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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Abitur nach acht, den Studienabschluss nach drei Jahren, fünf Praktika zwischendurch und 23 Jahre alt – so soll der perfekte Lebenslauf eines jungen Menschen aussehen. Da bleibt kaum noch Zeit, sich gesellschaftlich zu engagieren. Auf dem Jugendkongress der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hannover diskutierten Schüler mit Ministerpräsident David McAllister und weiteren Experten über die Zukunft der Bürgergesellschaft.

Zwar dürfe man eine Generation nicht über Gebühr belasten, sagte McAllister. „Voraussetzung für eine gelungene Demokratie ist aber eine aktive Bürgergesellschaft, mit mündigen Bürgern, die sich aktiv einbringen“, sagte er. „Vor allem engagierte junge Menschen sind da gefragt.“ Er könne aber auch verstehen, wenn sich junge Menschen in der rush hour ihres Lebens erst einmal auf Familie und Beruf konzentrierten. „Das ist eben attraktiver als ehrenamtlich im Bauplanungsausschuss der Stadt zu sitzen.“ Unternehmerin Tina Voß erwiderte in der Podiumsdiskussion, dass das Pendel zurückgeschlagen habe. „Die heutige Generation will nicht mehr nur knüppeln und die Karriere verfolgen. Sie wollen Beruf und Privatleben miteinander verbinden – darauf müssen Unternehmen reagieren und dann bleibt auch mehr Zeit für das Ehrenamt.“

Der Staat könne und dürfe auch nicht alle Aufgaben einer Gesellschaft übernehmen, sagte McAllister. Als freier Christenmensch sei jeder zunächst für sich selbst und für seine Familie verantwortlich. „Der Staat gibt nur Hilfe zur Selbsthilfe und schafft einen Ordnungsrahmen.“ Die Bürger müssten aber untereinander denjenigen helfen, die dazu selbst nicht in der Lage seien, sagte er. „Das gesellschaftliche Engagement ist der Kitt, der eine Gesellschaft, einen Staat zusammenhält.“

Nach der Rede und Podiumsdiskussion am Vormittag nahm sich McAllister noch einige Minuten Zeit für die Fragen der 15 bis 16-jährigen Jugendlichen. Ein Schüler aus Hameln fragte, warum McAllister das Schulsystem nicht entzerrte und ob das an einer gewissen Politikverdrossenheit liege. „Da kann ich nur sagen: Engagiert euch“, erwiderte McAllister. „Jeder von euch kann in die Politik gehen und es besser machen.“

Keine Zeit für gesellschaftliches Engagement

„Junge Menschen wollen sich engagieren,“ sagte Michael Thielen, Generalsekretär der Konrad-Adenauer-Stiftung den etwa 80 teilnehmenden Schülern aus ganz Niedersachsen. Dafür sprächen schon die langen Wartelisten für ein Freiwilliges Soziales Jahr und den Bundesfreiwilligendienst. Für ein ehrenamtliches Engagement neben Schule oder Ausbildung sei aber oft keine Zeit mehr.

In Workshops entwickelten die Schüler am Nachmittag zusammen mit Experten Ideen, wie mehr Freiräume für ehrenamtliches Engagement entstehen könnten: Man könne das Ehrenamt in die Schulausbildung integrieren, schlugen die Schüler vor. Was an einigen Schulen schon durch Seminarfächer getestet werde, müsse überall Standard werden. Man könne aber auch weniger Hausaufgaben aufgeben, sagten die Schüler oder einen Nachmittag Schulfrei geben. Außerdem müsse es eine Form von Anerkennung für das Engagement geben, beispielsweise durch Zensuren.

Gesellschaftliches Engagement- ganz nebenbei

Gesellschaftliches Engagement könne aber auch ganz nebenbei entstehen, sagte Reinhard Rawe, Direktor des Landessportbundes Niedersachen den Schülern in einem anderen Workshop. Die Sportverbände in Niedersachen würden nicht existieren, wenn nicht mehr als 500 Freiwillige ihre Zeit stifteten. „Über den Sport kann sich jeder einbringen“, sagte er. Jeder könne sich in seinem Sportverein für ein Amt wählen lassen, Übungsleiter oder Schiedsrichter werden. „Dabei lernt ihr Dinge, die ihr immer wieder im Laufe eures Lebens mit Menschen gebrauchen könnt“, sagte er. „Junge Menschen, die sich ein Jahr lang ehrenamtlich engagieren, sind danach nicht wiederzuerkennen: Sie machen einen Quantensprung in ihrer Entwicklung.“

Engagement für andere als Gewinn für jeden selbst

Niemand mache etwas umsonst, sagte der Satiriker und Kolumnist Dietmar Wischmeyer im Rahmen der Podiumsdiskussion. „Der Nutzen für einen jeden kann aber ganz, ganz klein und dennoch wertvoll sein: Das Gefühl etwas beigetragen zu haben, Anerkennung, ein Gemeinschaftserlebnis.“ Eine ähnliche Beobachtung vermittelte Andreas Mischok, Bildungsreferent beim Deutschen Roten Kreuz in Niedersachen, den Schülern in seinem Workshop. „Wenn einem jungen Menschen, der sich für ein Freiwilliges Soziales Jahr entschieden hat, in einer Einrichtung Vertrauen geschenkt wird, dann setzt das Energien frei, die jede Einrichtung voran bringen kann.“

Auch McAllister sagte: „Man macht einfach Erfahrungen, von denen man ein Leben lang zehrt, die einen prägen und die man niemals vergisst.“

Kontakt

AbbildungChristian Schleicher ›
Abteilungsleiter Politische Bildungsforen und Regionalbüros Nord
Tel. +49 30 26996-3230
Christian.Schleicher(akas.de


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