Beschäftigungspolitik für Uganda: Die Perspektive der jungen Generation

Diskussionsveranstaltung des Young Leaders Think Tank für Politikalternativen

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Der Young Leaders Think Tank für Politikalternativen, der im Februar 2011 von der KAS initiiert wurde, hat kürzlich seine erste Diskussionsveranstaltung abgehalten. Der Think Tank präsentierte ein Konzeptpapier zu Jugendarbeitslosigkeit welches Politikempfehlungen aus der Sicht der jungen Generation vorstellte. Das Papier wurde im Anschluss von einem Panel aus Politikern, Wissenschaftlern und Unternehmern diskutiert.

Der Young Leaders Think Tank lud zu seiner ersten Veranstaltung in den Konferenzsaal des Imperial Royale Hotels in Kampala ein. Grußworte des Moderators Gawaya Tegulle sowie von Repräsentanten der KAS und des Young Leaders Think Tanks eröffneten die Veranstaltung. Mathias Kamp, Programmbeauftragter der KAS Uganda und Koordinator des Think Tanks, hob als Grund für die Initiierung des Think Tanks hervor, dass die Jugend einen großen Teil der ugandischen Gesellschaft repräsentiert, ihre Stimme in politischen Debatten jedoch nur unzureichend wahrgenommen werde. Der Think Tank solle der Jugend eine Stimme geben, indem er politische Debatten anstoße, die über bloße Rhetorik hinausgingen. Als Regierungsvertreter hielt Kommissar Mondo Kyateka eine Eröffnungsrede im Namen des Staatsministers für Kinder und Jugendbelange. Der Kommissar hob hervor, dass die Regierung den Dialog mit jungen Menschen schätze, und darin einen Weg sehe, Probleme in guter Zusammenarbeit anzugehen. Er betonte, dass er nicht lange über die Regierungspolitik in dem Bereich sprechen wolle, da der Staatsminister ihn gebeten habe, in erster Linie die Vorschläge der jungen Think Tanker einzuholen.

Im Anschluss analysierten die Think Tank Mitglieder Jasper Oketa und Sharon Nakandha die Herausforderungen der Jugendarbeitslosigkeit in Uganda und stellten die Politikempfehlungen des Think Tanks vor. Herr Oketa begann seine Präsentation mit der Bitte an den Kommissar, die Politikvorschläge des Think Tanks bei der nächsten Kabinettssitzung einzubringen. Er hob hervor, dass es strukturelle, friktionelle und zyklische Arbeitslosigkeit unter der Jugend Ugandas gebe, und dass die ugandische Wirtschaft zur Zeit nur in der Lage sei etwa 20 Prozent der Jugend einen Arbeitsplatz zu bieten. Er kritisierte, dass die Regierungspolitik zur Zeit nicht in der Lage sei, dieses große Problem anzugehen, da sie sich auf die urbanen Zentren konzentriere, anstatt ein nationales Konzept zu entwerfen. Er bedauerte außerdem, dass die Regierung bisher nicht in der Lage gewesen sei, einen Mindestlohn einzuführen.

Sharon Nakandha stellte im Anschluss die Politikempfehlungen des Think Tanks vor. Sie beinhalten Forderungen nach Steuervergünstigungen für Unternehmen, die junge Leute anstellen, der Einrichtungen von Job Zentren, der Anpassung des Bildungssystems an die Bedürfnisse der ugandischen Wirtschaft, sowie der Einführung transparenter Einstellungskriterien für junge Leute. Weiterhin soll jungen Leuten der Zugang zu Krediten für Unternehmensgründungen vereinfacht werden. Schließlich forderte der Think Tank eine jährliche Arbeitsmarktstudie, die eine gezieltere Arbeitsmarktpolitik ermöglichen soll, sowie die Einrichtung nationaler Jugendfördergruppen, welche die Jugend dabei unterstützen sollen, persönliche Sparpläne zu entwerfen, und die Chancen des Arbeitsmarktes aktiver zu ergreifen.

Das Diskussionspodium, bestehend aus dem Abgeordneten Gerald Karuhanga, Jugendvertreter der westlichen Region, Charles Ocici, Gründer und Direktor von Enterprise Uganda, sowie Associate Professor Yassin Olum vom Institut für Politikwissenschaft der Makerere Universität, hatte nun Gelegenheit, Stellung zu den Politikempfehlungen zu beziehen.

