Ugandas Jugend für Geschlechtergleichheit und Good Governance

Wie Debatte die Studenten zu politischer Beteiligung motiviert

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Action for Development (ACFODE) und die Konrad-Adenauer Stiftung (KAS) Uganda setzen ihre Zusammenarbeit für Jugendengagement und Good Governance in Uganda fort. Vom 4. Bis 6. Oktober unterstützte die KAS die jährlichen Debattier-Meisterschaften im Nob View Hotel. Die diesjährigen Meisterschaften standen unter dem Motto „Good Governance und Geschlechtergleichheit fördern durch Jugendpartizipation“. Die Sieger des Wettbewerbs 2016 kamen von der Makerere Universität.

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Zuletzt abgehalten von 2010-2013 riefen Action for Development (ACFODE) in Kooperation mit der Konrad-Adenauer Stiftung Uganda (KAS) die inter-universitären Debattier-Meisterschaften zurück ins Leben. Das dreitägige Event ermöglichte es über 50 Studenten aus den verschiedensten Teilen Ugandas die drängendsten Fragen für Ugandas Jugend in kompetitiver Atmosphäre zu diskutieren. Inspiriert vom Debattierformat des britischen Parlaments (BP Format) erwies sich die kompetitive Debatte als effektiv, um junge Menschen die Bedeutung von Geschlechtergleichheit, politischer Beteiligung, Demokratie und Good Governance zu vermitteln und sie zur gesellschaftlichen Partizipation zu mobilisieren.

In Anbetracht der zentralen Rolle, die Ugandas Jugend für die Zukunft der Nation spielt – ganz besonders im Bereich Good Governance und Geschlechtergleichheit – ist die politische Beteiligung der Jugend in politische Entscheidungsprozesse wegweisend für die nachhaltige Entwicklung Ugandas. In der Praxis ist jedoch der politische Einfluss der Jugend auf die ugandische Politik noch immer unzureichend; die Jugend Ugandas war bisher nicht in der Lage, die politische Agenda zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Die Befähigung zur Artikulation von persönlichen Meinungen durch die Debatte stellt daher wirkungsvolles Werkzeug dar, die Jugend zu nachhaltiger politischer Beteiligung zu ermächtigen.

Das Event wurde vollständig die KAS Uganda und Südsudan in Kooperation mit ACFODE organisiert und finanziert und richtete sich an über 50 Teilnehmer, ausgewählt aus unterschiedlichen Universitäten aus ganz Uganda: Kabale University, Uganda Martyrs University, Kampala International University, Makerere University, Islamic University of Uganda, Kyambogo University, IUIU University of Mbale, Gulu University und Uganda Christian University.

Der Debattier-Wettkampf sollte die Studenten ermutigen, Positionen mit Einfluss und Entscheidungsgewalt anzustreben, ihre Fähigkeiten in Research, Argumentation und analytischem Denken ausbauen und die kritische Masse für Geschlechtergleichheit stärken. Zudem machte das Event die Studenten auf die zentrale Bedeutung von politischer Partizipation aufmerksam und stärkte ihr Bewusstsein für ihre eigene Rolle im Nation-Building-Prozess.

Das Event begann mit einer Vorstellungsrunde aller Teilnehmer, Richter und Mitarbeiter von ACFODE und KAS. Die Vorstellungsrunde kreierte eine angenehme und persönliche Atmosphäre für den Rest des Wettbewerbs. Daisy Yossa, Programm-Koordinatorin bei ACFODE, leitete das Event ein, indem sie die Teilnehmer an das Thema des Wettkamps heranführte: Die Jugend als Instrument, um Geschlechtergleichheit, Demokratie und Good Governance zu fördern. In einer interaktiven Rede ermutigte sie die Studenten, kritisch über ihre eigenen Beträge und ihre Möglichkeiten zum politische und bürgerschaftlichen Engagement nachzudenken und betonte: „in jedem Bereich hast du die Möglichkeit, etwas zu verändern – ganz egal ob du ein Dichter bist, ein Sänger, ein Journalist oder ein Politiker“. Daisy Yossa riet den Teilnehmern, niemals ihr kritisches Denken aufzugeben und stets dem Gegenüber aufmerksam zuzuhören, denn „es gibt keine universelle Wahrheit“. Nur durch die Annäherung durch Debatte könne man näher an die Wahrheit kommen als zuvor.

