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„Integrationale Begegnungen“

mit Karikaturen von Hayati Boyacioglu

Von Paul B. Wink28. Feb. 2003


Rede von Paul B. Wink, Bevollmächtigter des Generalsekretärs der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, bei der Eröffnung der Ausstellung „Integrationale Begegnungen“, am 20. Februar 2003, Berlin.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

zur Eröffnung unserer Ausstellung „Integrationale Begegnungen“ heiße ich Sie im Namen des Vorstandes der Konrad-Adenauer-Stiftung herzlich willkommen.

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von links nach rechts: Sabriye Yldrim, Assistent von Güner,
Hayati Boyacioglu, Erk Güner, Herausgeber und
Geschäftsführer des neuen türkischen Magazins "Club EL.ELE.",
Orhan Köse, Assistent von Güner

Mein besonderer Gruß gilt dem Bezirksstadtrat Kultur, Dr. Thomas Gaudszun, dem Vorsteher Wolfgang Betcke, sowie weiteren Mitgliedern der Bezirksverordneten-versammlung von Reinickendorf.
Gleichzeitig danke ich Ihnen für die Einladung, die Ausstellung „Integrationale Begegnungen“ mit Karikaturen von Hayati oyacioglu in der Rathausgalerie präsentieren zu können.

Ferner danke ich dem Leiter, Werner Kopp, und Rainer Bolle, vom Kunstamt Reinickendorf, für die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung der Ausstellung.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

die Entwicklung der vergangenen Monate hat gezeigt, das der Dialog der Kulturen, auch der Dialog zwischen deutschen und ausländischen Mitbürgern eine neue Dimension erfordert. Hier in Berlin gilt dies ganz besonders auch für den Dialog mit den türkischen Mitbürgern.

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(l)Hayati Boyacioglu, (r)Paul B. Wink, Bevollmächtigter des
Generalsekretärs der Konrad-Adenauer-Stiftung

Menschen verschiedener Kulturen und Religionen leben in Deutschland zusammen. Kaum ein Bereich der Politik in Deutschland ist so von Vorurteilen und Emotionen geprägt wie das Thema Zuwanderung und Integration.

Für uns ist unumstritten: Akzeptanz, Toleranz und Schutz religiöser und weltanschaulicher Überzeugungen sowie kulturspezifische Eigenarten sind Voraussetzungen für ein Zusammenleben in Demokratie, Frieden und Freiheit.

Die in Deutschland lebenden Türken stellen mit ca. 2,1 Mio. unter den Ausländern die bei weitem größte Gruppe. Hinzukommen ca. 500.000 Deutsche türkischer Herkunft.

Ihre Integration ist in ganz erheblichem Maße eine Aufgabe, die unsere Städte und Gemeinden fordert. Sie fordert aber auch jeden Bürger.

Deshalb sind die Begegnungen von Mensch zu Mensch, so wie hier bei unserer Ausstellung heute so überaus wichtig.

Der Dialog zwischen Deutschen und türkisch-stämmigen Bürgen in Deutschland ist ein Teil gelebter Bürgergesellschaft.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

der Titel unserer heutigen Ausstellung „Integrationale Begegnungen“ greift zwei politische Begriffe auf, die in der Diskussion um die Ausländer- und Einwanderungspolitik eine zentrale Rolle spielen: „Integration“ und „national“.

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v.l.n.r.: Wolfgang Betcke, Vorstener der
Bezirksverordnetenversammlung von Reinickendorf,
Hyati Boyacioglu, Paul B. Wink, Bevollmächtigter des
Generalsekretärs der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Thomas
Gaudszun, Bezirksstadtrat für Kultur, Umwelt und
Wohnungswesen, Werner Kopp, Kunstamtsleiter

Wir präsentieren Ihnen Karikaturen von Hayati Boyacioglu, den ich herzlich unter uns begrüße.

