"Tschornobyl: Hier gibt es Leben“

DOKUMENTARFILM

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Die erste Dokumentation von Greencubator über die Probleme von Tschernobyl und ihre Lösungen außerhalb des 30. Jahrestages. Der Film wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung Ukraine, der International Renaissance Foundation und nationalem Fernsehsender UA:Perschy unterstützt.

Am 26. April 2016 jährte sich zum 30. Mal die Havarie im AKW Tschornobyl. Dieses Ereignis prägte sich ins Gedächtnis der Menschen als schreckliche Tragödie, deren Schmerzen und Verluste noch auf viele künftige Generationen der Ukrainer wirken werden. Im Mittelpunkt von Maßnahmen zur Begehung des Jahrestages von Tschornobyl stand die Verehrung von sogenannten Liquidatoren von Folgen der Havarie im AKW Tschornobyl und von Menschen, die wegen der Katastrophe ums Leben gekommen waren. Dazu kamen die Schweigeminute, Vorführung von Dokumentarfilmen, eine Fotoausstellung, Präsentation einer erneuerten Exposition im Tschornobyl-Museum und neuer Bücher über den Unfall, ein Konzert, die Auszeichnung von Veteranen, ein Treffen mit Zeugen der Havarie und Liquidatoren. Dank der Öffnung von KGB-Archiven wurden geheim gehaltene Einzelheiten der Havarie und ihrer Folgen bekannt, die einen großen Widerhall fanden.

All diese Maßnahmen sind eine Komponente der Erinnerungskultur der Ukrainer. Ist es aber angebracht, die Tschornobyl-Havarie ausschließlich tragisch und retrospektiv zu betrachten? Roman Zinchenko, Mitgründer des Netzwerkes von Energieinnovationen „GreenCubator“ und seit kurzem auch ein Regisseur, ist der Meinung, dass die tschornobylbezogenen Herausforderungen nicht zu bewältigen sind, wenn dies nur einmal im Jahr, zum Jahrestag der Tschornobyl-Havarie, thematisiert wird und dabei nur tragische Seiten beleuchtet werden. Eine positive Einstellung zur Sperrzone, unsere Treffen mit dem Bürgermeister und öffentlichen Aktivisten der Stadt Slawutytsch motivierten die Stiftung zur Förderung der Schaffung eines Dokumentarfilms mit dem Ziel, den Zuschauern die Wichtigkeit der Änderung der ukrainischen Mentalität zu vermitteln, und zwar „von der opferbezogenen zur lebensbejahenden“ Mentalität (victim to vital).

Auf die Idee, einen Dokumentarfilm zu drehen, kam Roman Zinchenko nach zwei Reisen. Die erste Reise fand im Februar 2016 als Studien- und Dialogprogramm der Konrad-Adenauer-Stiftung statt, wo es u.a. um die Revitalisierung von atomaren Monostädten ging, denen im Rahmen der Energiewende dank der Entwicklung grüner Technologien neues Leben gewährt wurde. Ein klassisches Beispiel solch einer Stadt in der Ukraine ist Slawutytsch, die kleinste Stadt im Lande. Ein Besuch in dieser Gemeinde im März 2016 gab dem Team von „GreenCubator“ den zweiten Impuls. Slawutytsch wurde 1986 für den Umzug von Arbeitern des AKWs Tschornobyl und ihrer Familienangehörigen aus Prypjat gegründet. Die Stadt wurde zur Verkörperung von besten damaligen Bauprojekten, zu einer erfolgreichen Bündelung von Stadt, Dorf und Wald. Die vorfristige Stilllegung des AKW Tschornobyl im Jahre 2000 wurde zu einer echten Tragödie für die Slawutytsch-Einwohner und bedingte einen bedeutenden Bevölkerungsabfluss. Die Stadtbehörden und bürgerliche Aktivisten unternahmen recht große Anstrengungen, um die Stadt aufrechtzuerhalten und zu entwickeln, indem sie auf kreative Ansätze, Innovationen und nicht zuletzt auf grüne Technologien setzten.

Um diese Schritte und um weitere potentielle Möglichkeiten der Entwicklung dieser Region handelt es sich im ersten Dokumentarfilm „Tschornobyl: hier gibt es Leben“ der NGO „GreenCubator“. Als Grundlage des Films dienten Interviews mit Menschen, deren Leben mit der Sperrzone, mit Slawutytsch, mit dem AKW Tschornobyl, mit Kontaminationsgefahren und deren Relativierung, mit Wissenschaft und einem einmaligen Ökosystem verbunden sind, das sich in der Sperrzone erneuerte, nachdem die Menschen diese verlassen hatten. Die Filmschaffenden schlagen vor, in die Zukunft der Sperrzone zu blicken und rufen die Zuschauer auf, ihr Potential maximal zu nutzen. Vor allem geht es um das humane, wissenschaftliche und natürliche Potential, aber auch um die vorhandene Infrastruktur und um einmalige Erfahrungen bei der Bewältigung der atomaren Katastrophe. Der Film wurde von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der internationalen Stiftung „Renaissance“ und dem nationalen Fernsehkanal „UA: der Erste“ gefördert.

Mit englischen Untertiteln ist der Film hier zu sehen.

Autor

Kateryna Bilotserkovets

erschienen

Ukraine, 15. Juni 2016

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Projektkoordinatorin Europäische Integration

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