JUNGENDINTERVENTIONEN MÜSSEN IN DEN MAINSTREAM

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Die meisten Diskussionen über junge Menschen kreisen darum festzustellen, welche Maßnahmen angegangen werden müssen und welche fehlen. Es wird immer wieder kritisiert, dass es schwierig sei junge Leute für Politik zu interessieren, neue Programme aufzusetzen oder neue Institutionen zu gründen. Was in dieser Diskussion jedoch meist zu kurz kommt, ist die Sichtweise auf die bereits existierenden politischen Bemühungen und Programm und was diese erreicht haben. Oder deren Scheitern und die Gründe hierfür.

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Ibrahim Muwaya

Die vierte jährliche Jugendkonferenz, organisiert in Partnerschaft mit dem University Forum on Governance, nahm sich dieser Fragen an. Unter dem Motto: „Mobilisierung der Jugend, Einfluss nehmen: Die Suche nach besseren Rahmenbedingungen für eine effektive Beteiligung der Jugend in der Entwicklungspolitik“, fand die diesjährige Konferenz statt. Mit dem Ziel, die jugendfördernden-politischen Ansätze, die Einwände und die Verantwortlichkeiten im Bereich der Jungendpolitik kritisch zu hinterfragen, ging die Konferenz an den Start. Es ging darüber hinaus auch um die Entwicklung alternativer Ansätze jugendpolitischer Bestrebungen. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Erarbeitung von realistischen Resultaten und erreichbaren Lösungen der tatsächlich existierenden Probleme.

Junge Menschen stellen in Uganda die überwältigende Mehrheit dar. Laut Untersuchungen der Vereinten Nationen, hat Uganda inzwischen mehr als 40 Millionen Einwohner, wovon 77% jünger als 30 Jahre sind. Nach Zahlen der UBOS zählt die jugendliche Bevölkerungsschicht (18-35 Jahre) heute sieben Millionen Menschen, wobei diese Zahl in den nächsten Jahren massiv steigen wird, da 55,1% aller Einwohner Ugandas Kinder sind (0-17 Jahre). Die Jugend in Uganda sieht sich einer Reihe von Problemen gegenüber, von Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung, unpassender und mangelhafter medizinischer Versorgung oder die schlechte Qualität des Bildungssektors. Wie auch allgemeingültig für die gesamte Bevölkerung, entstanden diese Probleme für die Jungend durch schleppende wirtschaftliche Entwicklung in Uganda und die Frage nach Führungsverantwortung. Die meisten Maßnahmenprogramme wurden jedoch nicht an die Jugend als eine homogene Gruppe adressiert. Aufgesetzt wurden spezifisch zugeschnittene Programme.

Folglich wurden junge Menschen, wie Frauen oder Behinderte, als eigene Gruppe behandelt, für welche wiederrum extra zugeschnittenen Programme aufgesetzt wurden. Für die Probleme dieser Menschen beim Finden von Arbeit, wurden deren fehlende Fähigkeiten verantwortlich gemacht. Untersuchungen zeigen jedoch, dass fehlende Arbeitsmöglichkeiten das wahre Problem sind. Diese falschen Schlussfolgerungen der Probleme der Jugend, haben zu weiteren Limitierungen ihres Einflusses auf ihr eigenes Leben geführt. In seiner Rede bemängelte Gimara Francis, Präsident der „Ugandan Law Society“ und Mitgründer des „youth analysis board“ – eine der ersten Jugendbewegungen Ugandas – die Definition der Jugend, als ausschließlich Nutznießer der aufgesetzten Programme. Für eine effektive Beteiligung der Jugend müsste sich dies jedoch ändern, so Francis. Die Jungend sollte besser in Entscheidungsprozesse, in der Projektentwicklung, der Politikgestaltung oder rechtlichen Fragen eingebunden werden.

Die Jugendpolitik muss auf der Prämisse fußen, dass die Jugend ein Recht hat, ihren Willen auszudrücken, im Entscheidungsprozess eingebunden zu werden, die ihre Leben betreffen und als aktive Teilnehmer der Gesellschaft gesehen zu werden und nicht nur als Nutznießer jungendfördernder Programme. Hierauf basiert auch die Idee der „jungen Stimme“ oder der Ansatz, dass die Jugend nur partizipieren kann, wenn sie wirklich eingebunden ist und als aktive und informierte Bürger wahrgenommen werden. Sie müssen wissen was von ihnen erwartet wird und verantwortlich für ihr Tun sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Jugend nur als Spielball der Politik missbraucht wird. Halbherzige Initiativen und Spielchen mit der Jugend sind nicht nur erfolglos, sie sind sogar kontraproduktiv für deren Partizipation. Gimara Francis hinterfragte auch die Repräsentation der Jugend im hiesigen Parlament.

