Der Lokaljournalistenpreis der Konrad Adenauer Stiftung 2009

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Der tschechische Lokaljournalistenpreis in Prag 2009

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Am 27. und 28. November wurde der diesjährige Lokaljournalistenpreis in Tábor verliehen. Ausgezeichnet wurde Jaroslav Nedvěd von MF Dnes – Plzen für seinen Artikel „Die Geschichte von einem Indianer der die Angst vor dem StB überwindet“ der am 24.10.2009 in MF Dnes – Plzen erschienen ist.

Die Verleihung des Preises fand im Rahmen eines interessanten Programms statt, an dem Experten aus dem Medienbereich sowie Journalisten aus den Regionen teilnahmen. So fanden im Rahmen der Veranstaltung auch mehrere Workshops für die Journalisten statt, die von Redakteuren der Wochenzeitschrift Respekt, einem Vertreter der Europäischen Kommission in Tschechien und Herrn Rücker von der Passauer Neue Presse gehalten wurden. Die Inhalte der Workshops orientierten sich an den Bedürfnissen und Wünschen der Journalisten vor Ort.

Nach der Preisverleihung fand eine Podiumsdiskussion zum Thema "Medien und Finanzen. Auswirkungen der Finanzkrise auf den Journalismus" statt. Es diskutierten Ludmila Rakušanová, Josef Šorfa von MF Karlovy Vary und Helmuth Rücker von der Passauer Neuen Presse.

Interview mit dem stellvertretenden Chefredakteur der Mladá Fronta DNES, Petr Orálek

KAS: Wie erklären Sie sich den Erfolg der Zeitung Mladá Fronta Dnes bei der letztjährigen Vergabe des Lokaljournalistenpreises?

Orálek: "Auch wenn im Grunde die Mladá Fronta Dnes eine landesweite Zeitung ist, so ist ihre regionale Berichterstattung dennoch eine der wichtigsten Bestandteile. Auf Qualität legen wir besonderen Wert. In unseren vierzehn regionalen Redaktionen arbeiten etwa 150 Redakteure, zu denen auch viele hervorragende Journalisten zählen. Sie sind fähig, nicht nur über tägliche Geschehnisse ihrer Region zu berichten, sondern auch Unwahrheiten auf der kommunalen Ebene aufzudecken, den Lesern menschliche Geschichten näherzubringen, sowie auf die jüngste Geschichte zurückzugreifen und sie mit den heutigen Geschehnissen in Verbindung zu bringen. Für all das haben sie den nötigen Raum innerhalb der regionalen Beilagen der MF DNES. Ich persönlich lobe ihre tägliche Arbeit außerordentlich - zumal sie sich häufig mit noch schwierigeren Umständen konfrontiert sehen als ihre Kollegen in der Zentralredaktion der MF DNES. Und es freut mich, dass die Jury des Lokaljournalistenpreises dies ähnlich sieht, bei denen die Redakteure der regionalen Redaktionen der MF DNES regelmäßig "punkten"."

KAS: Was ist ihre Meinung zu der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Lokaljournalistenpreis?

Orálek: "Die Aktivitäten der KAS in Richtung der regionalen Journalisten bewerte ich als äußerst fruchtbar und notwendig. Es geht nicht nur um den Lokaljournalistenpreis, aber auch um das Anbieten von Workshops und Praktika, welche es Regionaljournalisten ermöglichen, sich weiterzubilden und neue Erfahrungen zu sammeln."

KAS: Was wünschen sie sich für die Zukunft des Lokaljournalistenpreises und des Lokaljournalismus im Allgemeinen?

Orálek: "Den Lokaljournalisten wünsche ich insbesondere gesundes Selbstvertrauen und Stolz auf das, was sie tun. Oft ist aus den Reihen der Kollegen aus der landesweiten Redaktion Geringschätzung und Unterschätzung ihrer Arbeit zu spüren. Absolut zu Unrecht. Regionale Journalisten schreiben über das, was den Leuten am nächsten ist, viel mehr, als Ausreißer von Spitzenpolitikern. Solange sie ihre Arbeit professionell angehen und dem Druck in der gegebenen Stadt standhalten, welcher häufig äußerst stark ausfällt, können sie die Sachlagen und Probleme in ihrer Stadt verbessern. Ihr Selbstbewusstsein wird mitunter durch den Lokaljournalistenpreis gestärkt. Darum wünsche ich ihm eine lange Lebensdauer und ihrer Jury eine schwierige Auswahl - folglich, dass sie sich einer großen Menge herausragender Artikel gegenübersieht, aus denen es umso schwieriger wird, den besten herauszusuchen."

Die Pressemitteilung zum Lokaljournalistenpreis 2009 finden sie hier: >> (auf Tschechisch).

