2018 Uganda Social Media Konferenz: Die wichtigsten Einblicke und Eindrücke

Demokratie und bürgerschaftliches Engagement im Zeitalter von Social Media

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Am 28. Juni fand in den Mackinnon Suites die vierte Auflage der größten Social Media Konferenz Ugandas statt. 400 Gäste, Referenten und Aussteller versammelten sich zu einem Diskurs über digitale (Des) Information und deren Auswirkung auf demokratische Prozesse. In diesem Jahr wurde ein neues facettenreiches Format mit drei parallelen Workshop-Sitzungen eingeführt, gefolgt von erstklassigen Reden, Podiumsdiskussionen und verschiedenen Debatten.

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Der Morgen der Konferenz begann mit drei Workshops für registrierte Teilnehmer. Im ersten Workshop wurden mit der deutsch-südsudanesische Initiative #defyhatenow Wege diskutiert, um auf Hassreden zu reagieren und diese zu abzumildern. Dabei wurden Möglichkeiten wie direkte Berichterstattung, Prüfung von Inhalten auf deren Wahrheitsgehalt oder eine generelle Aufmerksamkeitsschaffung durch Trainings, Verifikationsprozesse und persönliche Reflexion vorgestellt. Weiterhin wurde die reaktive Politik von Technologieunternehmen sowie länderspezifische rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen diskutiert.

Mark Kaigwa, Gründer der digitalen Unternehmensberatung Nendo, stellte im zweiten Workshop Tools und Tricks der Online-Manipulation vor. Aufgrund der drastisch gestiegenen Informationsmenge, die wir täglich erhalten, ist unsere Aufmerksamkeitsspanne sehr kurz geworden und entsprechend können wir nicht mehr alle Neuigkeiten ausreichend verarbeiten. Unter solchen Umständen ist es wichtig, dass wir innehalten, reflektieren und verifizieren, bevor wir Informationen weiterverbreiten - sonst steigt die Gefahr der Desinformation. Um diesem Trend entgegenzuwirken, zeigte Mark Kaigwa Methoden und Online-Tools, um gefälschte Nachrichten, Accounts oder Screenshots zu entdecken.

Im letzten Workshop der Media Challenge Initiative entwickelten Teilnehmer gemeinsam mit Experten digitale Inhalte für bürgerschaftliches Engagement. Sie lernten mit der Applikation KineMasters direkt auf ihren Smartphones wie man damit auf öffentliche Meinungen reagieren und sie beeinflussen kann.

Nach dem Mittagessen begrüßte die Konferenz alle neu hinzugekommenen Teilnehmer zur Plenarsitzung und Open Market Session. Mathias Kamp, Leiter des Landesbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung, eröffnete offiziell die vierte Uganda Social Media Conference, hob die Bedeutung digitaler Desinformation hervor und präsentierte das neue Format.

Ihm folgte Mark Kaigwa mit einer informativen Rede: Er verglich die Online-Community mit einem Dorf in dem verschiedenen Akteuren wohnen, die unterschiedliche Absichten haben. In diesem vielfältigen Umfeld sollte sich das Online-Engagement nicht auf das Teilen möglichst vieler Inhalte konzentrieren, sondern eher auf das Teilen qualitativ ansprechender Inhalte für den jeweiligen Adressatenkreis. Solch eine strategische Planung schaffe einen direkten Mehrwert für die jeweilige Zielgruppe. Markt Kaigwa fasste anschließend seinen am Morgen gehaltenen Workshop zu den Mechanismen von Fake News zusammen.

Der Nachmittag wurde mit einer interaktiven Podiumsdiskussion über soziale Medien und Desinformation fortgesetzt, an der fünf Diskussionsteilnehmer mit verschiedenen Online-Medien-Hintergründen teilnahmen. Passend zum Format konnte das Publikum Fragen direkt und via Twitter stellen. Zu den diskutierten Themen gehörten die Entwicklung von künstlicher Intelligenz, gefördert mit neuen Algorithmen und Bots, die Unterstützung für investigativen Journalismus, neueste Gesetze und Vorschriften sowie die Förderung, Löschung oder Unterdrückung verschiedener Arten von Nachrichten.

Nach Abschluss der Plenarsitzung konnten sich die Teilnehmer zwischen vier verschiedenen Aktivitäten entscheiden. Als erstes bestand die Möglichkeit sich mit verschiedenen Ausstellern auf einem Marktplatz zu unterhalten. Weiterhin konnte man in der Speakers 'Corner mit Songa Samuel Stone Möglichkeiten diskutieren, Nachrichten für die breite Online-Community zugänglich und verständlich aufzubereiten. Gleichzeitig erklärte Vincent Ng'ethe, wie man Fakten von Fiktion unterscheidet. Im Auditorium konnten die Teilnehmer zehn Kurzvorträge zu verschiedenen Themen wie der neuen Social-Media-Steuer in Uganda, Online-Aktivismus während Kriegszeiten oder die Herausforderung, zu viel oder zu wenig Informationen online zu veröffentlichen, hören. Die vierte Aktivität bestand aus zwei Lagerfeuer-Gesprächen, in denen Möglichkeiten der Desinformation entgegenzusteuern aufgezeigt wurden und politisches Online-Engagement in kleinen Gruppen diskutiert wurden.

Die Konferenz schloss mit einer Debatte um das Hauptthema Desinformation und deren Auswirkungen auf die Demokratie. Es war umstritten, ob soziale Medien direkt Desinformation verursachen oder diese eher ein fester Bestandteil des sozialen und politischen Systems sind. Insgesamt hob die Konferenz hervor, wie wichtig es ist, die Auswirkungen von sozialen Medien auf eine demokratische Gesellschaft ständig zu diskutieren und zu hinterfragen.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Uganda, 29. Juni 2018

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