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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Das Problem wird Demografischer Wandel genannt - zu wenige Kinder werden geboren, alte Menschen werden immer älter. Die Bereiche Gesundheit und Soziales sind vor diesem Hintergrund besonders herausgefordert. In der Reihe der Lichtenberger Gespräche der Konrad-Adenauer-Stiftung diskutierten Experten und Interessierte in der Anna-Seghers-Bibliothek in Lichtenberg, wie Berlin Herausforderungen im Gesundheits- und Sozialbereich meistern kann.

An welchen Stellschrauben im Gesundheitswesen gedreht werden müsse, um die Mängel abzustellen, fragte Christian Schleicher, stellvertretender Leiter der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin, zu Beginn. Das sei die Herausforderung, vor der die Landespolitik stehe. Etwa 60 Zuschauer waren der Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zu dem Lichtenberger Gespräch gefolgt. Mögliche Ansatzpunkte stellte Mario Czaja, Senator für Gesundheit und Soziales des Landes Berlin, dem Publikum vor. So wurden bereits in einem ersten Schritt die Bereiche Gesundheit und Soziales in Berlin zu einem Ressort zusammengelegt, so Czaja. Diese Bereiche seien so eng verknüpft, dass es längst überfällig gewesen sei, diese Ressorts zu einem zu vermelzen. „Damit haben wir die Pyramide wieder vom Kopf auf ihre Füße gestellt.“

Denn gerade bei den stationären Krankenhaus- und Pflegeeinrichtungen gäbe es große Baustellen. Diese beiden Bereiche seien gesetzlich immer noch unterschiedlich geregelt. Zudem komme es häufig zu einem Drehtüreffekt, sagte Czaja: Pflegebedürftige Patienten würden zwischen der Pflegeeinrichtung und dem Krankenhaus hin- und hergeschoben, wenn sich der Patient beispielsweise einen multiresistenten Keim einfange, ohne dass zwischen den Einrichtungen eine Koordinierung stattfinde. „Dabei ist die Pflege so stark mit der medizinischen Versorgung verzahnt,“ sagte Czaja. Mit der Zusammenlegung der Ressorts Gesundheit und Soziales könnten solche Effekte vermieden werden.

Das Image des Pflegeberufs verbessern

„Wie aber soll die Pflege verbessert werden, wenn Pfleger nach durchschnittlich acht Jahren schon wieder den Beruf verlassen?,“ fragte ein Gast aus dem Publikum. Vor allem das Ansehen des Berufs müsse verbessert werden, sagte Czaja. „Denn mit der Überalterung unserer Gesellschaft wird dieser immer wichtiger, mehr Fachpersonal wird gebraucht.“ Daher müssten die einzelnen Ausbildungslehrgänge zum Alten- oder Krankenpfleger, Physiotherapeut und Diätassistent vereinheitlicht werden, so Czaja. „Dabei kommt man um eine Akademisierung des Pflegeberufs wohl nicht herum.“

Auch eine Supervision für Pfleger sei dringend notwendig, eine psychologische Betreuung. „Die Mitarbeiter werden sieben, acht Jahre lang in ein Auto gesetzt und kreuz und quer durch die Gegend geschickt. Außerdem macht sich keiner Gedanken darüber, dass alle Patienten eines Altenpflegers irgendwann sterben,“ sagte Czaja. „Diese Pfleger sind nach sieben bis acht Jahren körperlich und seelisch ausgebrannt.“ Nicht zuletzt mangele es dem Pflegerberuf an einer institutionalisierten Interessenvertretung, sagte Czaja.

Keine ungerechte Verteilung der Arztpraxen zwischen Ost und West

Eine weitere Baustelle sei die Verteilung der Arztpraxen in Berlin, sagte Christian Schleicher. „Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung kann es nicht sein, dass die ärztliche Versorgung in Ost und West immer noch so unterschiedlich ist,“ sagte er. „Das muss endlich angeglichen werden.“ In absoluten Zahlen sei die gesundheitliche Versorgung in Berlin zwar gut, sagte Czaja. Allerdings seien die Arztpraxen ungerecht über die Bezirke der Stadt verteilt. „Wenn Sie einen Termin in Charlottenburg haben – kein Problem,“ so Czaja. „Sie kommen sofort dran, die Praxis ist prima ausgestattet. Ganz anders aber zum Beispiel in Marzahn.“ Deshalb sei bereits die Vergabepraxis verändert worden, so Czaja. Die 74 zusätzlich genehmigten Arztsitze seien ausschließlich für die unterversorgten Gebiete Berlins genehmigt worden.

Bei all den Herausforderungen, die sich im Bereich Gesundheit und Soziales stellen, dürfe eines nicht vergessen werden, sagte Czaja abschließend: „Der Patient, der Mensch, muss immer im Mittelpunkt stehen.“

Kontakt

AbbildungChristian Schleicher ›
Abteilungsleiter Politische Bildungsforen und Regionalbüros Nord
Tel. +49 30 26996-3230
Christian.Schleicher(akas.de


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