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"Ein konfessioneller Flächenbrand im Irak ist zu befürchten"

Nahost-Experte Otmar Oehring zur Lage im Irak


Berlin, 16. Juni 2014

 
 

Die sunnitische Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" (Isis) rückt seit Anfang der Woche auf Bagdad vor. Die Organisation verfolgt das Ziel der Errichtung einer islamischen Herrschaft, die unter einem islamischen Kalifat zu stehen habe. Es kommt zu Kämpfen zwischen sunnitischen und schiitischen Muslimen und die christliche Minderheit gerät zwischen die Fronten. Otmar Oehring, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jordanien, wies im Interview mit NDR Info daraufhin, das die Eingruppierung der Isis in den Bereich des Islamismus nicht weiterhelfe.

 

„Man hat bei der Isis-Gruppe den Eindruck, dass sie nur das Töten im Kopf hat und sich den Weg freikämpfen will“, sagt Oehring. Nach Berichten aus der Region handele es sich um eine zahlenmäßig kleine Gruppe, die nicht nur aus arabischen Mitgliedern, sondern auch aus europäischen und amerikanischen Teilnehmern bestehe und keine große Unterstützung der Bevölkerung erhalte.

Oehring befürchtet einen konfessionellen Flächenbrand im Irak. „Die Bedrohung ist groß und insbesondere Minderheiten wie Christen in dem Land sind betroffen“, sagt Oehring. Die 200.000 bis 300.000 Christen befänden sich in einer prekären Situation. Hunderttausende Menschen seien allein aus Mossul geflohen, darunter auch die rund 3.000 zuletzt noch dort lebenden Christen. Es sei zu befürchten, dass die bereits geflohenen Christen nicht mehr zurückkehren könnten.

Doch eines der Ziele der Isis seien derzeit die religiösen Heiligtümer der Schiiten in Nadschaf. „Man muss sagen, dass das Regime von Ministerpräsident Nuri al-Maliki seinen Beitrag dazu geleistet hat“, erklärt der Irak-Experte. Jedes Regime bevorzuge eine bestimmte religiöse Gruppe und mache sich somit auch schuldig.

Das Radio-Interview von NDR Info können Sie über den oben stehenden Link nachhören. Bitte beachten Sie, dass Audio-Beiträge der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten nur in einem begrenzten Zeitraum abrufbar sind.

 

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