EINE NEUE PLATTFORM FÜR JUNGE UND AUFSTREBENDE FÜHRUNGSKRÄFTE IN UGANDA

Auch verfügbar in English

Was braucht es um Menschen zu inspirieren, aktiv in der Politik mitzuwirken? Als eine politische Stiftung sind wir immer unnachgiebig darauf bedacht, nicht nur die Antworten auf diese Frage zu finden, sondern auch eine Plattform zu bieten um aktiv zu werden. Aus diesem Grund haben wir in Zusammenarbeit mit dem LeO Africa Institute das Projekt "Young and Emerging leaders" (YELP) ins Leben gerufen, um eine Einstiegsplattform für die ugandischen Führungskräfte von Morgen zu bieten.

Bild 1 von 11
Awel, Senior Director at LeO Africa Institute giving an introductory remark

Am 12. November 2016 haben wir 20 der aktivsten jungen Ugander aus einem weiten Feld an Berufsfeldern eingeladen, um an einer Auftaktsveranstaltung im Humura Resort in Kampala teilzunehmen. Mit Hintergrundwissen aus den Bereichen Architektur, Medizin, Recht, Journalismus sowie Sozial- und Politikwissenschaften, lernten die jungen Führungskräfte nicht nur die grundlegenden Prinzipien des Beamtentums kennen, sondern auch diese in ihrem Alltag anzuwenden und zu nutzen. Zusätzlich gab ihnen der Workshop die Möglichkeit, die Theorien, Paradigmen und Praktiken zu verstehen, die einen transformativen Führungsstil ermöglichen. Einer der Höhepunkte des Events war die Diskussion über Victor Frankls Führungsphilosophien in seinem Bestsellerbuch Man Search for Meaning. "Zwischen was mit uns passiert und unsere Reaktion darauf besteht eine Lücke- unsere Macht und unsere Entscheidung", sagte Francis Egbuson, Moderator der Veranstaltung. Er unterstrich die Bedeutung von Entscheidungen und pochte darauf, dass insbesondere Führungskräfte Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen.

Entscheidungen werden durch Wissen und Information erleichtert. Doch im Zeitalter der Informationsüberflutung, die durch digitale Störungen und Ablenkungen verursacht wird, werden diese Entscheidungen immer schwieriger. Hierbei empfahl Francis „Präsenz zu üben“ und sich weitreichend über die Situation zu informieren und diese von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, anstatt sich von der Flut an Meldungen irritieren zu lassen. Hierbei stellte Michael Niyitegeka fest, dass unsere Ambitionen und Bestrebungen in den meisten Fällen maßgeblich von dem, was die Welt als Erfolg beurteilt, geprägt werden und leitende Persönlichkeiten dadurch nicht beeinflusst werden sollten. Häufig würde der Fehler gemacht, durch die Anpassung an fremde Erwartungshaltungen, die eigenen Fähigkeiten nicht zu nutzen, welche die Gesellschaft positiv beeinflussen könnten.

Eines der Highlights des Workshops war eine Lesung von Patrick Lumumba’s Brief an seine Frau, in welchem er die Tugenden der Leidenschaft, Ehrlichkeit, Liebe und des Patriotismus anpries. Sein Patriotismus und seine Fähigkeit in einem so frühen Stadium der kongolesischen Unabhängigkeit, die tiefen Probleme des Landes sorgfältig zu analysieren, waren Gegenstand einer intensiven Reflexion.

Warum scheitern einige Nationen, während es anderen gelingt sich weiterzuentwickeln und auf ein stabiles Fundament zu bauen? Diese politisch-ökonomischen Frage, abgeleitet aus den klassischen Texten von Daron Acemoglu und A.J. Robinson, bot die Möglichkeit einige der inhaltlichen und konzeptionellen Grundlagen von guter Führung zu reflektieren. Mariam Luyombo, welche die Diskussion führte argumentiert, dass im Zentrum der transformativen Führung, verantwortungsvolle und fürsorgliche Führungspersönlichkeiten stehen müssen. Als weiteres Argument nannte sie überlegte, staatliche Interventionen, welche den Prozess zu einer transformativen Führung fördern können sowie eine integrative Politik, die letztendlich in einer ebenso integrativen Wirtschaft resultiert und somit den Bürgern eine Basis für innovatives Denken und Eigeninitiative bietet. Als Beispiel nannte sie Großbritannien, welches durch die demokratische Revolution der 1860er Jahre signifikante positive Veränderungen in der Regierungsführung hervorbrachte und, unterstützt durch erhebliche Kontrollen gegen den Missbrauch von Macht, eine gerechtere Nutzung der Steuern ermöglichte.

In der anschließenden Diskussion hinterfragte Michael Mugisha die Wahl der Fallstudien des Buches kritisch und merkte an, dass Großbritannien eine lange Geschichte als Nationalstaat sowie als Pionier des Handels hatte und dass die nachfolgende Mittelklasse ihr Kapital genutzt hatte, um die Reformen zu beeinflussen. Erst diese bedeutenden, durch die industrielle Revolution erschaffenden, Ressourcen haben es ermöglicht, bessere öffentliche Dienstleistungen zu erbringen. Hierbei bezog er sich auch auf das Verhalten von Regierungen, welche oft erst handeln, wenn sie zu Rechenschaft gezwungen würden.

Die letzte Präsentation der Veranstaltung hielt David K. Mpanga und ging während seines Vortrags „A Call to Action; Defining this Generation’s Cause” auf die Verantwortung privilegierter Gruppen der Gesellschaft ein, die Möglichkeiten ihrer Jugend zu nutzen, da diese, mit Verweise auf Jesus und Martin Luther King, die produktivsten ihres Lebens seien. Er beendete seinen Vortrag mit der Warnung, dass Untätigkeit und Prokrastination die größten Gefahren der Jugend seien und nur eigene Taten die jeweiligen Träume näherbringen können. In seinen abschließenden Worten an die aufstrebenden Führungskräfte riet Mathias Kamp, Leiter des Auslandsbüros in Uganda, mutig zu sein und die Ängste des Scheiterns hinter sich zu lassen.

Bericht verfasst von Donnas Ojok und Kwezi Tabaro.

Autor

Donnas Ojok

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Uganda, 17. November 2016