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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Länderberichte

Zum 1700-jährigen Jubiläum des Mailänder Toleranzedikts des im serbischen Nis geborenen römischen Kaisers Konstantin fanden am vergangenen Wochenende die zentralen Feierlichkeiten der Serbischen Orthodoxen Kirche (SOK) statt. Dabei wurde die Konrad-Adenauer-Stiftung mit dem neu geschaffenen Orden des heiligen Konstantin „für ihren Beitrag zur Glaubensfreiheit und der allgemeinen Verbreitung von Menschenrechten und Freiheiten“ ausgezeichnet.

Die KAS ist damit nur eine von zwei zu diesem Anlass gewürdigten nichtstaatlichen Organisationen, deren Beitrag zur Stärkung der Zivilgesellschaft im Transformationsland Serbien von der Kirche besonders hervorgehoben wurde.

Zehntausende Gläubige, darunter Serbiens Präsident Nikolic und Premierminister Dacic, aber auch die Oberhäupter der muslimischen, jüdischen und katholischen Religionsgemeinschaften in Serbien, nahmen an der landesweit mit großem Interesse verfolgten heiligen Messe vor der neu errichteten Kirche des heiligen Konstantin in Nis teil, die neben dem serbischen Patriarchen vier weitere Oberhäupter der christlichen Orthodoxie, darunter Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel und Patriarch Kirill aus Moskau leiteten. Hier präsentierte sich ein Serbien, das Teil der weltweiten christlichen Ökumene und Teil der europäischen Kultur sein will.

Der Edikt von Mailand – und seine Bedeutung für das heutige Serbien

Im Jahre 313 verkündeten die römischen Kaiser Konstantin und Licinius den Mailänder Edikt, der das Christentum mit der römischen Staatsreligion und den übrigen Religionen im Kaiserreich gleichstellte. Dieses Jubiläum haben sowohl die serbische orthodoxe Kirche als auch der Staat als Chance verstanden, im geistlichen und weltlichen Sinne auf das Ursprungsland Konstantins (der von der Serbischen Orthodoxen Kirche heilig gesprochen wurde) und auf die seit Beginn der demokratischen Transformation erfolgten Veränderungen aufmerksam zu machen: Der Wiedergewinn der (Glaubens-) Freiheit ist dabei das zentrale Leitmotiv der Feierlichkeiten und die wichtigste Botschaft des landesweit mit großem Interesse verfolgten Gottesdienstes.

In Zeiten wichtiger politischer Richtungsentscheidungen hinsichtlich der EU-Integration Serbiens und der Aussöhnung mit den Nachbarn, darunter insbesondere auch die Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo, ist das Jubiläum des Toleranzedikts als klare Chance für Kirche und Gläubige, aber auch als Aufruf an Staat und Entscheidungsträger zu verstehen, für das Bild eines religiös und ethnisch toleranten Serbiens im In- und Ausland einzutreten. Offensichtlich wollen darüber hinaus viele Gläubige das Jubiläum als Reaktion auf die gesellschaftlichen Veränderungen durch politische Transformation und wirtschaftlicher Krise als Anlass nutzen, die Rolle ihrer Kirche in der Gesellschaft zu thematisieren – und zu stärken. Von der Kirche, für die Mehrheit der Serben eine der vertrauenswürdigsten Institutionen des Landes, wird eine prominentere Rolle in der Begleitung von gesellschaftlichen Prozessen und Veränderungen, in der Stellungnahme zu gesellschaftspolitischen und ethischen Fragen gewünscht. Vor diesem Hintergrund sieht die Konrad-Adenauer-Stiftung die erhaltene Auszeichnung nicht nur als Anerkennung, sondern auch als Ermutigung an, ihre Arbeit zur Stärkung von Zivilgesellschaft und Demokratie fortzusetzen.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist in rund 80 Ländern auf fünf Kontinenten mit einem eigenen Büro vertreten. Die Auslandsmitarbeiter vor Ort können aus erster Hand über aktuelle Ereignisse und langfristige Entwicklungen in ihrem Einsatzland berichten. In den „Länderberichten“ bieten sie den Nutzern der Webseite der Konrad-Adenauer-Stiftung exklusiv Analysen, Hintergrundinformationen und Einschätzungen.

Herausgeber
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.


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