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Nicht entmutigen lassen

Jugendliche Migranten und Arbeitgeber im Gespräch

„Was erwartet ihr von uns?“ Mit dieser Kernfrage saßen sich 100 türkisch- oder arabischstämmige Jugendliche und zahlreiche Personalverantwortliche aus namhaften deutschen Firmen in einer Kooperationsveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem Bündnis für Demokratie und Toleranz gegenüber. Sie diskutierten über Gleichberechtigung bei Bewerbungsverfahren und suchten Lösungen für die Ungleichbehandlung.

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Dilara (Name von der Redaktion geändert) ist eine selbstbewusste Schülerin und hat ein Ziel: Sie will Bankkauffrau werden. Die ersten Bewerbungshürden hat sie geschafft, Vorstellungsgespräche stehen an. Doch davor hat Dilara Angst – denn sie trägt ein Kopftuch. Ein Bankunternehmen hat ihr bereits mitgeteilt, dass sie mit Kopftuch nicht genommen werden würde.

Doch nicht nur an Äußerlichkeiten scheitern Bewerbungen von jungen Migranten, sagt die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Prof. Dr. Maria Böhmer: „Es ist zu befürchten, dass Bewerbungen aussortiert werden, weil den Personalverantwortlichen der Name fremd ist oder die Adresse des Bewerbers zu einem wenig begehrten Stadtteil gehört.“ Auch Statistiken weisen auf eine Ungleichbehandlung in Bewerbungsverfahren hin. Kinder aus Zuwandererfamilien brauchen länger, um einen Platz auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu erhalten. „Während Müller, Meyer, Schulze schon innerhalb von drei Monaten einen Ausbildungsplatz erhalten, warten junge Menschen mit nicht-deutschen Namen im Durchschnitt 17 Monate“, sagt Böhmer.

Der Verdruss ist auch bei den jugendlichen Zuhörern deutlich spürbar. Ihre Fragen gehen immer in die gleiche Richtung: Warum werden wir nicht eingestellt, wenn wir gut sind? Wie kann es einen Fachkräftemangel geben, wenn wir gleichzeitig keine Ausbildung bekommen? „Ihr habt das Gefühl, wenn ihr abgelehnt werdet, liegt das an eurer Herkunft. Ihr fühlt euch also diskriminiert. Das ist wirklich traurig“, greift die Moderatorin Özlem Sarikaya die Stimmung im Saal auf.

Gleichzeitig zeigen Beispiele aus der Praxis von Personalverantwortlichen, dass es bei Bewerbungen auch gerecht zugehen kann und dass ein Migrationshintergrund keine Hürde, sondern ein Vorteil sein kann.

Allen voran geht der Neuköllner Norbert Geyer, der das Ingenieursunternehmen Geyer leitet und 2007 die Auszeichnung „Botschafter der Toleranz“ von der Bundesregierung erhielt. In seinem Betrieb gibt es eine ungewöhnliche Quote: „Der kulturelle Hintergrund ist nicht wichtig. Bei uns gibt es zig Hautfarben im Unternehmen. Ich achte nur darauf, dass wir ein Drittel Hauptschüler einstellen. Die sollen eine Chance bekommen.“

Auch die deutschen Behörden bemühen sich um Gleichberechtigung, sagt Sabine Jannek von Bundesverwaltungsamt. An manchen Stellen können Bewerber Online-Formulare nutzen, die mit Kontaktangaben bei der Serviceabteilung eingehen und dann ohne Namen und Adresse an die Personalabteilungen weitergeleitet werden. „Was viele Migranten auch nicht wissen, ist, dass sie auch ohne deutsche Staatsbürgerschaft in einer Behörde wie dem Finanzamt oder bei der Polizei arbeiten können“, hebt Jannek hervor. Die Frage richte sich hier genau in die andere Richtung: Wie können diese Arbeitgeber Menschen mit Migrationshintergrund besser erreichen? Nicht nur das Gesetz erleichtert den Einstieg in öffentliche Ämter - immer öfter werden gezielt Migranten für diese Jobs gesucht.

Ebenso betont Dr. Pavel Uttitz als Abteilungsdirektor der Deutschen Sparkassenakademie, dass ein anderer kultureller Hintergrund bei den Sparkassen ein positives Kriterium ist und solche Bewerber bevorzugt eingestellt werden.

„Die jungen Menschen sollten ihren kulturellen Background nutzen und als Stärke sehen“, sagt auch Prof. Dr. Carlos Melches-Gibert, der an der Hochschule Magdeburg-Stendal forscht. „Für Deutschland als Exportland sind diese Arbeitskräfte wichtig. Also guckt, wo ihr einen Beitrag leisten könnt und in welcher Branche ihr Vorteile habt“, rät er den Schülern.

Zudem empfehlen die Unternehmensvertreter, in Firmen hineinzuschnuppern und bei einem Praktikum Kontakte zu knüpfen. In die Waagschale geworfen wird bei Bewerbungsverfahren auch, was jemand in seiner Freizeit unternommen hat. „Sammelt Pluspunkte, zum Beispiel mit einem freiwilligen Engagement“, empfiehlt Staatsministerin Böhmer.

Allein auf die Anstrengung der Jugendlichen zu zielen, sieht Norbert Geyer jedoch nicht als Lösungsansatz: „Ich selbst bin ratlos und kann nicht sagen, wie man dieses Problem löst. Aber sicher ist: Die Firmen müssen sich bemühen und die Jugendlichen dürfen sich nicht entmutigen lassen.“ Dilara zumindest wird für ihren Wunschberuf kämpfen.

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