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Veranstaltungsberichte

Frischzellenkur für die Wirtschaft – Rückgrat des Mittelstands

Obwohl jeder sie will, haben Start-Ups in Deutschland es immer noch schwer


Berlin, 4. Nov. 2014

 
 

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, Hub:raum, SRH University Berlin und EIT ICT Labs haben zusammen mit Experten diskutiert, wie Start-Ups in Deutschland noch besser gefördert werden können.

 
  • Startup Kultur

    Gewinner des Start-Up-Wettbewerbs: Stephan Kühr. Er entwickelte mit seinem Unternehmen eine Software zum Übersetzen von Druckaufträgen an 3-D-Printern.

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    Die Preisverleihung war der Höhepunkt einer Konferenz zum Thema Start-Ups, die gemeinsam von der SRH Hochschule, EIT ICT Labs, hub:raum und der Konrad-Adenauer-Stiftung durchgeführt wurde.

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    Für hub:raum begrüßte Peter Borchers.

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    Für EIT ICT Labs Dr. Udo Bub.

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    Prof. Anabel Ternès für die SRH Hochschule Berlin.

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    Und für die Stiftung Matthias Schäfer, Leiter des Teams Wirtschaftspolitik in der Hauptabteilung Politik und Beratung.

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    Etwa 150 Zuhörer waren nach Schöneberg...

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    ...in den hub:raum gekommen.

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    Führte durch den Tag: David Knight, Gründer & Editor des Startup Blogs Silicon Allee

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    Gab einen Impuls: Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung der BITKOM. Er räumte mit einem Vorurteil auf: Wer schnell reich werden möchte, sollte besser kein Start-Up gründen.

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    In einer ersten Podiumsdiskussion wurden Faktoren für Erfolg und Misserfolg von Start-Ups diskutiert. Fazit: Es kommt auf ein gut zusammengestelltes Team an, auf Nähe zum Markt und auf das richtige Netzwerk. Gründer sollten über viel Ehrgeiz und Zeit verfügen. Auch sollten sie das eigene Scheitern einplanen.

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    Dr. Philipp Murmann sprach für die Politik: Er machte deutlich, dass bereits vieles zur Förderung von Start-Ups getan wird. Allerdings muss Deutschland bereit sein, mehr Risikokapital bereitzustellen.

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    Tolle Ideen - tolle Wettbewerber: Bevor das Publikum entscheiden konnte, wer den Preis für das beste Start-Up gewinnt, erklärte Stephan Kühr von 3YOURMIND seine Geschäftsidee. Das Start-Up entwickelte eine Software zum Übersetzen von Druckaufträgen für 3-D-Printer.

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    Jakob Schröger von QGo bewarb sich mit einer App, die Auskunft über die Länge von Warteschlangen gibt.

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    Das Start-Up von Mitchell Barak heißt Q-XT. Es nutzt die Möglichkeiten von Big Data und verbindet auf diese Weise Menschen mit gleichen Interessen.

  • Abstimmungsergebnis

    Mit großem Abstand konnte sich die Idee von 3YOURMIND gegen die anderen beiden Wettbewerber beim Publikum durchsetzen.

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    Dr. Fabian Heilemann zeigte sich hinsichtlich der Zukunft von Start-Ups in Deutschland optimistisch: "Es tut sich was in Deutschland. Es gibt immer mehr Crowdinvestitionen, Inkubatoren und Investoren. Das ist gut."

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    Andreas Winiarski von Rocket Internet vermisst eine breite Gründerkultur: "In Deutschland gibt es gegenüber Start-Ups viel Skepsis. Die Berichterstattung über unser Unternehmen ist Ausdruck dessen."

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    Thomas Jarzombek MdB stieß in dasselbe Horn: Für ihn ist die fehlende Gründerkultur "das größte Problem für Start-Ups in Deutschland". Er setzt sich dafür ein, den Gründergeist bereits unter Schülern zu wecken. "Alles andere wird sich dann ergeben".

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    Viel Raum zum Diskutieren und Austausch gab es in vier Workshops.

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    Auch hier ging es vor allem um fehlende Risikobereitschaft,...

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    ...um eine notwendige neue Gründerkultur aber auch um handwerkliche Fehler.

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    Viele Start-Ups verlieren von der ersten Idee bis zur Produktreife den Markt aus den Augen.

