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Kampf gegen Dschihadisten und um sehr viel Öl

Können die Kurden Isis stoppen?

Von Oliver Ernst


Berlin, 23. Juni 2014

 
 

Die Terrorgruppe Isis überrollt den Irak. Doch in der Ölstadt Kirkuk haben nun die kurdischen Elitekämpfer der Peshmerga die militärische Macht übernommen. Können sie die Islamisten stoppen? Und wird die Regierung in Bagdad diesen Wechsel im Machtgefüge hinnehmen?

 

In einem überraschenden Zug haben die kurdischen Peshmerga am 12. Juni 2014 in der Irakischen Region Kurdistan die militärische Kontrolle über die zwischen Kurdischer Regionalregierung in Erbil und irakischer Zentralregierung in Bagdad umstrittene Ölstadt Kirkuk übernommen. Das stärkt die kurdische Führung um Kurdenpräsident Masud Barzani und kann in der gesamten Kurdenregion eine neue Dynamik auslösen – mit der irakischen Kurdenregion als Modell, Motor und Stabilitätsanker.

Gut ausgebildet und kampfbereit: die kurdischen Peshmerga

15.000 Peshmerga sollen die große und überwiegend von Kurden besiedelte Provinz Kirkuk vor den extremistischen Banden der Isis schützen. Einige arabisch besiedelte Teile dieser Provinz sind aber wohl dennoch von Isis-Kämpfern überrannt worden, nachdem die irakischen Truppen sich nicht nur zurückgezogen hatten, sondern teilweise sogar zu Isis übergelaufen waren, die überall in ihrem Aufmarschgebiet ihre Schläferzellen mobilisiert hat.

Der Gouverneur der Provinz Kirkuk, der Kurde Najmaldin Kareem, hält eine längere Präsenz der kurdischen Peshmerga zum Schutz der Provinz und der Stadt Kirkuk für erforderlich und sieht die Peshmerga bereits als neue Schutztruppe der Provinz. Bisher konnten die Peshmerga auch weitere Angriffe auf Kirkuk durch Isis erfolgreich abwehren. Wenngleich der ethnisch gemischte Regierungsrat in Kirkuk, dem auch Araber und Turkmenen angehören, inzwischen der offiziellen Peshmerga-Präsenz in der Provinz zugestimmt hat, so ist doch ein neuer Konflikt zwischen der nach immer mehr Unabhängigkeit strebenden Irakischen Region Kurdistan und der von schiitischen Kräften dominierten Führung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki in Bagdad nicht auszuschließen.

Streit zwischen Erbil und Bagdad über die Öl-Einnahmen

Bereits in den letzten Monaten war der Streit über die Beteiligung der Kurden an den irakischen Ölverkäufen eskaliert. Den Kurden stehen 17 Prozent der Einnahmen zu. Bagdad hatte zum Jahreswechsel die Zahlungen an Erbil erst um die Hälfte reduziert und dann ganz eingestellt. Für die wirtschaftlich dynamische Kurdenregion ist das eine schwere Hypothek. Das Geld wird dringend für den weiteren Ausbau der Infrastruktur, die meist von türkischen Firmen durchgeführten Bauprojekte, aber auch zur Zahlung der Gehälter in der Kurdenregion benötigt.

Erbil reagierte jüngst mit einem eigenständigen Verkauf des in der Irakischen Region Kurdistan geförderten Öls, wogegen Bagdad sofort scharfe Gegenreaktionen androhte. Hier ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen – ein Kompromiss zwischen beiden Seiten ist zwar nach wie vor möglich, aber ein länger anhaltendes Kräftemessen ist durch die erodierte Sicherheitslage im Irak eher wahrscheinlicher geworden, da Erbil sich gegenüber der irakischen Zentralregierung gestärkt fühlen kann.

Der Artikel erschien im Original am 21.6.2014 bei Focus online.

 

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