Frenemies: Jon Stewart und Bill O’Reilly streiten und kuscheln. Arbeitslosenzahlen: real oder beschönigt? Finger verbrannt: Wie konnte es zu Obamas Niederlage im TV-Duell kommen?
Aufreger der Woche
Die Nachfrage nach dem Stream war so groß, dass der Server zusammenbrach! Das passiert, wenn sich zwei TV-Schwergewichte zum Thema US-Wahl batteln: Jon Stewart von Comedy Central und Bill O’Reilly von Fox News. Ein Fernsehduell das schon fast an die Medienaufmerksamkeit der Präsidentschaftsdebatte heranreicht, unser Aufreger der Woche.
Take-Aways der Woche
Erstens: Die US-Arbeitslosenzahlen sind für September erstmals seit über zwei Jahren unter die magischen 8% gefallen. 8% werde unter ihm der Höchstwert sein, hatte Obama 2009 versprochen – eine beliebte Referenz für Romney, Obamas Unfähigkeit zu betonen. Dass die 8%-Marke jetzt einen Monat vor der Wahl geknackt ist, interpretieren einige Republikaner als böswillige Beschönigung der Statistiken. Das unabhängige US-Statistikamt wehrt sich gegen die Vorwürfe.
Zweitens: Das Romney-Lager verschärft die Kritik an Obamas Außenpolitik: Zaghaftigkeit und Zögerlichkeit spielten den Terroristen in die Hände und hätten die Situation im Mittleren Osten verschlechtert. Der Gegenangriff des Obama-Teams: Romney wolle seine peinliche Europa-Reise mit schwammiger Rethorik nachträglich neutralisieren.
Drittens: Romney ist vorn. Laut einer brandaktuellen Umfrage des PEW-Instituts liegt Romney nach dem ersten TV-Duelle landesweit nun vor 6 Prozentpunkte vor Obama: Demnach gäb’s aktuell 49 Prozent für den Herausforderer und 45 Prozent für den Amtsinhaber.
Thema der Woche
Das TV-Duell und dessen Nachwehen haben den Wahlkampf noch mal richtig befeuert. Und besonders heiß dürften die republikanischen Unterstützer sein. Schon vor dem Duell wollten laut einer aktuellen Umfrage von POLITICO 73 Prozent der Obama-Unterstützer ganz bestimmt auch wählen gehen. Bei Romney sind das jedoch 86 Prozent – also 13 Prozentpunkte mehr. Und nach Angaben von POLITICO dürfte sich der Wert für Romney nach dem Duell noch einmal deutlich verbessert haben.
Das sind alles gute Nachrichten für Romney. In den meisten Swing States hat Obama allerdings nach wie vor die Nase vorn. Aber auch da hat sich etwas getan. Florida würde nach jetzigem Stand an Romney gehen, ebenso North Carolina (siehe RealClearPolitics).
Nun heißt es abwarten, ob das wirklich die Trendwende für Romney ist oder nur ein Stimmungshoch nach der erfolgreichen TV-Debatte.
Es bleibt schon etwas erstaunlich, wie Romney Obama in der Debatte im Griff hatte, gerade beim Thema Steuern. Schauen wir noch mal kurz rein.
Die Obama-Kampagne hatte sicherlich mit einem anderen Romney gerechnet. Auf was man sich eingestellt hat, verrät Stephanie Cutter, eine enge Beraterin Obamas, kurz vor der Debatte auf YouTube.
Am Abend der Debatte schien Obama keinen dieser Talking-Points wirklich verinnerlicht zu haben. Da blieb am Tag nach der Debatte nur noch Damage-Control: Romney sei ein guter Schauspieler und Lügner. Egal, wie man inhaltlich zu der Frage steht. Gekonnt sieht anders aus! Entweder Obama macht den Punkt in der Debatte oder eben nicht.
Empfehlung der Woche
Heute ist die Debatte der Vize-Präsidenten Joe Biden und Paul Ryan: unbedingt anschauen! Denn nach dem Ausgang der letzten Debatte steht einiges auf dem Spiel. Biden, sonst eher in seiner Rolle als der nette Opa, muss beweisen, dass er den jüngeren Ryan braten kann.
Und Ryan muss neben dem in die Mitte gerückten Romney die republikanische Basis beruhigen, dass dem Sozialismus immer noch der Kampf angesagt ist. Naja, und das war’s dann auch schon wieder.
Aber einer muss noch sein...
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