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Veranstaltungsbeiträge

Negative Campaigning – ein Mittel der politischen Kommunikation?

Bericht zur Seminartagung über politische Kommunikation am 3./4. Sept. 2010

Von Robert Grünewald


Berlin, 8. Sept. 2010

 
 

Dass das Negative Campaigning zunehmend Gegenstand politischer und wissenschaftlicher Diskussionen wird, ist nicht überraschend. So haben die zurückliegenden Wahlkämpfe in Deutschland eine Reihe von Beispielen hervorgebracht, wie sich etwa die politischen Parteien mit Negativ-Botschaften gegenseitig die Wähler abzugraben versuchten. Aber im Vergleich etwa zu Amerika sind die Bedingungen hierzulande dennoch anders. Eine ausgesprochene kulturelle und politische Offenheit für dieses Kommunikationsmittel als Vorbedingung wie in den Vereinigten Staaten fehlt völlig.

 

So weist Daniel Schmücking von der Universität Jena, der zu diesem Thema forscht, darauf hin, dass man hierzulande immer noch davon ausgeht, dass von den Negativ-Botschaften auch einiges auf den Urheber zurück fällt und man sich letztlich nicht sicher sein könne, ob nicht auch die Demokratie und die Wahlkultur dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden.

Gerhard Schmidt, der als freier und unabhängiger Politik- und Medienberater arbeitet, stellt fest, dass es hierzulande weniger die bürgerlichen Parteien als vielmehr die linksliberalen Parteiorganisationen sind, die im Negative Campaigning ein legitimes und wirksames Mittel der Auseinandersetzung mit dem politischen Establishment sähen, und nennt dafür vor allem kulturtraditionelle und historische Gründe.

Das Internet hat indes auch den Einsatz dieses Mittels hierzulande beschleunigt, wie Uwe Göpel von der CDU-Bundesgeschäftsstelle feststellt. Schnelle Distributionswege und die Anonymität im Netz seien hierfür vor allem verantwortlich. Auch könnten die neuen Kreativmöglichkeiten im Netz dem Negative Campaigning einen weiteren Schub geben, wie Göpel erwartet.

Dieter Weirich, den meisten bekannt als langjähriger Intendant der Deutschen Welle und zuletzt Kommunikationschef bei einem namhaften Unternehmen, beurteilt das Negative Campaigning in Politik und Wirtschaft eher skeptisch. Zwar müsse man in der Industrie mit dem Grundsatz leben, dass „Wirtschaft Krieg ist“, wie ein bekannter Automobilmanager einmal gesagt hat. Dennoch habe die Negativwerbung gegen ein offenes Themenmanagement mit einer klaren Kommunikationsagenda keine wirkliche Chance. Unklare und vor allem falsche Kommunikation forderten häufig zu Negative Campaigning heraus. Im Zweifelsfall helfe immer noch der Grundsatz, den er einmal im Rundfunkinterview als goldenen Ratschlag zur Vermeidung von Kommunikationskrisen aufgestellt habe: „Einfach mal die Klappe halten“. Eine unkomplizierte und kostengünstige Maßnahme, die wohl niemanden überfordern dürfte, wie man meinen sollte.

 

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