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Der heutige Jom haSchoah, der Holocaust-Gedenktag, ist in Israel ein nationaler Trauertag. Es wird zwar gearbeitet, aber Orte des Vergnügens, wie Cafés und Kinos, bleiben geschlossen. Um 10.00 Uhr ertönen landesweit zwei Minuten lang die Sirenen, und der öffentliche Nahverkehr ruht während dieser Zeit. Seit Anfang der 1950er Jahre ist der Jom haSchoah fest in Israel etabliert. Er findet am 27. Nisan statt. Nach dem gregorianischen Kalender beginnt dieser Tag 2012 mit dem Sonnenuntergang am 18. April.

Zu Beginn der Woche, am 16. April, berichtete die Tageszeitung Haaretz über eine Umfrage des Tel-Hai College (Obergaliläa, Israel) zu den Auswirkungen des Holocausts auf Einstellungen in der heutigen Bevölkerung Israels (online: Survey: Nearly half of Israelis fear Holocaust could happen again). Danach halten rund 40% der israelischen Gesellschaft einen zweiten Holocaust für möglich, und sogar etwas mehr sehen den Staat Israel in der Gefahr zerstört zu werden. Die Befragung wurde von Prof. Shaul Kimhi, Leiter des Fachbereichs Psychologie des Tel-Hai College, durchgeführt. Er wertet diese Ergebnisse als „Zeichen für Holocaust-Ängste, die uns seit Kindheit eingeflößt wurden und nicht unbedingt rational, jedoch Teil jüdisch-israelischer Kultur sind“.

Ob das Trauma des Holocausts von Generation zu Generation weiterwirkt, untersuchte eine Studie der Universität Haifa, über welche Haaretz ebenfalls am 16. April berichtete (online: New Israeli study finds signs of trauma in grandchildren of Holocaust survivors). Dr. Miri Scharf und Prof. Ofra Mayseless aus dem Fachbereich Bildung haben ihre Studie auf Tiefeninterviews mit Kindern Holocaustüberlebender und deren Kindern aufgebaut. Eltern-Kind- und Kind-Eltern-Beziehungen stehen im Mittelpunkt, besonders in Hinblick auf die Fähigkeit der Eltern, wärmende und Halt vermittelnde Beziehungen zu ihren Kindern aufzubauen. Anhand verschiedener Verhaltensmuster wurde nachgewiesen, dass bis in die dritte Generation hinein Auswirkungen des Holocausts vorhanden sind. So gaben einige Jugendliche der dritten Generation an, dass sie ihre Eltern als kühl und distanziert empfänden.

Heute wohnen ungefähr noch 200.000 Überlebende der Schoah in Israel. Dies berichtete ynetnews.com am 1. April 2012 (online: 50,000 Holocaust survivors require aid). Der Artikel beruft sich auf eine Studie des Myers-JDC-Brookdale Institute. Die Hälfte der Überlebenden benötige mehr finanzielle Hilfe, viele klagten über Einsamkeit.

Wibke Foß

Nachlese

  • Gili Yaari, Photojournalist und Kind Holocaustüberlebender, dokumentiert in einer Bildreihe den Alltag im „Shaar Menashe Mental Health Center“, einem Zuhause für Menschen, die die Schoah als Kinder überlebten. (Siehe Living on the edge of Israeli society, ynetnews.com vom 7. Februar 2012. Hier finden Sie den Zugang zur Online-Galerie.

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