“Lokale Regierungsvertreter können sich sozialen Medien nicht entziehen“

Nutzung sozialer Medien für verbesserte lokale Regierungsführung und Bereitstellung staatlicher Leistungen

Auch verfügbar in English

Trotz der Nähe zu ihrer Wählerschaft, welche eigentlich gute Rechenschaft und Bereitstellung staatlicher Dienstleistungen garantieren sollte, sehen sich lokale Regierungseinheiten in Uganda erheblichen Kommunikationshürden gegenüber, welche den Austausch zwischen Staat und Bürgern fast unmöglich machen. In diesem Kontext ergibt sich die einzigartige Gelegenheit, soziale Medien zur Verbesserung lokaler Regierungsführung und verbesserter Bereitstellung staatlicher Leistungen zu nutzen.

Bild 1 von 3
Participants

In Anerkennung der Notwendigkeit, die Regierungsführung und die Rechenschaftspflicht der Regierung durch das Schließen von Lücken zwischen Informationsnachfrage und –angebot, der Eröffnung neuer Kommunikationskanäle und der Verstärkung bestehender Kommunikation zu verbessern, haben die Konrad-Adenauer-Stiftung und das Centre for Media Literacy and Community Development (CEMCOD) 2016 ein Projekt gestartet, welches Vertreter der Lokalregierungen im ganzen Land adressiert. Das Projekt mit dem Titel „Gute Regierungsführung, Rechenschaftspflicht und bürgerschaftliches Engagement auf lokaler Regierungsebene durch Medien fördern“ besteht aus Trainings mit lokalen Regierungsvertretern im Umgang mit sozialen Medien. Dadurch soll Transparenz und Rechenschaftspflicht in lokaler Regierungsführung ebenso gefördert werden wie Bürgerengagement und die Bereitstellung sozialer Dienstleistungen.

Nach einer Dialogreihe in drei Regionen des Landes (Busoga, Ankole und West Nile) fand der erste Workshop des Jahres 2017 in der Elgon Region in Ostuganda mit Teilnehmenden aus fünf Distrikten (Mbale, Budduda, Manafwa, Budaka und Sironko) statt.

Maureen Agena, Social Media Consultant und Leiterin des Seminars, begann das Training mit einer Einführung in das Konzept des Web 2.0. Dabei ist von besonderer Bedeutung, dass durch Web 2.0 ein neues Kommunikationsverhalten entstand, in welchem der Nutzer im Zentrum steht. Die Seminarleiterin nutzte die Analogie der zwei Hände, um die Relevanz, die Geltung und Rolle von sozialen Medien zu demonstrieren: Die rechte Hand repräsentiert fünf Funktionen des Web 2.0, eine an jedem Finger: Blogs, Onlinekollaboration, Tagging, Feeds und Mash-Ups. Die linke Hand repräsentiert die menschliche Komponente von sozialen Medien: menschenzentriert, partizipativ, der leichte Zugang, die nutzergenerierten Inhalte und der potenzielle sozioökononomische Wandel, den soziale Medien fördern.

Der Rest des zweitägigen Workshops bestand aus praktischen Trainingssessions zur Nutzung von Twitter, LinkedIn, Google Plus, Facebook, Blogging und Skype.

Den Abschluss des Workshops stellte ein Dialogforum dar, welches Vertreter der lokalen Regierung, der Zivilgesellschaft und der Medien zusammenbrachte. Die Teilnehmer betonten ihren Dank dafür, dass KAS und CEMCOD eine Führungsrolle in der Unterstützung der Informationsabteilungen der lokalen Distrikte übernehmen, welche bisher aufgrund geringer Ressourcen nur unzureichend funktionieren. Rajab Namakhola, ein Agraringenieur des Mbale Distrikts brachte die Problematik auf den Punkt. Er berichtete, dass der Workshop die erste Gelegenheit seit 15 Jahren sei, als lokaler Regierungsvertreter an einem Kommunikationstraining teilzunehmen. „Von nun an werde ich soziale Medien als Mittel zum Teilen von Informationen und Möglichkeiten mit den Bauern und Jugendlichen in meinem Bezirk nutzen“, versprach er.

Auf ähnliche Weise verpflichtete sich der Stellvertretende CAO des Budduda DLG D dazu, dass das Web 2.0 Training, nach seiner Rückkehr „ganz oben auf seiner Agenda“ mit dem technischen Komitee seines Bezirks stehen werde.

Mr. Abubakr Mpoza, Dozent für Kommunikation an der Islamic University und einer der Panelteilnehmer der Diskussion, betonte, dass „die potenziellen Vorteile sozialer Medien wie Bequemlichkeit und schnelle Vernetzung“ bewiesen haben, „dass es das beste Mittel zur Förderung des Austauschs zwischen Staat und Bürgern“ sei. Gleichzeitig zeigte er jedoch auch auf, dass die negativen Aspekte sozialer Medien, wie etwa die Verbreitung von Fake News, adressiert werden müssten. Er empfahl den Vertretern verschiedener lokaler Regierungsabteilungen, Informationen wie Stellenangebote und medizinische Aufklärungsinformationen in sozialen Medien zu teilen, um Bürger zu deren Nutzung anzuregen. Maureen Agena, ebenfalls eine Panelteilnehmerin der Diskussion, merkte zur Notwendigkeit genauer Recherche für glaubwürdige Nachrichten an: „Soziale Medien bedingen zwar bürgerschaftlichen Journalismus, dabei bleiben allerdings oft relevante Informationen auf der Strecke – dies erfordert von professionellen Journalisten, solche Lücken zu schließen.“ Einer der Hauptaspekte des Workshops und der Debatte war die Notwendigkeit eines radikalen Paradigmenwechsels unter lokalen Regierungsvertretern in Uganda, die traditionell hinter dem technischen Fortschritt zurückgeblieben waren. Kevin Namutosi, der District Information Officer des Budduda Distrikts betonte: „ Als lokale Regierungsvertreter brauchen wir einen Wandel in der Denkweise, um das volle Potenzial sozialer Medien auszuschöpfen.“ Dies wurde bestätigt vom Stadt-Notar des Bezirks Mbale, der unmissverständlich klarstellte, lokale Regierungsvertreter könnten sich sozialen Medien nicht entziehen.

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Social Media Workshops und des Dialogforums war die Erkenntnis, dass trotz der negativen Aspekte, die mit sozialen Medien assoziiert werden, das Augenmerk von Regierungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und individuellen lokalen Regierungsvertretern auf der Nutzung der umfassenden Möglichkeiten liegen sollte, die soziale Medien für effektive Kommunikation und Engagement für Transparenz und gute Regierungsführung eröffnet.

Autor

Donnas Ojok

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Uganda, 28. Februar 2017

Awarding Certificates
Budduda Deputy CAO
Mpoza Abubakar
Panellists
participants