Inklusives Wirtschaftswachstum: Niemanden außen vor lassen

LéO Africa Wirtschaftsforum geht erfolgreich in die dritte Runde

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Am 22. Juli 2016 hat das LéO Africa Institute gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Uganda das dritte jährliche Wirtschaftsforum organisiert. Das Thema der diesjährigen Veranstaltung war das Ziel Nr. 8 der Nachhaltigen Entwicklungsziele der UN: „Niemanden außen vor lassen: Wirtschaftliches Wachstum und menschenwürdige Arbeitsplätze für alle bis 2030“.

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Opening Panel Speech

Caroline Angolere, eine junge Unternehmerin aus der Karamoja-Region (im Nordosten Ugandas), hielt zu Beginn des Forums eine beeindruckende Rede, die die Diskussionen rund um das diesjährige Thema entfachte. In ihrer Ansprache, die mit bemerkenswerten Erfahrungen über Mut, Hoffnung und harte Arbeit gespickt war, bewegte Caroline die ZuhörerInnen dazu, ihr Bild vom „entlegenen“ Karamoja zu überdenken. Karamoja sei „bereit, seinen Platz in der Wirtschaft Ugandas einzunehmen und Menschen wie ich sind da, um diese Bewegung zu führen“.

Es folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Rolle der Regierung, des Privaten Sektors und der Entwicklungspartner auf dem Weg zu Inklusivem Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen“. Ein überaus ausgewogenes Podium aus verschiedenen Sektoren stellte sich den Fragen des Moderators: Der Geschäftsleiter der Stanbic Bank, Patrick Mweheire, ein angesehener Juraabsolvent namens Silver Kayondo, die Landesdirektorin für Visa Ruanda, Lucy Mbabazi, sowie Michael Mugisha, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Centre for Development Alternatives.

Jede der genannten Personen bekam fünf Minuten, um eine kurze Stellungnahme zum Thema abzugeben, bevor der Moderator sie mit verschiedenen Fragen genauer aushorchte. Alle Teilnehmenden bewiesen dabei, wie professionell und mit welcher Leidenschaft sie das Thema beherrschen. Patrick Mweheire betonte die wichtige Rolle, die der Landwirtschaftssektor auf dem Weg zu wirtschaftlicher Entwicklung in einem Land wie Uganda einnimmt, das 40% der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche in Ostafrika aufweist. „Alle relevanten Akteure, seien es der Privatsektor, die Entwicklungsbanken, Versicherungen oder die Regierung, sollten gemeinsam an einem nachhaltigen Finanzierungsplan für die Landwirtschaft arbeiten. Das ist unser Wettbewerbsvorteil!“ Silver Kayondo hielt dagegen, dass die größte Hürde in der Wirtschaft Ugandas die hohe Jugendarbeitslosigkeit sei. Junge Menschen machen 78% der Bevölkerung Ugandas aus, und für sie scheint Landwirtschaft keine attraktive Unternehmung darzustellen. „Es stimmt, dass Landwirtschaft für sie eine entscheidende Wende darstellen kann, aber die kulturellen Wahrnehmung und ihre persönliche Einstellung bringt sie dazu, fruchtbaren Boden zu verkaufen und sich von dem Geld ein Motorrad zu kaufen, in Importgeschäfte zu investieren usw.“

Miranda Tabifor, die stellvertretende Landesdirektorin des United Nations Population Funds Uganda, betonte, dass Wachstum nur als inklusiv bezeichnet werden kann, wenn es zu einem breiteren Zugang zu nachhaltigen, sozioökonomischen Möglichkeiten für die Mehrheit der Bevölkerung führt, während es gleichzeitig die Gefährdeten schützt. Außerdem betonte sie, wenn Wachstum inklusiv sein soll, dann muss es in den Sektoren stattfinden, in denen die Armen arbeiten und leben, sprich in ländlichen Gegenden.

Anschließend teilte sich die Zuhörerschaft in drei verschiedene Räume auf, wo sich ExpertInnen zu verschiedenen Themen austauschten. Im ersten Raum stellte Enock Nyorekwa Twinoburyo, ein Ökonom mit Expertise im Infrastrukturbereich, fest, dass Uganda als Land einen pragmatischen Kurswechsel braucht, der einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt und auf der Existenz starker öffentlicher Finanzinstitutionen beruht. Er glaubt, nur langfristige Ansätze können die strukturellen wirtschaftlichen Probleme des Landes lösen. Laut Dr. Madina Guloba, einer Ökonomin des EPRC (Economic Policy Research Centre), ist der Grund, warum Uganda kein inklusives Wachstum nachweisen kann, dass viele makroökonomische Ansätze nicht die beabsichtigten Begünstigten auf der Mikroebene erreichen. Ihrer Meinung nach ist das Problem in Uganda auch nicht Arbeitslosigkeit, sondern vielmehr Unterbeschäftigung. Sie glaubt, dass viele junge Menschen mit einem Abschluss keinen Vollzeitjob bekommen, obwohl sie die Forderungen erfüllen, was daran liegt, dass das Angebot an qualifizierten Arbeitskräften weit über der Nachfrage liegt.

Dr. Moses Bekabye, Berater am Finanzministerium, stimmte zu, dass Uganda viele wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen hat, aber nicht mehr auf der Ebene, auf der die Schwierigkeiten noch vor 30 Jahren lagen. Seit 1986 habe sich Uganda von einem nahezu gescheiterten Staat nach verschiedenen brutalen Diktaturperioden seit der Unabhängigkeit 1962 zu einem Land entwickelt, das durchgehend hohe Wachstumsraten vorweisen kann und eine bedeutsame Reduzierung der Armut erreicht hat, die von 53% in 1986 auf aktuell 19,7% geschrumpft ist.

