KAS in Cadenabbia

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Die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) kaufte die Villa La Collina 1977 und erweiterte sie zu einem Internationalen Begegnungszentrum für Politik, Wirtschaft und Kunst. Sie ist zu einem begehrten Ort für Tagungen und Kongresse geworden – kein Wunder angesichts der Lage und der Freizeitmöglichkeiten. Interessenten können sich direkt bei der Villa La Collina erkundigen.

Die KAS als Eigentümerin

1977 erwarb die Konrad-Adenauer-Stiftung das Gebäude samt Gelände. Es sollte fortan vor allem der politischen Bildungsarbeit dienen. Allerdings zeigte sich, dass die Villa für größere Veranstaltungen zu klein war. Anfang der 1990er Jahre wurde daher ein zweites Gebäude unterhalb der Villa gebaut: die „Accademia Konrad Adenauer“, die sich behutsam in die gesamte Anlage einfügt. Dadurch können heute bis zu 60 Gäste aufgenommen werden.

In diesem Zuge wurde auch das Nutzungskonzept erweitert. Stand inhaltlich bis dahin vor allem die deutsch-italienische Perspektive im Vordergrund, so wurde dieser Rahmen nun auf ganz Europa ausgedehnt. Und war die Villa La Collina bis dato ein Ort für die Treffen von viel politischer Prominenz, den man nur nach Einladung besuchen konnte, so öffnete sie sich nun: Seminare für Führungskräfte, Kongresse und Tagungen bis hin zu Tagesbesuchern, die einfach nur mal das Anwesen sehen möchten, in denen sich der erste Bundeskanzler erholt hatte.

Die Kombination aus räumlicher Vergrößerung und konzeptioneller Erweiterung machte einen wirtschaftlicheren Betrieb der Anlage möglich. Die Villa La Collina ist heute von der Bundesrepublik als „Gedenkstätte von nationaler Bedeutung“ anerkannt. Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist Eigentümerin, für das laufende Geschäft ist eine eigene Betreibergesellschaft zuständig.

Die Accademia Konrad Adenauer
Die "Accademia Konrad Adenauer"

Politik, Kunst und mehr

Die Villa ist auch heute noch ein Ort der Abgeschiedenheit und der Arbeit, wie zu Adenauers Zeiten. Die Stiftung pflegt dieses Erbe und hält den Geist jener Jahre lebendig. Jährlich kommen etwa 2000 Gäste, um in dieser besonderen Atmosphäre an Veranstaltungen der Konrad-Adenauer-Stiftung teilzunehmen und mit ihr zusammen Analysen und Empfehlungen zu wichtigen politischen Themen zu erarbeiten.

2006 hat die Konrad-Adenauer-Stiftung in Cadenabbia etwa 60 Konferenzen und Bildungsveranstaltungen durchgeführt. Nur beispielhaft seien hier einige Veranstaltungsreihen genannt:

Seit den 1980er Jahren finden in der Villa La Collina regelmäßig deutsch-britische Parlamentariertreffen mit britischen Konservativen und deutschen CDU-Politikern statt. Bei den Treffen geht es nicht um akademische Dispute, sondern um die tägliche Praxis der Politik. Dabei konnte die CDU, die damals unter Helmut Kohl erst seit kurzem die Regierung führte, durchaus von der schon längeren Regierungserfahrung der britischen Tories profitieren.

Seit Mitte der neunziger Jahre treffen sich unter der Ägide der Konrad-Adenauer-Stiftung einmal jährlich deutsche Bedienstete in internationalen Organisationen, aber auch wichtige Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik in ungezwungener Atmosphäre, um Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen. Aktuelle Probleme werden dabei ebenso diskutiert wie Einblicke in den jeweils anderen Bereich gewährt.

Zusammen mit den Think Tank "European Ideas Network" (EIN) wird in Cadenabbia an gemeinsamen Strategien für alle europäischen Parteien aus dem Umfeld der Christlichen Demokratie gearbeitet. Für Themen wie demografischer Wandel, Sicherheit und Außengrenzen der EU werden Leitlinien entwickelt, die den Parteien als Hilfe für ihre eigene Politik dienen.

Ebenfalls jährlich führt die Konrad-Adenauer-Stiftung dort ihre Tagung „Medizin-Ethik-Recht“ durch, die eine wichtige Ergänzung zu ihren Projekten im Bereich der Bioethik darstellt. 2006 ging es um die gerechte Verteilung knapper Ressourcen im Gesundheitssystem; dabei spielten auch Themen wie Sterbehilfe, Altern und Grenzen der Gesundheit eine wichtige Rolle. Es werden hier keine abstrakten Debatten geführt, sondern konkrete Hilfestellungen für die Gesundheitspolitik erarbeitet und publiziert.

Regelmäßig finden in der Villa La Collina internationale Konferenzen statt. Schwerpunkte in den vergangenen Jahren waren u.a. das Baltikum, der Balkan, Rumänien und Großbritannien. Darüber hinaus geht es um so verschiedene Themenbereiche wie Entwicklungspolitik, „good Governance“ und staatliche Reformen.

Seit 1995 ist Cadenabbia Ort der Autorenwerkstatt der Konrad-Adenauer-Stiftung. Jährlich, im Herbst, kommen in der Villa La Collina zwölf bis 15 Schriftsteller zusammen, um aus unveröffentlichten Texten zu lesen und diese Arbeiten mit Kritikern, Germanisten und Politikern zu diskutieren. An der ersten bis zwölften Werkstatt haben knapp 100 Autorinnen und Autoren mitgewirkt. Inspiriert durch das malerische Ambiente des Comer Sees sind eine Reihe von Gedichten, Prosastücken und Tagebuchaufzeichnungen entstanden, die in der vom KAS-Ehrenvorsitzenden Bernhard Vogel herausgegebenen Anthologie „Cadenabbia als literarischer Ort. Schriftsteller am Comer See“ (Münster: LIT Verlag, 2006, 185 S., 30 Abb., geb., 19,90 Euro) gesammelt vorliegen. Zu den Autoren gehören Elisabeth Borchers, Ulrike Draesner, Elke Erb, Thomas Hürlimann, Daniel Kehlmann, Hartmut Lange, Patrick Roth, Burkhard Spinnen, Arnold Stadler und viele andere.

Inzwischen ist Cadenabbia auch zum Treffpunkt von Bildenden Künstlern geworden, die durch den Else-Heiliger-Fonds (EHF) der Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert wurden. Über die Grenzen der Kultursparten hinweg diskutieren sie gemeinsam mit Autoren, Komponisten, Galleristen, Museumsdirektoren, Journalisten, Festivalleitern über gesellschaftspolitisch relevante Fragestellungen – sei es die Frage nach Tabus in Kunst und Literatur oder das Verhältnis zwischen Kunst und Macht. Ob Autorenwerkstatt oder EHF-Werkstatt: Cadenabbia steht in vielfältiger und überzeugender Weise für den Begriff Gesprächskultur. Die Konrad Adenauer-Stiftung nutzt die Räumlichkeiten auch für interne Veranstaltungen. So tagt dort alljährlich der Planungsausschuss, der die Stiftung selbst sowie stiftungsnahe Politiker in entwicklungs- und außenpolitischen Fragen berät. Und die Stiftung bietet in Cadenabbia auch staatsbürgerliche Seminare zur politischen Bildung an. Sie befassen sich mit der Nachkriegspolitik in Deutschland und Europa und richten ein besonderes Augenmerk auf das Wirken Konrad Adenauers.