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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Als junger Mann – mit Verwandtschaft im Westen und Eltern, die sich der herrschenden Partei verweigern – erfährt Jürgen Resch in der DDR schon früh nicht nur den allgemeinen Mangel, sondern auch spürbare persönliche Einschränkungen und Repressionen. Zusammen mit seinem Bruder und einem engen Freund flieht er Anfang März 1984 – es ist in dem Jahr noch tiefster Winter – aus dem thüringischen Haselbach in den Westen nach Bayern. Sie kämpfen sich dabei durch tiefen Schnee und überwinden ebenso findig wie wagemutig den Grenzsignalzaun, das Minenfeld und weitere Sperranlagen.

Drei Monate später kehrt Jürgen Resch aus Sehnsucht nach seiner Frau auf gleichem Wege zurück in die DDR, wiederum unentdeckt düpiert er das Grenzregime erneut. Doch schon zwei Tage später wird er von der Stasi verhaftet, ist über Wochen den Verhören und infamem Druck – nicht zuletzt in Form von Isolationshaft - ausgesetzt, verbringt schließlich fast zwei Jahre in Haft.

Über die Frage, wer ihn verraten hat, und den Verdacht, dass dies eigentlich nur seine Frau getan haben kann, zerbrechen in der Folge vielfältige familiäre Bindungen. Nach der Flucht der Männer selbst in Haft gekommen, war seine Frau von der Stasi massiv unter Druck gesetzt worden, lässt sich nach Jürgens Inhaftierung auch von ihm scheiden.

Wie eine DDR-Flucht zum Familiendrama wurde, das schildert Heike Otto, die als Reporterin und Redakteurin für den SWR/ARD-Hörfunk in Stuttgart arbeitete und heute als freiberufliche Journalistin in München lebt, auf ebenso dichte wie authentische Weise in ihrem Buch „Beim Leben meiner Enkel“, das sie jüngst in der Akademie vorstellte.

Zum ersten Mal berichten die Beteiligten über ihre Erlebnisse: Neun Personen erzählen die dramatische Geschichte einer Familie, deren Wunsch nach Freiheit in der Katastrophe endet. Die stundenlangen Gespräche – häufig nicht einfach, aber zumeist sehr offen - mit den Beteiligten verarbeitete Heike Otto zunächst zu einem Radiofeature, bevor ihr sehr eindringliches Buch entstand, basierend auf den sehr persönlichen Schilderungen und einer Vielzahl von Dokumenten, nicht zuletzt aus den umfangreichen Hinterlassenschaften der Stasi. Tondokumente mit den Originalaussagen der Beteiligten gaben der Veranstaltung, die von ZDF-Redakteur Christhard Läpple ebenso kundig wie einfühlsam moderiert wurde, eine ganz besondere Authentizität und Spannung.

Heike Otto unterstrich abschließend, sie habe diese sehr persönliche Familiengeschichte vor allem für die nachwachsenden Generationen niedergeschrieben, um den repressiven, menschenverachtenden Charakter und die Durchtriebenheit des SED-Systems zu verdeutlichen.

Kontakt

AbbildungAndreas Kleine-Kraneburg ›
stellv. Leiter Hauptabteilung Politische Bildung und Leiter Bildungsforen
Tel. +49 30 26996-3257
Andreas.Kleine-Kraneburg(akas.de


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