausgrenzung und Beschimpfung reagiert werden sollte, gerade wenn es Begegnungen auf persönlicher Ebene sind, sondern vielmehr die verbale Konfrontierung mit der aberwitzigen rassistischen Ideologie gesucht werden sollte, denn häufig sei ihre Erfahrung gewesen, dass viele Rassisten und Neonazis eher aus sozialen Konstellationen und eigener Ausgegrenztheit Halt in entsprechenden Gruppen suchen. Dazu zeigte sie auch das Beispiel eines ehemaligen Neonazis, der bereits als 9jähriger in die Fänge der Neonazis geriet und nicht in der Lage war, aus eigener Kraft die rechtsextreme Szene zu verlassen, jedoch durch ihren Anstoß endlich den Ausstieg schaffte.

Mo Asumang betonte, dass Dialogbereitschaft gerade unter dem Eindruck von Beleidigungen nicht immer einfach ist und auch nicht ungefährlich, wenn sie etwa von ihren Erlebnissen auf einem rechtsextremen Musikfestival in Gera berichtete, aber der Versuch es wert ist, denn bei jeder Situation nur „Nazis Raus“ zu rufen, wird wenig an der Situation ändern. Bei rechtsextremen Demonstrationen und Aufmärschen sei es jedoch angebracht, Flagge gegen Rassismus und Extremismus zu zeigen.

Im Anschluss beantwortete Mo Asumang viele Fragen der Gäste und stand auch für persönliche Gespräche zur Verfügung, die interessiert auch nach ihrer eigenen Sozialisation fragten, da Mo Asumang zu Beginn ihres Vortrages ausführte, dass Sie bei den recherchen zum Film feststellte, dass ihre geliebte Oma Schreiberin bei der SS während der NS-Zeit war.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Erfurt, 7. November 2017

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