Er führte weiter auch aus, dass eine Notwendigkeit bestehe die verschiedenen Gruppen innerhalb der Jugend passgenau zu adressieren. Die Politik und die Programme müssen dieser Heterogenität Rechnung tragen und die Probleme der einzelnen Gruppen klar herausfiltern und entsprechend angepasst werden. Gleichzeitig bedarf es jedoch auch des Mutes der Jugend eigene Führungskräfte zu entwickeln, die in ihrer Stimme sprechen und ihre Werte verteidigen.

Andere Teilnehmer der Konferenz, darunter auch Panelteilnehmer, bemängelten die vorherrschende Meinung und die daraus folgende Tendenz, dass junge Menschen in Uganda als Problem gesehen werden. Dies führt zu großen Probleme n in Sachen Beteiligungsrechten. Sie führten aus, dass die Jugend noch immer marginalisiert werde und dass die Diskussion deren Probleme noch immer in abgeschlossenen Kotexten stattfinden, selbst wenn dies allgemeingültige Probleme sind. Diese Diskussionen müssen jedoch allgemein und eingebettet im Gesamtkontext geführt werden. Es müsste klar sein, das Uganda insgesamt vor großen Herausforderungen steht – Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Armut, Ungleichheit, ökonomische Ausgrenzung, schlechte Versorgung im Bildungs- und Gesundheitswesen. Diese Probleme betreffen sowohl die Jugend, wie auch die Älteren. Niemand sollte dem Trugschluss aufsitzen, dass die Lösung dieser Probleme nur der Jugend zugutekommen würde. Es ist sogar so, dass die Jugend einen massiven Beitrag zur ökonomischen Entwicklung beisteuern kann, wenn die Probleme klar benannt werden. Hierfür muss sich aber der Blick auf die Jugend verändern. Die Jugend muss in allen Bereich eingebunden werden. Die Isolation der Jugend von den grundlegenden und allgemeinen Diskussionen hat zu Beschränkungen deren Partizipation und Beteiligung geführt. Sowohl in Fragen des Entwicklungsprozesses, wie auch in Regierungsfragen.

Das „youth livelihood-Programm“ hat bis heute darin versagt, Arbeitsplätze für die Jugend zu schaffen. Jugendliche im Agrabereich stellten sogar fest, dass es heute schwieriger ist aus dem Programm tatsächlich Gelder zu erhalten. Es wurde wenig dafür unternommen, dass die Jugend auch wirklich von diesem Programm profitiert. Es wurde sogar berichtet, dass einige Kreditnehmer verhaftet wurden, da sie die Raten nicht mehr bedienen konnten. Dieses Programm ist darüber hinaus auch nicht das erste Kreditprogramm, welches sich mit diesen Problemen konfrontiert sieht. Schon die Vorgängerprogramme „entandikwa“ und „youth venture capital“ sahen sich diesen Problemen ausgesetzt. Einen Einfluss auf den Aufbau des „youth livelihood-Programm“ hatten diese Erfahrungen jedoch nicht. Für viele Teilnehmer ist dies ein Anzeichen dafür, dass die Regierung kein wirkliches Interesse an der Behebung jugendspezifischer Probleme hat. Die Aufrechterhaltung der Beschränkungen und Überwachungen scheinen eher erwünscht.

Auch wenn Uganda Rahmenbedingungen und politische Initiativen für die Partizipation der Jugend eingeführt hat, bleibt festzustellen, dass diese Bemühungen schwach und uneffektiv sind. Auch wurde beobachtet, dass die implementierten jugendlichen Führungsstrukturen nicht adäquat wirken. Das „National Youth Council“, welchem die Aufgabe der Mobilisierung der Jugend zukommt, kümmert sich nur um die Einhaltung der Jugendquote im Parlament und deren Wahlprozess. Daher findet eine Mobilisierung der Jugend nur durch Organisationen der Zivilbevölkerung statt, die sich jedoch auch einer Reihe von Problemen ausgesetzt sehen. Staatliche und nichtstaatliche Organisationen weisen zudem Schwächen im Bereich der Rechenschaft auf.

Um all diese Probleme zu beheben, sei es nicht nur notwendig die Jugend mit entsprechendem Rüstzeug auszustatten, sondern sie auch aktiv und effektiv an den Regierungs- und Entwicklungsprozessen zu beteiligen, um gutes Regierung, nachhaltigen Frieden und Entwicklungspotenziale sicherzustellen, so die Abschlussargumentation. Darüber hinaus verlangen diese Probleme auch eine interne und externe Stärkung bereits bestehender Organisationen. Es bedarf weiter auch starker Netzwerke, die Unterstützung von Jugendbewegungen und Zusammenarbeit und Partnerschaften. Dies hätte eine starke und gestärkte Jugendgeneration zur Folge. Ein Zustand, der im Gesamtinteresse Ugandas liegt.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Uganda, 26. Juli 2017

Panelteilnehmer
Panelteilnehmer
Teilnehmer
Rebecca Kukundakwe
Gimara Francis