KRIEG DER MASCHINEN? NEUE WAFFENSYSTEME IM ZEITALTER VON DIGITALISIERUNG UND KÜNSTLICHER INTELLIGENZ

Vortrag und Gespräch

Bild 1 von 3
Dr. Frank Sauer und Christian Herrgott Mdl

Dr. Frank Sauer und Christian Herrgott Mdl

Als Kooperationsveranstaltung des PBF-Thüringen der KAS, des Verbands der Reservisten der Deutschen Bundeswehr Thüringen sowie der Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V. Sektion Erfurt fand am 20.06. in Gera die Veranstaltung KRIEG DER MASCHINEN? NEUE WAFFENSYSTEME IM ZEITALTER VON DIGITALISIERUNG UND KÜNSTLICHER INTELLIGENZ statt. Die Eröffnung übernahm Gera Bürgermeister Kurt Dannenberg, Oberstleutnant i.G.und ehem. Kommandeur des in Gera stationierten Panzerpionierbataillons der Bundeswehr. Die vom CDU-Landtagsabgeordneten und Major d. Reserve Christian Herrgott moderierte Veranstaltung konnte mit Dr. Frank Sauer von der Universität der Bundeswehr München einen der aktivsten Forscher zum Thema Robotik und Künstliche Intelligenz gewinnen. Dr. Sauer war auch Mitglied des Arbeitskreises junge Außenpolitiker der KAS. Dr. Sauer verdeutlichte zu Beginn seines Vortrages die Herausforderungen und Risiken, die sich mit weiteren Schritten bei der Vernetzung digital und Künstlicher Intelligenz im Militärwesen ergeben. Die Verbindung entsprechender Waffensysteme mit neuen Technologien sei dabei allein noch nicht die bedrohliche Komponente, denn es sei gerade in westlichen Gesellschaften nachvollziehbares Anliegen, menschliche Verlust in bewaffneten Konflikten zu minimieren bzw. die Steuerung zu optimieren. Der Drohnenkrieg oder automatische Zielerfassungssysteme seien historisch betrachtet nur Fortentwicklungen, die bereits im 1. Weltkrieg in den Anfängen steckten. Die große Gefahr bestehe darin, dass Waffensysteme entwickelt werden, die Kampfaufträge erhielten bei der Gegnersuche, Erfassung als auch Bekämpfung automatisiert ohne menschliches Eingreifen erfolgten. Dies bedeute nicht nur, dass man Kampf und Zielvernichtung einem Algorithmus einer Maschine anvertraut, dessen Effizienzparameter beispielsweise nicht mit dem ethischen Zielen der Vermeidung ziviler Verluste, wie sie auch in Konventionen und Verträgen niedergelegt sind, korrespondieren. Das schlimmste Szenario könnte sein, dass Waffensysteme, die autonom ohne menschliche Verfügungsgewalt Kampfaufträge erhalten, etwa Schutz von Grenzen oder Objekten, durch Fehlinterpretation oder Erfassung bzw. Fehlfunktionen sogar Kriege auslösen könnten ohne das ein Mensch beteiligt war. Daher plädiert Dr. Sauer für internationale Abkommen, die ähnlich wie bei Antipersonenminen oder ABC-Waffen den Einsatz ächten und verbieten. Dazu gibt es bereits Verhandlungen im Rahmen der UN in Genf. Dr. Sauer sieht durchaus den Willen der Akteure sich für eine Ächtung zu entscheiden, doch seien Fragen der Kontrolle oder auch Akteure schwierig, da nicht mehr nur Staaten entsprechende Waffensysteme besitzen können als auch große Unternehmen. Im Laufe des Gesprächs mit dem Publikum stellten die Gäste Dr. Sauer viele Detailfragen als auch Gegenthesen. Zum Abschluss verdeutlichte Dr. Sauer noch einmal sein Anliegen, dass bei Künstlicher Intelligenz und Waffen die menschliche Verfügungsgewalt immer gewahrt bleiben müsse. Dies bedeute jedoch keinesfalls, dass man die friedliche Nutzung dieser Technologien zu stoppen oder generell zu verbieten.