Südkaukasus-Konflikt und die NATO-Russland-Beziehungen
Eine humanitäre und politische Katastrophe
Anfang August 2008 ist im Südkaukasus genau das passiert, was nur noch eine Frage der Zeit war. Der georgische Präsident Michail Saakaschwili, von den USA wegen seinem russlandkritischen Kurs geschätzt, hat versucht, die abtrünnige Teilrepublik Südossetien wieder unter georgische Herrschaft zu bringen. Saakaschwili hat hoch gepokert, die Reaktion Russlands, das nur darauf gewartet hat, Tiflis eine Lektion zu erteilen, provoziert, und Südossetien, aber auch Georgien selbst, in eine humanitäre und politische Katastrophe gestürzt.
Mittlerweile hat Russland ungeachtet scharfer Warnungen aus dem Westen die Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens anerkannt. Zugleich sicherte Präsident Dmitri Medwedew beiden Gebieten auch militärischen Beistand zu. Nachdem die NATO ihre Kontakte mit Russland im NATO-Russland-Rat auf Eis gelegt hatte, wollte Russland seinerseits die Zusammenarbeit mit der NATO mindestens ein halbes Jahr aussetzen. Anfang Dezember 2008 sprachen sich die Außenminister der NATO allerdings für die Wiederaufnahme informeller Gespräche im NATO-Russland-Rat aus.
Kritik des Westens wegen angeblicher anfänglicher Verstöße gegen den mit Frankreich ausgehandelten Sechs-Punkte-Plan für den Südkaukasus wies Medwedew unter Hinweis, dass sein Land keine neue Konfrontation mit dem Westen wünsche, zurück. Anfang September verständigten sich Nicolas Sarkozy und Dmitri Medwedew auf den Einsatz einer Beobachtertruppe der EU, die den Abzug der russischen Truppen überwachen soll. Am 1. Oktober 2008 begann diese European Monitorin Mission mit dem Ziel, die Stabilität in der Region wiederherzustellen und zu überwachen.
1. Keine Anwendung von Gewalt.
2. Endgültige Einstellung der Kampfhandlungen.
3. Freier Zugang für humanitäre Hilfe.
4. Die georgischen Streitkräfte müssen sich auf ihre gewöhnlichen Standorte zurückziehen.
5. Die russischen Streitkräfte müssen sich auf die Linien zurückziehen, an denen sie sich vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten befunden haben. Die russischen Friedenstruppen werden zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen durchführen, bis ein internationaler Mechanismus vereinbart ist.
6. Aufnahme internationaler Gespräche über die Modalitäten für die Sicherheit und die Stabilität in Abchasien und Südossetien.
Mit diesem Portal begleitet die Konrad-Adenauer-Stiftung den Konflikt und dessen Auswirkungen insbesondere auf Europa und das Deutsch-Russische Verhältnis.
Nachrichten
- Viel Arbeit für die Ukraine: Das Land wird sich anstrengen müssen, um dem Zwischenziel eines MAP-Status näher zu kommen.
- Sicherheit am Schwarzen Meer: Rumäniens Staatspräsident Basescu fordert stärkere EU und NATO-Präsenz in der Schwarzmeerregion
- Mehr als nur Krisenmanagement: Mit Blick auf die Wahlen zum Europäischen Parlament 2009 kann der Herbstgipfel der Staats- und Regierungschefs zu einem wichtigen Damm gegen die europakritischen Strömungen werden.
- Südkaukasus-Konflikt: Die EU bekräftigt und konkretisiert ihre Rolle
- 100 Tage Präsident Medwedew: Der Krieg im Südkaukasus ist Dmitri Medwedews bislang größte Herausforderung.
Publikationen
"A New Beginning?"
Die Zukunft der NATO-Russland-Beziehungen
Die Beziehungen der NATO zu Russland sind geprägt von der Spannung zwischen der Notwendigkeit einer Kooperation einerseits und scharfen Interessengegensätzen andererseits. Seit dem Georgienkrieg 2008 ist Russland selbst Teil der Risikoanalyse. Marc Oprach, Die Politische Meinung, 4. Jan. 2010 mehr...
Experten einig: Amerika bleibt weiterhin die Supermacht
"Die "soft power" ist die größte Stärke der USA"
Bei der Abschlussdiskussion der Wunstorfer Gespräche 2009, die unter dem Thema „Ein neues Amerika – Weltmacht im Aufbruch oder im Abstieg?“ in Zusammenarbeit mit dem Lufttransportgeschwader 62 stattfanden, diskutierten Dr. Patrick Keller, Prof. Dr. Hannes Adomeit und Prof. Dr. Carlo Masala über die Mächte der Welt, verschiedenste Konfliktpotentiale und die neu gewählte Obama-Administration. Veranstaltungsbeiträge, 30. Nov. 2009 mehr...
Prof. Adomeit: "Russland hat kein Interesse an einer nuklearen Abrüstung"
„Die Beziehungen zwischen Russland und Amerika haben sich kontinuierlich verschlechtert“
Im Rahmen der Wunstorfer Gespräche 2009 referierte Prof. Dr. Hannes Adomeit, Professor für Osteuropastudien am College of Europe, Natolin Campus (Warschau), zum Thema „Partner oder Gegner? Das neue Amerika aus Sicht Russlands“. Dies war der dritte Vortrag der diesjährigen Gesprächsreihe in Zusammenarbeit mit dem Lufttransportgeschwader 62, die am 26. November mit der abschließenden Podiumsdiskussion endet. Veranstaltungsbeiträge, 16. Nov. 2009 mehr...
Externe Linktipps
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Interview mit Katja Plate, Leiterin des Auslandsbüros in Georgien (15. August 2008)
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