Nach Daisys inspirierender Einführungsrede, informierte Josia Adiema, Moderator des Events für die folgenden zwei Tage, die Teilnehmer über die Prinzipien der „British Parliamentary-Debate“ (BP Debatte) und erklärte Regeln und Abläufe, um sie zur ersten Debattier-Runde zu leiten. Die 16 Teams, jedes bestehend aus zwei Studenten, wurden in vier Debattier-Gruppen in verschiedene Räume aufgeteilt. Entsprechend den BP-Regeln gehörten jeder Gruppe vier Debattier-Teams an: ein Team repräsentierte die Eröffnungs-Regierung (opening government), eines die Eröffnungs-Opposition (opening opposition), eines die Abschluss-Regierung (closing government) und eines die Abschluss-Opposition (closing opposition). In diesem Format debattierten die vier Gruppen ihr erstes Thema: „dieses Haus möchte das Internet zensieren“. Nach einer kurzen Vorbereitungsphase verwickelten sich die Teams in angeregte Diskussionen. Während die Regierungsseite die Gefahren des Internets betonte, einschließlich Cyber-Terrorismus, Pornographie und Identitätsdiebstahl, um eine Zensur zu rechtfertigen, argumentierte die Opposition, dass das Internet nicht nur ein praktisches, sondern auch ein unverzichtbares Informationsmedium darstellt, besonders für entlegene Kommunen ohne Zugang zu Tageszeitungen oder anderen Medien.

Nach der Mittagspause vertieften sich die Teams in die zweite Debattier-Runde, dieses Mal zum Thema: “dieses Haus möchte ein verpflichtendes Rentenalter für gewählte Amtsträger einführen“. Die Debatte zu diesem Thema drehte sich in erster Linie um die Vorteile von Erfahrung und Kompetenz im Gegensatz zu der Möglichkeit, Jobs für junge Leute zu kreieren und diese besser in die Politik einzubinden, wenn ältere Beamte zur Rente gezwungen wären. Am Nachmittag behandelte die dritte Debattier-Runde das Thema: „dieses Haus glaubt an das Recht der Frau zu wählen“. Da diese Thematik keine politik- sondern eine wertebasierte Diskussion anregte, war die Debatte ganz besonders lebhaft und kontrovers. Während die Regierungsseite argumentierte, dass nur Frauen wirklich begründet über Frauen-Themen entscheiden könnten, betonte die Opposition die Gleichheit von Mann und Frau und forderte, dass sich diese auch in Entscheidungsprozessen widerspiegeln sollte.

Auf jede Debattier-Runde folgte ein ausführliches Feedback der Richter. Sie erinnerten die Studenten, in ihren Argumentationsketten konsistent zu bleiben und sich an ihre Sprecherrollen zu halten und ermutigten sie, sich mit kontroversen Standpunkten stärker von anderen Teams zu differenzieren. Der erste Tag wurde dadurch abgeschlossen dass Josia Adiema Teilnehmer und Richter dazu aufforderte, über den vergangenen Tag zu reflektieren und ihre persönlichen Erfahrungen mitzuteilen.

Der zweite Tag der Debattier-Meisterschaft began mit der vierten Runde, an welcher noch immer alle 16 Teams teilnahmen. Das Thema dieser Runde war: „dieses Haus glaubt dass die Unterdrückung von zivilen Rechten gewalttätige Eingriffe rechtfertigt“. Das Argument der Regierungsseite war das Scheitern aller friedfertigen Maßnahmen, um effektiv gegen kriminelle Handlungen oder andere Situationen, in denen zivile Rechte missachtet werden, vorzugehen. Die Opposition dagegen argumentierte dass Gewalt niemals zu Frieden führen kann, und dass das Recht einer Person niemals dazu führen kann, das Recht einer anderen auf die Freiheit von staatlicher Gewalt zu verletzen.

Nach dieser letzten allgemeinen Runde präsentierten die Richter eine Beispieldebatte, um die Teilnehmer auf ihre Fehler aufmerksam zu machen und effektivere Argumentationsstrategien vorzustellen. Von den 16 Teams schafften es anschließend acht ins Halbfinale. Das Thema für das Halbfinale war erneut kontrovers: „dieses Haus glaubt das Frauenquoten im Parlament dessen Effektivität reduziert haben“. Die Regierungsseite merkte an, dass Parlamentarier ausschließlich auf Basis von Kompetenz angestellt werden sollten, nicht auf Basis des Geschlechts. Die Opposition dagegen betonte die Wichtigkeit von demokratischer Repräsentation aller gesellschaftlicher Gruppen im Parlament.

