Die USA und das vereinte Europa müssen das Bündnis der freien Völker des Westens fortsetzen

Jürgen Rüttgers im Interview zu Donald Trump und der neuen US-Administration

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Jürgen Rüttgers besucht seit 30 Jahren regelmäßig die USA, um die Situation zu analysieren und Gespräche zu führen. Nico Lange sprach während seines aktuellen Besuchs im Februar 2017 mit Jürgen Rüttgers über Donald Trump, die USA, Europa und die transatlantischen Beziehungen.

Nico Lange: Herr Rüttgers, herzlich willkommen bei der Konrad-Adenauer-Stiftung in Washington. Sie sind seit vielen Jahren immer wieder hier in den Vereinigten Staaten und verfolgen die Entwicklungen. Jetzt sind Sie in einer sehr besonderen Zeit gekommen, das merkt man ja auch bei den Gesprächen. Was ist denn die Botschaft, die Sie für die amerikanischen Gesprächspartner gerade haben?

Rüttgers: Ich glaube, wir haben beide, die Vereinigten Staaten und das vereinte Europa, ein Interesse daran, dass wir das Bündnis der freien Völker des Westens fortsetzen. Hier ist im Moment viel Chaos. Hier weiß die Rechte nicht, was die Linke tut. Hier gibt es, wie ich gerade gelernt habe von einem Gesprächspartner, eine Koalition innerhalb der Administration von Präsident Trump.

Was wir, glaube ich, machen müssen, ist, uns erstmal klar machen, dass es nicht darum geht, einen Kampf gegen Amerika zu organisieren, sondern dass es darauf ankommt, weiter zu wissen, dass das unser stärkster Verbündeter ist, dass das eine ganz starke Volkswirtschaft ist, dass es hier auch die größten Forschungsfirmen und Forschungsinstitute der Welt gibt und auch die Kultur, Stichwort Hollywood, für uns eine große Bedeutung hat. Was wir versuchen müssen hinzubekommen, ist, dass wir, die USA und das vereinte Europa, gemeinsam dieses Bündnis der freien Völker des Westens auch in Zukunft erhalten.

Bilaterale "Deals" sind nicht die Antwort auf Globalisierung und Digitalisierung

Lange: Sie verfolgen ja die Diskussion hier jetzt, sprechen mit vielen Gesprächspartnern, viele auch, die Sie über Jahre schon kennen. Gibt es denn einschneidende Veränderungen, die Sie bemerken in der amerikanischen Gesellschaft oder bei Kontakten, die Sie schon lange haben? Hat sich wirklich viel verändert?

Rüttgers: Es hat sich viel verändert. Früher war klar, wir haben beide für die gleichen Ziele, für die gleichen Werte gekämpft. Inzwischen gibt es eine Gruppe, die auch inzwischen Vertreter im Weißen Haus hat, die das ganz anders sehen. Die wollen Europa zerstören. Die wollen lieber mit einzelnen Staaten reden und dann Deals machen, wie das jetzt hier heißt. Und ich glaube, das kann nicht die Antwort auf die Herausforderungen von Globalisierung und Digitalisierung sein, dass wir uns jetzt in Europa zerlegen lassen. Das Bündnis soll weiter bestehen, das Bündnis muss weiter bestehen, aber es muss ein Bündnis auf gleicher Augenhöhe sein.

Lange: Was heißt das für uns als Deutsche und Europäer? Was raten Sie denn denjenigen, die jetzt operativ mit der amerikanischen Administration zusammen arbeiten müssen für die nächste Zeit?

Für uns gelten die westlichen Werte weiter

Rüttgers: Für uns gelten die westlichen Werte weiter, für uns gilt die Moderne weiter. Wir stehen zu den Menschenrechten, zu den Bürgerrechten. Wir wollen mit Amerika zusammen die Zukunft gestalten, aber wir lassen uns nicht fremdbestimmen vom Weißen Haus hier in Washington.

Lange: Vielen Dank Herr Rüttgers.

Autor

Nico Lange

Serie

Länderberichte

erschienen

USA, 1. März 2017

Kontakt

Nico Lange

Leiter des Auslandsbüros Washington

Nico Lange
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