zur Navigation springen
Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Veranstaltungsberichte

Hommage für Volker Schlöndorff

Die Konrad-Adenauer-Stiftung ehrt den wichtigsten Filmemacher im Nachkriegs-Deutschland

15. Jan. 2009


„Da wollte ich mich schon lange eintragen“, sagt der kleine ältere Herr mit den wachen Augen und blickt auf die „Pro Reli“-Unterschriftenliste, die am Empfang der Konrad-Adenauer-Stiftung ausliegt. Schnell trägt er Geburtstag, Adresse und seine Unterschrift ein – Volker Schlöndorff. Es ist die erste von vielen Unterschriften an diesem Abend, der ihm, dem wichtigsten deutschen Filmemacher der Nachkriegszeit, gewidmet ist. Später wird er geduldig seine Biographie signieren und auch das eine oder andere Autogramm geben. Doch diese erste Unterschrift bleibt kennzeichnend für das, was die Laudatoren und Weggefährten gleich über ihn sagen werden: Schlöndorff ist ein Filmemacher mit Position, der seine Meinung nicht zurückhält, dabei aber nie einseitig ist. Oder, wie es sein Laudator, Staatsminister Bernd Neumann, ausdrückt: „Man bekommt ihn nur im Gesamtpaket.“

Volker Schlöndorff ist der erste Filmschaffende, den die Konrad-Adenauer-Stiftung mit ihrer traditionellen Kultur-Hommage zu Jahresbeginn würdigt. Vor ihm wurde diese Ehre Persönlichkeiten wie Adolf Muschg, Jutta Lampe, Günther Uecker oder Birgit Keil zuteil. Das Foyer der Stiftungs-Akademie ist mit Bildern von Schlöndorffs Filmen bestückt, Angela Winkler als Katharina Blum, Dustin Hoffman im „Tod eines Handlungsreisenden“ und natürlich David Bennent als Oskar Matzerath in Schlöndorffs oscarprämierten Welterfolg „Die Blechtrommel“. Weggefährten wie Eberhard Junkersdorf und Irm Herrmann sitzen im Publikum des bis auf den letzen Platz gefüllten Forums der KAS-Akademie.

Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnet die Veranstaltung. „Literatur und Politik“, so sagt er, „sind zwei wichtige Größen im Werk von Volker Schlöndorff.“ Seine Filme seien moralisch, ohne mit erhobenem Zeigefinger zu arbeiten oder gar moralinsauer zu sein. „Mit seinen großen Literaturverfilmungen hat er dem deutschen Film nach dem Krieg wieder zu Ansehen verholfen“, so Lammert. Auch Laudator Neumann betont Schlöndorffs Vorreiterrolle für den deutschen Film: „Seine besten Filme wurden diejenigen, die – direkt oder indirekt – von den deutschen Katastrophen des 20. Jahrhunderts handeln: Vom Untertanengeist, vom Faschismus, von Rassenhass, Antisemitismus, Judenvernichtung und Krieg“, so Neumann. Schlöndorff habe damit auch dazu beigetragen das Schweigen zu durchbrechen, das der Staatsminister selbst in seiner Jugend erlebt hat. So sei es auch zu erklären, dass Schlöndorff ausgerechnet von der Stiftung gewürdigt werde, deren Namensgeber er wiederholt für die „bleierne Zeit“ in der jungen BRD kritisiert habe.

Es folgt ein Programm, das Schlöndorffs Interessen und Einflüsse widerspiegelt. Ulrich Matthes liest aus Robert Musils Roman „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß“, aus dem Schlöndorff im Jahr 1966 seine erste Literaturverfilmung gemacht hat. Bibiana Beglau liest aus Schlöndorffs Biografie „Licht, Schatten und Bewegung“ das Kapitel, das die Anfänge der Liebe zu seiner ersten Frau Margarethe von Trotta beschreibt. Und das Merlino Quartett spielt das Streichquartett Nr. 2 'Intime Briefe' von Leos Janacek, dem Lieblingskomponisten des Regisseurs. Schlöndorff selbst bedankt sich in seinem Schlusswort bei seinen Weggefährten, und er verspricht – mit einer Verneigung vor der ihm überreichten Adenauer-Büste – „nie mehr ein schlechtes Wort über den ersten Bundeskanzler“ zu sagen.

Kontakt

AbbildungDr. Hans-Jörg Clement ›
Stellv. Leiter der Hauptabteilung Begabtenförderung und Kultur/Leiter Kultur und Kurator/Geschäftsführer EHF 2010
Tel. +49 30 26996-3221
Hans-Joerg.Clement(akas.de


zum Anfang springen