Asset-Herausgeber

Einzeltitel

14. Januar 2011 – der Auftakt für den Arabischen Frühling

Ob er am Ende freiwillig die Präsidentenmaschine bestieg oder doch vom Direktor der eigenen Sicherheitsgarde mit vorgehaltener Waffe dazu gezwungen wurde – nach einer abschließenden Antwort auf diese Frage werden Historiker und Journalisten noch viele Jahre recherchieren, denn der Tag gilt als ein historischer für Tunesien wie für die gesamte arabische Welt: Jener Freitag, der 14. Januar 2011, als am Nachmittag der Luftraum über Tunesien gesperrt wird, um dem nahezu 23 Jahre regierenden Präsidenten Zine El Abidine Ben Ali die Flucht nach Saudi Arabien zu ermöglichen.

Asset-Herausgeber

Drei Mal hatte sich Ben Ali die Tage zuvor in Fernsehansprachen an die Tunesier gewandt und ihnen wirtschaftliche und politische Reformen versprochen. Doch die Proteste gegen das autokratische und repressive Regime nahmen nicht ab. Seitdem sich am 17. Dezember 2011 der junge Gemüsehändler Mohamed Bouazizi in einem Akt der Selbstverzweiflung in Sidi Bouzid verbrannt hatte, entwickelte sich eine immer größer werdende Protestwelle aus dem benachteiligten Landesinneren heraus, bis sie die Hauptstadt Tunis erreicht hatte. Der unbarmherzige Sicherheitsapparat des Regimes versuchte, die Proteste im Keim zu ersticken, jedoch ließen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zunehmend begleitet von Journalisten, Anwälten, Unternehmern nicht mehr einschüchtern. Über Tage kam es zu Demonstrationen auf der Avenue Bourguiba in der Hauptstadt Tunis: Die Rufe nach „Freiheit“, „Würde“ und „Gerechtigkeit“ gingen von dort aus und fanden ihren Widerhall in der gesamten Region. Ägypten, Libyen, Jemen, aber auch Marokko und Jordanien.

Das Beispiel Tunesien machte Schule. Nicht überall fielen die Regime, aber in allen Ländern machten sich diejenigen Luft, die die Legitimität der Herrschenden in Frage stellten. Die arabische Welt ist seitdem in einer historischen Umbruchphase, deren Ausgang mit Blick auf viele Länder noch nicht definitiv absehbar ist. Tunesien hat mit den ersten freien Wahlen zur Verfassungsgebenden Versammlung im Oktober 2011 einen wichtigen Etappenschritt hinter sich gebracht und zugleich mit der islamistischen Ennahda-Partei neue politische Akteure in die Verantwortung gebracht, gemeinsam mit den eher mitte-links und sozialdemokratisch orientierten Parteien CPR und Ettakatol bilden sie eine Regierungskoalition. Trotz weiter bestehender, vor allem wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen verfügt Tunesien über gute Voraussetzungen, den Weg hin zu einer demokratischen und rechtsstaatlichen Ordnung zu schaffen. Auch die Konrad-Adenauer-Stiftung, die seit 1982 in Tunesien tätig ist, unterstützt mit ihren staatlichen und zivilgesellschaftlichen Partnern diesen Prozess.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung begleitet die Umbrüche in den Maghreb-Staaten und im Nahen Osten u.a. mit einem umfangreichen Dossier zum Thema. Dieses erreichen Sie bitte über den Link rechts.

Asset-Herausgeber

Kontakt Thomas Birringer
Portrait von Thomas Birringer
Leiter Auslandsbüro Ukraine
thomas.birringer@kas.de +380 44 4927443
Einzeltitel
13. Januar 2012
Jetzt lesen

comment-portlet

Asset-Herausgeber