Westbalkan – im Rampenlicht der globalen Akteure

KAS – IFAT Konferenz über den Westbalkan 2018

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Unter diesem Motto trafen sich zahlreiche Experten und ein interessiertes Fachpublikum am 1. März 2018 in Budapest. Nach der ersten erfolgreichen Konferenz über den Westbalkan im Februar 2017, waren die Organisatoren bestrebt, den Austausch von Meinungen und Ansichten über die Entwicklungen in der westlichen Balkanregion fortzuführen.

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Frank Spengler, Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung, und Márton Schőberl, Direktor des Instituts für Auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft, begrüßen Péter Szijjártó, Ungarns Minister für Außenwirtschaft und Auswärtige Angelegenheiten (v.r.n.l).

Frank Spengler, Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung und Márton Schőberl, Direktor des Instituts für Auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft, begrüßen Péter Szijjártó, Ungarns Minister für Außenwirtschaft und Auswärtige Angelegenheiten (v.r.n.l).

Zu dem Workshop, der den EU-Annäherungsprozess der sechs westlichen Balkanländer, Albanien, Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, Kosovo, Montenegro und Serbien, zum Inhalt hatten, luden das Institut für Auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft sowie die Konrad-Adenauer-Stiftung ein. Das Ziel der Veranstaltung war die Analyse der Region aus einer externen Perspektive.

Die Veranstaltung war in einen geschlossenen Teil am Vormittag und einen offenen Teil am Abend gegliedert. Intern diskutierten die Teilnehmer über verschiedene Aspekte des Westbalkans. Dabei standen vor allem Sicherheitsfragen, die Infrastruktur sowie innenpolitische Spannungen im Vordergrund. An der Veranstaltung nahmen Vertreter aus China, Russland, der Türkei sowie der Mitgliedsländer der Europäischen Union teil. So stellte man u. a. fest, dass China keineswegs als Bedrohung wahrgenommen werden solle, sondern vielmehr als Stabilisator und Investor, der zur zukünftigen Entwicklung des Landes beitragen könne. Russland hingegen verspreche sich durch einen möglichen Beitritt zur Europäischen Union einen verbesserten und intensiveren Austausch mit den übrigen Mitgliedsstaaten. Außerdem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass bis 1995 über 1,5 Mio. Menschen aus dem Westbalkan in die Türkei immigrierten. Zudem wurden Sorgen und Bedenken bezüglich Korruption und Kriminalität geäußert, die unmittelbar mit der wirtschaftlichen Lage einhergehen: Vorwiegend junge und gut ausgebildete Leute verlassen das Land, da sie in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Die sechs Länder müssten ihr Konkurrenzdenken aufgeben und gemeinsam eine Lösung ihrer Probleme erarbeiten, so die einheitliche Meinung der Experten.

Am frühen Abend wurde die Veranstaltung in den Räumen des Instituts für Auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft (KKI) fortgesetzt. Nach den Grußworten von Frank Spengler, Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung und seines Kollegen Márton Schőberl, Direktor des Instituts für Auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft, eröffnete Péter Szijjártó, Minister für Außenwirtschaft und Auswärtige Angelegenheiten, die Veranstaltung. Szijjártó wies darauf hin, dass die EU nun mit einer der wichtigsten Herausforderungen konfrontiert sei. Dennoch dürfe man diese emotionale Debatte nicht als solche entscheiden, sondern müsse zu einem rationalen Ergebnis kommen. Die Herausforderungen, denen sich die Gemeinschaft derzeit konfrontiert sehe, könne nur gemeinsam begegnet werden. Zudem ermahnte Szijjártó die Gäste zu bedenken, dass der Westbalkan bereits in der EU sei, denn er sei umringt von Mitgliedsstaaten. „Wir Europäer denken, dass die Erweiterung der Schlüssel zur Lösung der Probleme ist, denn je mehr wir sind, desto stärker sind wir.“

Im Folgenden diskutierten Zsolt Németh, Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten der Ungarischen Nationalversammlung, Knut Abraham, Referatsleiter für Bilaterale Beziehungen im Bundeskanzleramt sowie Clive Rumbold, stellvertretender Leiter der Abteilung für den westlichen Balkan des Europäischen Auswärtigen Diensts, über den Fortschrittsbericht der EU-Kommission und welchen Beitrag einzelne Länder zum Gelingen beitragen könnten. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Márton Ugrósdy, stellv. Direktor für Strategische Angelegenheiten des Instituts für Auswärtige Angelegenheiten und Außenwirtschaft, Ungarn.

Einig war man sich in den Punkten, dass der Westbalkan noch viel zur Verbesserung des Ansehens beizutragen habe. Allen voran müsse für wirtschaftliche Entwicklung, Infrastruktur und Sicherheit gesorgt werden, damit die Region für Touristen ein attraktives Urlaubsziel werden könne. Solange in den Ländern des Westbalkans die demokratisch Entwicklung im Sinne der europäischen Werte nicht nachhaltig als gesichert betrachtet werden könne, sei eine Aufnahme in die Europäische Union nicht möglich.

Autor

Veronika Konrad

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Ungarn, 2. März 2018