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    Eine Abschlussrunde diskutierte das Thema "Was kommt nach der Pionierarbeit?". | Fotos: KAS/Juliane Liebers

Die Szene war sinnbildlich: Als der Gewinner des Start-Up-Wettbewerbs Stephan Kühr nach einem langen Konferenztag die ihm soeben überreichte beleuchtete Trophäe auf der Bühne in die Höhe heben wollte, scheiterte er an dem zu kurzen Stromkabel. Doch der Reihe nach.

Heute sind Start-Ups in aller Munde. Vor allem, wenn es um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft geht. Selbst in den aktuellen Koalitionsvertrag hat es das Buzzword geschafft, das gerne im Tandem mit „Entrepreneurship“ daherkommt - meist dann, wenn man früher schlichtweg Unternehmensgründer oder Erfinder geschrieben hätte. Womit auch klar wäre, warum es diese Aufmerksamkeit verdient hat. Start-Ups sind eine Art Frischzellenkur für die Wirtschaft und stellen darüber hinaus das Rückgrat des Mittelstandes dar. Guckt man in die Statistik, findet man beeindruckende wie gleichermaßen besorgniserregende Zahlen. Im Jahr 2013 gab es zwar 350.000 Neugründungen – vor allem in der Internetbranche. Rund die Hälfe von ihnen verfügte allerdings über nur 5.000€ Startkapital. Um wachsen zu können, stellten Investoren 2013 etwa eine halbe Milliarde Euro bereit. Viel zu wenig. Experten schätzen die tatsächlich benötigte Summe auf mindestens das Dreifache. Doch obwohl in Deutschland so viel freies Kapital im Markt ist, wie lange nicht, scheuen viele Geldgeber die Investition in Start-Ups. Folgerichtig haben andere Länder in Europa und weltweit die deutsche Start-Up-Szene abgehängt. Großbritannien und Frankreich, die USA sowieso, aber auch Israel liegen weit vor Deutschland. Das wird umso unverständlicher, wenn man bedenkt, dass Bund, Länder und immer mehr Kommunen zahlreiche und dazu noch wohlklingende Fördermöglichkeiten für Start-Ups anbieten, wie zum Beispiel EXIST, ProFIT oder SIGNO. Ausgezahlte Summen bis zu 50.000€ - seit Neuestem auch steuerfrei - sind dabei keine Seltenheit. Paradox: Mittlerweile gibt es mehr Fördermittel, als abgerufen werden.

Deutschland leidet anscheinend an mangelnder Risikobereitschaft auf beiden Seiten: bei Geldgebern und potentiellen Neugründern. Gestützt wird dieser Verdacht durch eine in Kürze erscheinende Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung (Auszüge als PDF). Etwa 80 Prozent der Befragten gaben darin an, keine langfristigen finanziellen Risiken durch das Gründen eines Start-Ups eingehen zu wollen. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Scheitern in Deutschland immer noch als Makel und Ausdruck von Inkompetenz angesehen wird.

Es braucht also dringend eine neue Gründerkultur und -offensive. Dabei muss es seinen eigenen Weg finden. Versuche, die Erfolgsfaktoren des Sillicon Valley oder der israelischen Start-Up-Szene einfach ein zu eins zu kopieren, werden kaum erfolgreich sein, da sie unter ganz speziellen Umständen entstanden sind. Vielmehr müssen deutsche Besonderheiten und Vorteile, wie etwa die Stärke der Regionen oder die im globalen Vergleich niedrigen Lebenshaltungskosten in Berlin, kultiviert und für potenzielle Start-Ups nutzbarer gemacht werden. Das schließt dann sicherlich auch das deutsche Bildungssystem mit ein. Zukünftig wird dann - in diesem Punkt herrschte unter den Konferenzteilnehmern breiter Konsens - bereits in der Schule für eine späterer Karriere als Unternehmer geworben.

Doch noch einmal zurück zu Stephan Kühr und seiner angeketteten leuchtenden Trophäe. Das Fazit der Konferenz lautet: Start-Ups können der deutschen Wirtschaft zu neuem Glanz und einem Höhenflug verhelfen. Fehlende Risikobereitschaft und mangelnde Gründerkultur halten sie aber bisher noch zurück.

 

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