Der Abgeordnete Karuhanga konstatierte, dass der Hauptgrund für Jugendarbeitslosigkeit darin liege, dass korrupte Regierungsvertreter das ganze Geld gestohlen hätten, das zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit genutzt werden könnte. Als Beispiele nannte er die Summe von 40 Milliarden Schilling, die bei Regierungsgeschäften mit Burundi verschwunden sei, sowie die Summe von 200 Milliarden Schilling, die im Verlaufe des Commonwealth Treffens der Regierungschefs im Jahre 2007 gestohlen worden sei. Kommissar Mondo Kyateka wies darauf hin, dass die nationale Jugendpolitik aus dem Jahre 2001 zurzeit überarbeitet werde, und dass ein neues Konzept für Ende 2011 erwartet werde. Er betonte, dass er sich Vorschläge zu alternativen Bildungskursen erhofft habe, die dabei helfen könnten, den Mangel an bestimmten Fachkräften in Uganda zu beseitigen. Er nannte den Mangel an Klempnern sowie den Mangel Rechtsanwälten, die auf die Energiebranche spezialisiert sind als Beispiele. Schließlich wies er auf ungenutzte Potentiale im Bereich der Kultur- und Kreativindustrie hin.

Charles Ocici hielt ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr unternehmerische Eigeninitiative bei der ugandischen Jugend und betonte die Bedeutung der richtigen Einstellung für den persönlichen Erfolg. Er zählte zahlreiche Beispiele junger Menschen auf, die trotz geringer formaler Bildung ihrer Chancen genutzt hatten. Unter anderem erzählte er die Geschichte eines Geschäftsmannes, der nach der dritten Klasse aus der Schule geflogen sei, und nun 300 Millionen Schilling im Jahr verdiene. Seiner Meinung nach sind Abschlüsse und Bildung weniger wichtig, als die Jugend daraufhin zu trainieren, unternehmerische Chancen zu ergreifen.

Prof. Yasin Olum kritisierte Herrn Ocicis Anmerkungen. Er wies darauf hin, dass alle Formen von Expertise wichtig seien, und dass die Gesellschaft eine Fülle von Talenten benötige. Er erinnerte das Publikum, dass nicht jeder dazu geschaffen sei, ein Unternehmer zu sein. Er beklagte außerdem, dass in den Politikempfehlungen des Think Tanks einige wichtige Fakten ignoriert worden seien. Unter anderem sei die Frage der ostafrikanischen Integration nicht angesprochen worden. Außerdem würden Anmerkungen zu den Konsequenzen der globalen Finanzkrise, der Regierungsstrategie zur Armutsbekämpfung, zu Jobchancen von Behinderten, sowie zu den sozialen Sicherungssystemen fehlen. Er warb für eine Gesamtstrategie zur Lösung der Arbeitslosigkeit, welche die von ihm genannten Probleme berücksichtigen sollte.

Nach diesen Anmerkungen wurde die Diskussion für das Publikum eröffnet. Unter den Wortmeldungen fanden sich auch Anmerkungen der Abgeordneten Bernabas Tinkasimire und Stephen Mukitale. Das Publikum wies auf die grassierende Korruption in Uganda hin, beklagte das Fehlen einer Regellung für einen Mindestlohn, wies auf die Notwendigkeit von Steuervergünstigungen für die Jugend hin, und beklagte den Mangel an moralischen Werten und Eigeninitiative bei der ugandischen Jugend. Probleme junger Menschen die angesprochen wurden beinhalteten die hohen Kosten von Bildung, das Risiko der Ausbeutung ugandischer Praktikanten im Ausland, sowie die sexuelle Ausbeutung weiblicher Job-Bewerber.

Die Veranstaltung endete mit den Schlussbemerkungen des Podiums. Kommissar Mondo Kyateka wies darauf hin, dass die Regierung zurzeit Maßnahmen diskutiere, um mehr Praktikumsmöglichkeiten für junge Leute zu schaffen, und jungen Unternehmern den Zugang zu Krediten zu erleichtern. Er fügte hinzu, dass das System der Berufsausbildung der ugandischen Regierung ein geeignetes Konzept sei, um junge Menschen praxisnah für Berufe zu qualifizieren. Schließlich listete er einige Regierungsbudgets auf, die jungen Leuten die Möglichkeit eröffnen, sich eine eigene Zukunft aufzubauen. Er erwähnte ein 200 Millionen Schilling Budget für kleine, landwirtschaftliche Projekte sowie ein 58,8 Milliarden Budget für Berufsausbildung. Die Think Tank Mitglieder betonten die Notwendigkeit Regierungsmitglieder direkt mit ihren Empfehlungen zu konfrontieren und forderten den Kommissar auf, auch in Zukunft ein offenes Ohr für Vorschläge zu haben. Der Kommissar bat seinerseits darum, als assoziiertes Mitglied in den Think Tank aufgenommen zu werden.

(Patrick Wegner)

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Veranstaltungsberichte

erschienen

Uganda, 5. Oktober 2011

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