Die Abschlusszeremonie wurde am frühen Abend in festlicher Atmosphäre im Garten des Hotels abgehalten. Verschiedene Richter und erfahrenere Redner teilten mit den Anwesenden wie das Debattieren zu ihrer persönlichen und professionellen Entwicklung beigetragen hat. Für Josia Adiema hatten Studentendebatten den Grundstein für seine Karriere im Kenyan National Debate Council gelegt. Andere ehemalige Teilnehmer gaben bewegende Einblicke inwiefern ACFODE Debatten sie in vielerlei Hinsicht im Leben voran gebracht hat. Die Fähigkeit, seine Meinung eloquent artikulieren zu können, fungierte als Türöffner für Anstellungsmöglichkeiten, zu denen sie andernfalls keinen Zugang gehabt hätten. Für andere gab das Debattieren sogar den Anstoß, eine politische Karriere aufzugreifen.

Nach diesen persönlichen Eindrücken wurde die Final-Debatte abgehalten – in Anwesenheit aller Teilnehmer, Richter, Organisatoren, Alumni und Mitarbeiter von KAS und ACFODE, einschließlich Frau Regina Bafaki, Direktorin von ACFODE, Herrn Mathias Kamp, Landesrepräsentant von KAS Uganda, und Frau Miriam Fischer, Referentin der KAS-Zentrale in Berlin. Das Thema der Final-Debatte brachte eine frühere Diskussion zurück auf den Tisch: sollten Frauen das Recht haben zu wählen? Alle acht Finalisten präsentierten außergewöhnliche Leistungen in Argumentation und Ausdrucksweise, was die Entscheidung für die Richter erschwerte. Während die Richter über ihre Entscheidung diskutierten, gaben einige Debattier-Neulinge Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen während dieser ACFODE-Debatte. Selbst diejenigen, die es nicht ins Halbfinale geschafft hatten, versicherten, dass das Event bereichernd für sie war; es gab ihnen neue Erfahrungen, neue Freunde, neue Fähigkeiten, und mehr Selbstbewusstsein – „denke nicht du bist ein Verlierer, wenn du doch so vieles hier für dein Leben gewonnen hast!“. Nach Meinung der Teilnehmer habe die Debatte ihnen Toleranz beigebracht – Toleranz gegenüber anderen Meinungen und der Tatsache, dass man möglicherweise nicht immer im Recht ist.

Anschließend wurden die Gewinner der Debattier-Meisterschaften verkündet und Zertifikate und Geschenke ausgehändigt – die diesjährigen Gewinner stammten von der Makerere University in Kampala. Nach den abschließenden Reden von Regina Bafaki und Miriam Fischer, welche die Studenten dazu ermutigten, ihre neuen Fähigkeiten sowohl auf persönlicher als auch auf professioneller Ebene einzusetzen, ging das Event in einen geselligen Abend mit weiteren Debatten im privateren Rahmen über.

Das Interesse und der Einsatz der Teilnehmer während aller Diskussionsrunden waren sehr hoch. Die Stundeten gaben sich Mühe mit der Vorbereitung ihrer Reden und nahmen aktiv an allen Debatten teil. Das Feedback der Richter wurde von den Teilnehmern nach jeder Runde aufmerksam aufgenommen und umgesetzt, die Leistungen der Redner verbesserten sich stetig.

Das Event trug nicht nur zu Kommunikations- und Argumentationsfähigkeiten der Teilnehmer bei, sondern auch zu deren Verständnis von politischem Diskurs. Zudem gab die Debatte den Studenten die Möglichkeit, wertvolle Netzwerke aufzubauen und sich in Toleranz und kritischem Denken zu üben. Nicht nur die Organisatoren, sondern auch die Alumni und Debattier-Neulinge versicherten, dass die Debatte von hohem Wert sei und wenn möglich landesweit wiederholt werden sollte. Die meisten Teilnehmer verließen das Event hochmotiviert, ihre neu erworbenen Fähigkeiten in weiteren Debatten, aber auch in ihren Kommunen, Familien, Universitäten, Jobs und – möglicherweise – in politischen Karrieren einzusetzen.

Bericht von: Leonie Staas

Autor

Bernard Mukhone

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Uganda, 10. Oktober 2016

Team Makerere University recognized as best team of 2016
making a case for the motion
Miriam Fischer giving closing remarks
Makerere University debater