Paul Mullard, ein leitender Ökonom am DFiD (Department for International Development), sieht das Problem in Uganda in der Einmischung der Politik in den laufenden Betrieb der öffentlichen Einrichtungen. Er empfahl, dass kleine und mittelständische Unternehmen, die über 60% der Firmen in Uganda ausmachen, mehr Unterstützung für ihr Wachstum und für Innovationen benötigen.

Die Diskussionen zu Regionaler Integration und den dadurch entstehenden Perspektiven für die ostafrikanische Region waren Gegenstand einer weiteren Podiumsdiskussion. Auf die Frage, wie Uganda seine immer weiter steigende Schuldenlast je bezahlen soll, antwortete Yusuf Kiranda, ein Stipendiat des Programms für Afrikanische Führungskräfte an der London School of Economics, dass er fest daran glaube, dass Integration nicht nur von politischer, sondern vor allem auch von wirtschaftlicher Seite aus vorangetrieben werden sollte, um den Handel innerhalb der Staaten zu fördern und Infrastrukturprojekte zu stärken. Da sich Infrastrukturprojekte erst langfristig auszahlen, sei „geduldiges Kapital“ mit niedrigen Zinsraten und einer langen Zahlungsfrist nötig.

Bei einer weiteren Podiumsdiskussion zum Thema „Die Rolle von Finanzinstitutionen bei der Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen in Uganda“ untersuchte die Moderatorin Dr. Maggie Kigozi, Direktorin von Crown Beverages, gemeinsam mit ihrem Podium, wie diesen Unternehmen einfacher Zugang zu Kapital gewährt werden kann, um Wachstum und Investitionen zu fördern. Herr Kaggwa betonte zu Beginn, wie wichtig diese Unternehmen in der ugandischen Wirtschaft sind, denn sie machen 70% des BIP des informellen Sektors aus sowie 21% des BIP im Landwirtschaftssektor. Evelyn Omala machte dann deutlich, wie sehr es an Kommunikation mangelt, sowohl im wirtschaftlichen, als auch in anderen Bereichen in Uganda. Sie behauptete, die jungen Menschen in Uganda hätten keine Vision oder einen weiteren Blick in die Zukunft, und ihnen mangele es daran, alles in einen größeren Rahmen einzubetten und so Business-Ideen voranzubringen, die wiederum zu nachhaltigem Wachstum beitragen würden. Winnie Kyiryabwire betonte dann den Frust, den viele Unternehmer in Uganda befällt, wenn sie mit der undurchsichtigen Bürokratie für Mikrofinanzierung kämpfen. Dazu kommen noch die Engpässe wie schlechtes Wetter für Bauern und das Fehlen von Gegenständen, die als Pfand hinterlegt werden können.

Anschließend kehrten die ZuhörerInnen nach dem Mittagessen wieder in die große Aula zurück. Mathias Kamp, der Leiter des Auslandsbüros der KAS in Uganda, bekräftigte den Willen der KAS, zu inklusivem Wirtschaftswachstum und menschenwürdiger Arbeit für alle beizutragen. Auch wenn den jungen Menschen in Uganda heutzutage einige Hürden begegnen, so gibt es doch viele Möglichkeiten, die ausgenutzt werden sollten. Sowohl die Regierung als auch der Privatsektor können dazu beitragen, diese Möglichkeiten weiter auszubauen.

Auch die Wirtschaftsministerin Ugandas, Amelia Kyambadde, ließ es sich nicht nehmen, abschließend noch einige Worte an das Publikum zu richten. Sie betonte, dass die Regierung einiges tun würde, was allerdings oft durch den riesigen informellen Sektor im Lande überschattet werden würde. Als Gründe für die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen nannte sie unter anderem mangelhafte Investitionen, das geringe Angebot an Arbeitsplätzen und unzureichende Qualifikationen. Sie informierte die Anwesenden über laufende Initiativen der Regierung.

Die letzte Podiumsdiskussion mit Jean Bosco Nzeyimana, Gründer und Generaldirektor von Habona, Anne Kabagambe, Stabschefin der African Development Bank, Hashim Mulangwa, Berater für Wirtschaft und Entwicklung und der Wirtschaftsministerin Amelia Kyambadde wurde von Lucy Mbabazi moderiert. Die meisten Anwesenden adressierten in ihren kurzen Statements zu Beginn die Ministerin und die Inhalte ihrer Rede. Hashim bemerkte, Uganda scheine in einer Art „Stabilisierungsprozess“ festzustecken und nicht voranzukommen. Er fragte, was denn eigentlich die institutionellen Mechanismen seien, „die ihr etabliert, um sicherzustellen, dass ihr wirklich einen Wandel schaffen könnt; sind die Strategien, die wir einführen, wirklich gut genug, um etwas verändern zu können?“

Jean Bosco bemerkte zum Abschluss, dass es nur möglich sei, etwas zu verändern, wenn die jungen Menschen mit an Bord geholt werden und die Institutionen leiten, die diese Probleme bekämpfen wollen. Nach der Konferenz hatten die jungen Menschen noch die Gelegenheit, mit der Ministerin und anderen Anwesenden weitere Diskussionen zu führen und neue Kontakte zu knüpfen. Insgesamt waren sowohl Teilnehmende als auch das Organisationsteam sehr zufrieden mit den interessanten und lebhaften Diskussionen.

Übersetzt und redigiert von Franziska Link

Autor

Donnas Ojok

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Uganda, 22. Juli 2016

Leo Opening Panel and Karamoja Region Representative
Opening Panel
Mathias Kamps Welcome Remarks
audience