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Frieden in Syrien ohne Verhandlungslösung unmöglich

Dr. Otmar Oehring im Interview mit KAS.de


Berlin, 6. Aug. 2014

 
 

Angesichts der dramatischen Nachrichten aus dem Heiligen Land und der weiter eskalierenden Lage in der Ukraine tritt die Berichterstattung des Syrienkrieges in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund. Dabei hat der Konflikt, der Anfang 2011 als friedlicher Protest gegen Staatschef Baschar al-Assad begann, unterdessen schätzungsweise mehr als 170.000 Menschen das Leben gekostet, Millionen sind auf der Flucht und die Lage spitzt sich weiter zu. Dr. Otmar Oehring leitet das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung im Nachbarland Jordanien und sprach mit KAS.de über die Lage im Land.

 

Syrien sei zwar ein geteiltes Land, aber Berichte, die immer wieder darauf hinwiesen, dass 85 Prozent des Staatsgebietes nicht mehr unter der Kontrolle des Assad-Regimes seien, führten in die Irre, sagt Dr. Otmar Oehring. "Denn ungefähr 70 bis 80 Prozent des Staatsgebietes sind Wüste und wer die kontrolliert, ist im Endeffekt nicht entscheidend." Man könne davon ausgehen, dass das Regime nach wie vor das Land von Aleppo über Hama, Homs, Damaskus bis zur jordanischen Grenze mitsamt den Küstenstädten in der Hand habe. "Das ist auch das fruchtbare Land, wo ein Großteil der Bevölkerung in der Vergangenheit gelebt hat. Hier sitzt das Regime durchaus noch fest im Sattel", so der Leiter des Auslandsbüros Jordanien der Konrad-Adenauer-Stiftung. Das betreffe insbesondere die Küstenstädte, wo offensichtlich die Geschäfte und das Leben nach wie vor so laufen, als ob es keinen Krieg gebe.

Neun Millionen Flüchtlinge

In Damaskus sehe die Lage hingegen anders aus, weil die Stadt vom Osten bekämpft werde und es Stadtteile gebe, die unter der Kontrolle anderer Gruppierungen stünden. "Noch schlimmer ist die Situation in Homs, Hama und Aleppo, denn ein großer Teil der Bevölkerung ist aus diesen umkämpften Städten geflohen - zum Teil in den Küstenstreifen, der mittlerweile total überbevölkert ist, aber auch in die Nachbarländer Türkei, Libanon und Jordanien." Insgesamt werde mittlerweile von ungefähr neun Millionen Flüchtlingen ausgegangen, mehr als die Hälfte von ihnen seien Binnenflüchtlinge, die weiterhin in Syrien leben.

Oehring glaubt, dass Frieden nur möglich sei, wenn es zu einer Verhandlungslösung komme, die sei momentan jedoch leider nicht zu erkennen. "Es wäre wichtig, dass die Großmächte USA, Russland und China und ihre jeweiligen Vasallen, Saudi-Arabien, Katar, die anderen Golfstaaten, die Türkei und Iran, sich an einen Tisch setzen und nach einer Lösung suchen würden, die für alle tragbar ist." Derzeit gebe es aber zu viele andere Probleme, wie die Lage in der Ukraine, die dem Westen näher lägen.

Deutschland sollte größere Rolle in der Region spielen

"Überraschender Weise wird Deutschland von unseren Partnern in Jordanien, Syrien und Irak immer wieder als ein wichtiger Player in diesem ganzen Zusammenhang genannt", so Oehring. Selbstverständlich müsse es eine gemeinsame europäische Außenpolitik geben, "es wäre trotzdem wünschenswert, wenn Deutschland eine größere Rolle übernehmen würde", denn sein Engagement hätte in der Region größeren Wert als das manch anderer europäischer Mächte.

Das komplette Interview mit Dr. Otmar Oehring finden Sie als Audio-Mitschnitt in der rechten Spalte.

 

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