Der Gewinnertext, erschienen am 24.10.2009 in Mlada Fronta Dnes – Plzeň:

Die Geschichte von einem Indianer der die Angst vor der StB überwindet

Vor zwanzig Jahren reichte die Unterstützung von Familie und Freunden meist nicht aus, wenn man sich mit den kommunistischen Machthabern konfrontiert sah. Miroslav Svoboda erkannte jedoch, dass gegen die Angst vor der Geheimpolizei StB auch eine alte indianische Geschichte nützlich sein konnte. Die Bewährungsprobe kam, als Ende Oktober 1989 die Geheimpolizei vor seinem Haus auftauchte und ihn zusammen mit seinen zwei kleinen Söhnen, dem fünfjährigen Josef und dem weniger als drei Jahre alten František zum Verhör mitnehmen wollte. Der damals siebenundzwanzig jährige Miroslav Svoboda wurde verdächtigt, am kurz bevorstehenden 28. Oktober – dem Gedenktag zur Gründung der Tschechoslowakei – eine Demonstration in Pilsen organisieren zu wollen. Als die Agenten bei Svobodas klingelten, verleugnete ihn seine Frau zunächst. Miroslav Svoboda befürchtete, dass wenn er sich auf der Straße zeigen, oder sich gar ins Stadtzentrum wagen würde, verhaftet zu werden. Zuvor waren nämlich schon andere Organisatoren der Demonstration ins Gefängnis nach Vykmanov gebracht worden. Deshalb entschied er sich, zum Wochenendhaus seiner Eltern zu fahren. Als er jedoch gerade dabei war, die Kinder ins Auto zu setzen, hielten zwei Männer in Lederjacken neben seinem Wagen an. „Sie forderten mich auf mit ihnen zu kommen und eine Erklärung abzugeben. Ich sagte, dass ich nirgendwo mit ihnen hingehen werde – und auch nicht kann, weil ich zwei kleine Jungs bei mir habe“ erinnert sich Svoboda. Die Geheimpolizei wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Passanten, die die Begegnung auf der Straße beobachtet hatten, und sich Sorgen um die Kinder machten, wurden nun hellhörig. „Der kleine František fing an zu weinen, weil er merkte, dass es um nichts Gutes ging. Ich habe es dann aber geschafft ihn zu beruhigen.“ erklärt Svoboda. „Die Situation vor dem Haus war ziemlich angespannt. Ich hatte ein wirklich schlechtes Gefühl damals. Dieses Gefühl, dass sich einem der Hals zuschnürt“ sagt zwanzig Jahre später der damals fünfjährige Josef. Am Ort des Geschehens trafen nach einer Weile einige härtere Männer von der Staatssicherheit ein, nahmen dem vermeintlichen Dissidenten seine Dokumente ab und steckten ihn in ihr Auto." Auf dem Weg haben sie mir erzählt, dass sie die Kinder in ein diagnostisches Zentrum bringen werden. Sie haben mich jedoch dann mit ihnen zum Sitz der Kreisverwaltung der Staatssicherheit gefahren und uns dort in der Eingangshalle warten lassen. „Die Kinder waren völlig aufgelöst und standen den Tränen nahe“ erinnert sich Miroslav Svoboda.

Die Wartehalle war ein deprimierender, dunkler, mit poliertem Granit ausgekleideter Raum, in dem riesige Kunstledersofas standen; sowie eine Büste des Gründers der bolschewistischen Geheimpolizei Čeka Dzeržinsky. Auf ihr war sein Leitsatz „Kühler Kopf, Brennende Herzen und reine Hände“ eingraviert. "Von zu Hause haben wir gewusst, dass die Leute, die uns da festhielten, keine guten Menschen sind." erinnert sich Josef Svoboda. Sein Vater versuchte damals sich zu überlegen, wie er den Kindern die Angst nehmen könnte. Er erinnerte sich, dass er kurz zuvor die Geschichte über den keinen Indianer Tatanka gelesen hatte, die Josef gefiel. Es war die Geschichte von Tatanka, der zum Mann werden wollte und deshalb für die Männer des Stammes einen Krug mit Wasser aus dem tiefen Wald holen musste. „Obwohl er große Angst hatte, ist er dort hinein gegangen. Als er zurück kam, haben die Männer das Wasser getrunken und ihn aufgefordert, noch einen Krug für sie zu holen. Für Tatanka brach eine Welt zusammen. Keiner hatte ihm Anerkennung entgegen gebracht und dabei wollte er doch so sehr ein Mann sein! Also nahm er den furchterregenden Weg noch einmal auf sich. Nur so konnte er danach mit den Männern am Feuer sitzen. Tatanka war glücklich, dass er den Weg durch den Wald auf sich genommen hatte“ erzählte Svoboda. Diese Indianergeschichte hatte er seinen Söhnen im Oktober 1989 im Sitz der kommunistischen Geheimpolizei erzählt. Er sagte zu Josef und František, dass der Weg, den Tatanka für das Wasser gegangen ist, der selbe Weg sei, den die beiden Jungs nun zu gehen hätten. Er betonte, wie wichtig es sei, unbequeme Situationen zu meistern, damit man am Ende belohnt wird. „ Als ich dies sagte, hat Josef noch einmal geschluchzt, sich aufgerichtet, seine Tränen abgewischt und tief eingeatmet. Man konnte sehen, dass er genau das hören musste.“ Er war wie ausgewechselt. Als František das bemerkte, beruhigte er sich auch. „In diesem Moment habe ich gewusst, dass wir gewonnen haben“ sagt Miroslav Svoboda. Er und seine Söhne, jeder auf einem Knie seines Vaters sitzend, haben das Verhör gemeistert. Da saßen sie, die drei Svoboda Männer.

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