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Veranstaltungsberichte

"Säkularisierung des Staates muss Säkularisierung des Geldes folgen"

Wolfgang Huber über das Wirken von Religionen auf den politischen Diskurs

28. Juni 2013


„Die öffentliche Rede ist als Predigt fester Bestandteil des Kirchenalltags und sie wirkt dadurch in gesellschaftliche Diskussionen hinein“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Huber. Zu dieser Öffentlichkeit gehöre nicht nur die Politik sondern auch die Kunst oder die Wirtschaft, so der Vorsitzende des Rates der EKD a.D. bei einem Diskussionsabend in der Akademie der Konrad-Adenauer-Siftung.

Die Predigt habe bereits vor dem Christentum im Judentum als öffentliche Rede das öffentliche Geschehen mitgeprägt und bis heute nicht an Bedeutung verloren, sagte Huber in seiner Eröffnungsrede. „Die Friedensgebete in der DDR etwa prägten den Anfang des Umbruchs, als Oppositionelle die Kirchen als letzte Bastion der öffentlichen Rede nutzten.“

Unserem Religionsverfassungsrecht nach solle sich Religion keine Politik anmaßen und Politik die Religion nicht instrumentalisieren. In beide Richtungen sei in der Vergangenheit gegen diesen Grundsatz jedoch bereits verstoßen worden, sagte Huber. Dennoch müsse die öffentliche Rede aufrechterhalten und verteidigt werden. „Jenseits der Politik muss die Religion auch ihre Stimme bei den wirtschaftlichen Entwicklungen unserer Zeit erheben, in denen sich Krisen in immer kürzerer Zeit anbahnen und Geld alles zu dominieren scheint.“ Das Geld solle nicht verteufelt werden, aber es sollte auch kein Selbstzweck sein, so Huber. Heute diene es jedoch leider nicht mehr der Wirtschaft sondern stehe über ihr. „Was wir nach der Säkularisierung des Staates brauchen, ist daher die Säkularisierung des Geldes.“

Interreligiöser Dialog

Beim interreligiösen Dialog sei in den letzten Jahren mit Formelkompromissen gearbeitet worden und man habe sich um einen wirklichen Dialog herumgedrückt. Es führe aber kein Weg daran vorbei, in einem Dialog des gegenseitigen Respekts unsere Unterschiede zu besprechen. „Dafür brauchen wir mehr Zuversicht, dass uns diese Auseinandersetzung nicht ärmer sondern reicher macht“, sagte Huber.

Unterstützung bekam Huber dafür von Prof. Dr. Walter Homolka, der gleichzeitig anmahnte, „Asymmetrien“ anzuerkennen. „Es ist ein christlicher Trugschluss zu glauben, dass sich Christentum und Judentum näherstehen als Christentum und Islam“, so der Rektor des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam. „Koalitionen“ zwischen den Religionen changierten je nach Thema. Seinem Wissen nach seien „Koalitionen“ kein „grundtheologisches Konzept, bemerkte Prof. Dr. Norbert Lammert. Das sei relevant, da Religionsgemeinschaften gemeinhin über nicht verhandelbare Wahrheiten verfügten, so der Präsident des Deutschen Bundestages und stellvertretende Vorsitzende der Konrad-Adenauer-Stiftung. „Unabhängig davon muss man nicht religiös sein, um zu erkennen, dass es weltweit keine andere Institution gibt, die so viel Orientierung gibt, wie die Religion.“

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Herausgeber
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.


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