zur Navigation springen
Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)
Cover: Aufstieg durch (Aus-) Bildung

Aufstieg durch (Aus-) Bildung

Der schwierige Weg zum Azubi

Von Christine Henry-Huthmacher, Elisabeth Hoffmann


Berlin, 3. Nov. 2011
ISBN: 978-3-942775-44-1

Als PDF öffnen

 
 

Trotz mancher Fortschritte ist der Erfolg bei der Ausbildung für Jugendliche ohne zureichende Berufsreife in der Breite ausgeblieben. Ökonomen bescheinigen dem bestehenden System Ineffizienz bei hohen Kosten, Bildungsforscher sehen in den Brücken zur Ausbildung eher Sackgassen, Pädagogen und Ausbilder beklagen, viele junge Menschen in diesen sogenannten Warteschleifen seien danach nicht gestärkt, sondern geschwächt. Für die Konrad-Adenauer-Stiftung ist das Grund genug, sich an der Suche nach neuen Strategien zu beteiligen. Dazu ist diese Publikation ein Auftakt.

 

Es gibt Themen in der deutschen Bildungspolitik, die lassen den öffentlichen Erregungspegel regelmäßig und kräftig steigen, die Debatten um Schulformen zum Beispiel. Und es gibt solche, die sind weit weniger schlagzeilenträchtig, zum Beispiel der Gegenstand dieser Publikation, der Einstieg in die Ausbildung für Jugendliche ohne zureichende Berufsreife. Der unterschiedliche publizistische Rang dieser beiden Fragen ist keineswegs proportional zu ihrer Bedeutung für die Qualität von Bildung und Ausbildung in Deutschland, für den Zusammenhalt der Gesellschaft und für die Leistungsfähigkeit der Volkswirtschaft. Knapp 1,5 Millionen junge Menschen zwischen 25 und 34 Jahren haben heute keinen Berufsabschluss, ca. 150.000 junge Menschen starten Jahr für Jahr ohne Ausbildung in den Arbeitsmarkt. Für unser Land wird sich angesichts von Fachkräftemangel und Demografie vieles daran entscheiden, ob es gelingt, diese Herausforderung zu meistern. Vor allem aber steht hier ein prägen-des gesellschaftspolitisches Leitbild zur Debatte, das für die meisten Menschen ohne Berufsabschluss ein realitätsfernes Versprechen bleibt, der Aufstieg durch (Aus-)Bildung.

Das Problem hat viele Facetten. Familiäre Vernachlässigung, soziale Verwerfungen, Sprach- und Integrationsdefizite, schulische Mängel, Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt – in jedem Einzelfall spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle. Es ist richtig, hier an der Wurzel anzusetzen: zum Beispiel mit Erziehungshilfen, mit frühkindlicher Bildung und Sprachförderung, mit besonderen schulischen Anstrengungen in sozialen Brennpunkten. Das braucht einen langen Atem und muss begleitet werden von einem neuen Ansatz für die jungen Menschen, die heute und morgen mit Aus-bildungslosigkeit konfrontiert sind. Die Demografie allein wird das Problem nicht verschwinden lassen, aber sie bietet einen weiteren starken Anreiz, mit System den Übergang in usbildung wirksamer zu gestalten. Wenn es ein „Fenster der Gelegenheit” für nachhaltige Fortschritte gibt, dann ist es jetzt offen.

Es ist nicht so, dass bislang nichts getan wurde. Im Gegenteil: Die Vielfalt der Maßnahmen, Instrumente und Modellversuche ist kaum mehr zu überschauen. Bund, Länder, Kommunen, Arbeitsagenturen, Schulen, Kammern und Unternehmen haben viel Geld und Energie investiert. Vorbildliches ehrenamtliches Engagement zeigt sich in den zahlreichen lokalen Initiativen, die sich um den Übergang in Ausbildung kümmern. Darunter finden sich auch großartige Erfolgsgeschichten und wichtige Erfahrungen, was funktioniert und was nicht. Der Wechsel in praxis-geprägte Bedingungen ist in der Regel wirksamer als eine Verlängerung der schulischen Lernumgebung, betriebsnahe Ansätze günstiger als andere Wege, abschlussbezogene Maßnahmen besser als nur ausbildungsvorbereitende. Trotz mancher Fortschritte ist der Erfolg in der Breite ausgeblieben, Ökonomen bescheinigen dem System Ineffizienz bei hohen Kosten, Bildungsforscher sehen in den Brücken zur Ausbildung eher Sackgassen, Pädagogen und Ausbilder beklagen, viele junge Menschen in diesen sogenannten Warteschleifen seien danach nicht gestärkt, sondern geschwächt.