Boyacioglu wurde 1960 in Istanbul geboren, 1978 kam er in die Bundesrepublik Deutschland und studierte an der Freien Universität Berlin Germanistik und Publizistik.

Begonnen hat er mit der Karikatur bereits in der Realschule. Während seines Studiums in Berlin entwickelte und verfeinerte er seine auf Beobachtung gestützte Zeichen- und Schreibkunst.
Die “Teilnehmende Beobachtung” (bei G. Wallraff) war auch das Thema seiner Magisterarbeit. Er schreibt Theaterstücke und arbeitet als Journalist.
1985 wurde sein erstes Stück “Kanacken sind Supermänner” in Ludwigshafen in deutscher und türkischer Sprache aufgeführt.

1990 erhielt er für seinen Beitrag “Jugendbanden in Berlin” den mit dem Örsan-Öymen-Preis verbundenen Sonderpreis für Radio-Reportage, ausgeschrieben vom WDR.

Er hat bei der türkischen Tageszeitung Hürriyet als Reporter gearbeitet und zeichnet seit vielen Jahren für “DIE BRÜCKE”. Anfang dieses Jahres übernahm er die Redaktionsleitung des neugegründeten monatlich erscheinenden überregionalen türkischen Magazins “Club el.ele.”, das in Berlin verlegt wird.

Seine Arbeiten wurden in verschiedenen anderen Zeitschriften, Tageszeitungen, Kalendern, Schulbüchern und Broschüren abgedruckt. Er stellte seine Zeichnungen, die er in einer Sammlung unter “integrationale Begegnungen” im Jahr 1994 veröffentlichte, in mehreren Städten in Deutschland aus.

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Orhan Köse und Hayati Boyacioglu

Was Hayati Boyacioglu unter dem Begriff Integration versteht, zeigen seine Karikaturen: Das Eigene wird in das Fremde eingebracht, Eigenes und Fremdes gehen eine Symbiose ein. Nichts bleibt so, wie es vorher war.

Indem unsere Kultur das Fremde aufnimmt, entwickelt sie sich weiter. Integration als gegenseitiges Geben und Nehmen.

Hayati Boyacioglus Botschaft heißt daher: keine kulturellen Hierarchien, sondern interkultureller Dialog. Seine Zeichnungen erschließen sich dem Betrachter erst vor diesem Hintergrund.

Hayati Boyacioglu ist nicht zimperlich in der Wahl seiner Stilmittel. Er verbindet dabei zwei Elemente: Die Technik des Zeichnens mit einem Humor, der auf seine mittelmeerländische Mentalität verweist.

In seinen Zeichnungen karikiert Hayati Boyacioglu unsere Gesellschaft mit ihren menschlichen und unmenschlichen Eigenschaften. Seine Karikaturen nehmen sich eine Vielzahl von Themen vor.
Die Palette reicht von Integration, Meinungsfreiheit, Menschenrechte bis Rassismus und umfaßt aber auch die alltäglichen Begegnungen zwischen deutschen und ausländischen Mitbürgern.

Seine witzig-bissigen, aber auch versöhnlichen Karikaturen wollen treffen, Probleme aufzeigen, Verhaltensmuster entlarven, aber nicht verletzen.

Sie sind ein Plädoyer gegen Gewalt und regen an zum Dialog.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich wünsche uns heute Abend gute Gespräche und der Ausstellung, die noch bis zum 21. März 2003 hier in der Rathausgalerie in Reinickendorf zu sehen sein wird, viel Beachtung.
Beachtung wünsche ich diesem als Wander-Ausstellung konzipierten Projekt auch bei den weiteren Präsentationen in den anderen Bundesländern, die von den Bildungszentren und Bildungswerken der Konrad-Adenauer-Stiftung bereits in Vorbereitung sind.

Bevor ich Sie zum Rundgang durch die Ausstellung einlade, bitte ich den Künstler, Hayati Boyacioglu, um sein Wort.


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