Für die Konrad-Adenauer-Stiftung ist das Grund genug, sich an der Suche nach neuen Strategien zu beteiligen. Dazu ist diese Publikation ein Auftakt.

Inhalt

Vorwort
Michael Thielen
7
Der schwierige Weg zum Azubi: Verschiedene Facetten des Themas
Christine Henry-Huthmacher
11
 
I. Analyse
Einblicke in den Schulalltag
Fröbelschule Bochum-Wattenscheid
Christoph Graffweg
30
Einblicke in den Schulalltag
Kepler-Oberschule Berlin-Neukölln
Wolfgang Lüdtke
38
Die Bedeutung sozialer Herkunft, Familie und Peers für die Schullaufbahn
Jutta Ecarius
49
Zur Situation Jugendlicher ohne Ausbildungsreife
Empirische Kenntnisse und Perspektiven
Thomas Rauschenbach
63
In der Warteschleife
Zur Bedeutsamkeit und Wirksamkeit von Bildungsgängen am Übergang Schule-Berufsausbildung
Ursula Beicht
73
Junge Erwachsene ohne Berufsabschluss
Robert Helmrich, Elisabeth M. Krekel
86
Im Zeichen demografischen Wandels
Neue Perspektiven für den Übergang in die Berufsausbildung
Martin Baethge
107
Direkte und indirekte Kosten mangelnder Ausbildungsreife in Deutschland
Dirk Werner
125
 
II. Erfolgreiche Modelle zur Berufsbefähigung: Schule
Erfolgskonzept: Frühe Berufsorientierung
Weißfrauenschule, Sprachheilschule der Stadt Frankfurt am Main
Jens Bachmann
148
Einen Kontrapunkt setzen: Musik als Schlüssel zum Erfolg
Die Musikhauptschule Ruhstorf a.d. Rott
Josef Bertl
161
Erfolgsfaktor: Erziehungsziele
Die Friedrich-Ebert-Schule, Frankenthal
Heidrun Kohl
168
BERUFSSTART plus
Ein Gemeinschaftsprojekt verschiedener Thüringer Institutionen
Petra Bürger
177
Bei der Vorbereitung auf den Beruf früh an einem Strang ziehen
Eltern – Sozialpädagogen – Schule – Betriebe – Agentur für Arbeit: Der Verein Jugendhilfe Direkt e.V., Münster
Hans-Werner Kleindiek
188
Angst vor der Arbeitswelt nehmen
Neues Berufsbefähigungsprojekt für Kinder ab zehn Jahren: Lichtblick Hasenbergl, München
Johanna Hofmeir, Dörthe Friess
200
 
III. Erfolgreiche Modelle zur Berufsbefähigung: Ausbildung
Teilzeitberufsausbildung – Eine Chance für junge Mütter und Väter
Die Arbeitsförderungsinitiative RE/init e.V.
Kerstin Degener-Kirsch
212
Integration in ein selbstbestimmtes Leben
Das BildungsWerk in Kreuberg, Berlin
Nihat Sorgec
221
Nachbesserung der Ausbildungsreife durch Betriebe
Nicole Stab, Christoph Herbrig, Winfried Hacker
229
Normalität statt Massnahme
Assistierte Berufsausbildung für chancenarme junge Menschen
Ralf Nuglisch
238
 
IV. Strukturelle Konsequenzen
Wege zur Teilhabesicherung für benachteiligte junge Menschen am Bildungs- und Ausbildungssystem
Birgit Fix
252
Neue Wege auf kommunaler Ebene
Der Ansatz ILJA in Nordrhein-Westfalen
Roland Matzdorf
261
Neue Herausforderungen, neue Rollen, neue Ansätze
Helmut Westkamp
269
Auswege aus dem Labyrinth des „Übergangssystems”
Stefan Sell
287
Nachwort: Prozesse des Erwachsenwerdens anleiten und gestalten
Elisabeth Hoffmann
314
Schlusswort: Die Verantwortung der Politik
Annegret Kramp-Karrenbauer
335
 

zum Anfang springen