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Veranstaltungsbeiträge

Ich trage einen Traum in meinem Herzen

von Souher Nassabieh


Bremen, 25. Nov. 2014

 
 

Gewinnerbeitrag des Kreativwettbewerbs „Islamisches Leben in Deutschland“

 
Ich trage einen Traum in meinem Herzen - Ein 100-Zeiler an meine Mitmenschen in Deutschland

Ich trage einen Traum in meinem Herzen Er hält mich wach trotz aller Schmerzen Auch wenn er bekämpft wird am Tage und in der Nacht Von Meinungsmachern und Allerlei mit aller Macht Er ist mein Licht in der Dunkelheit Mein Wunsch seit geraumer Zeit Lasset mich euch erzählen meinen Traum und meine Geschicht' Damit ihr vielleicht verstehen und fühlen könnt meine Sicht

Eines Tages, da entdeckte ein kleines Mädchen Dass es anders war als die Andern in dem Städtchen Es verstand nicht viel von der Welt und ihrem Spinnen Aber Anderssein, das zumindest ahnte es, bringt kein Gelingen

Eine Flüchtlingsfamilie entrinnt dem Kriege seiner Zeit Sucht Sicherheit und Schutz vor Blut und Grausamkeit Eltern angekommen in einem fremden Land In dem Sprache und Kultur sie nicht verstand Wie die zwei Meere sich treffen und nicht vermischen Nah beisammen und doch eine Schranke dazwischen So lebte man über Jahre hinweg Jeder für sich in seiner Eck' Und dann, als aus den geduldeten Gästen plötzlich Beheimatete werden sollte Ging ein Aufschrei durch die Gesellschaft, wie es nur so weit kommen konnte?

Ihr Türken, Araber und eure Religion Was wollt ihr hier in unserer Nation? Seht ihr nicht, dass ihr an diesem Orte passt wie das Feuer im Meer In ihrer Koexistenz unmöglich oder zumindest ungemein schwer Euer Islam steht für Gewalt, Unterdrückung und Grausamkeit In aller Welt wird berichtet von seiner Unmenschlichkeit Nach Außen kämpft er gegen Ungläubige in aller Härte Nach Innen gegen seine Frauen, eine Religion ohne Werte! Wie könnten wir so ein Denken zu uns zählen Und es zu unseren Reihen als gedeihlich sehen Nein, der Islam gehört nicht zu Deutschland, ganz gewiss Wie es der Wulff einst verstanden haben will

In dieser Gedankenwelt wächst das kleine Mädchen auf In der sie fühlt, sie müsse loslassen von Glaube und Brauch Wie sollen die Menschen nur mich annehmen und lieben lernen Wenn ich trage mit mir eine Religion, die sie stets ablehnen werden Sie müsse sich entscheiden, so empfand sie voller Schmerzen Zwischen Islam und Deutschsein, ein Riss inmitten ihrem Herzen

Ich liebe dieses Land und seine Menschen Bin hier geboren und aufgewachsen Es loszulassen oder zu verkennen, ist nicht anders zu sagen Als einen Teil meiner Selbst lebendig zu begraben Wieso dann verlangt ihr von mir zu entscheiden In der einen oder der ander'n Welt zu verbleiben

Das kleine Mädchen war an einem Punkt gelangt in seinem Leben In dem es endlich selbst wollte wägen Wie viel Wahrheit verbarg sich in jenem Denken und jener Meinung Und wie viel Vorurteil und Angst trat indessen in Erscheinung So machte sie sich auf ihres Weges Zu erkunden, was erschien wie ein unlösbares Rätsel Ihr Pfad ward gepflastert mit allerlei Gefühlen Von überall hörte sie, nahm auf und war am Wühlen

Sie las und lernte über den Islam und entdeckte Dass verschiedene Strömungen diese Religion beherbergte Sunnit, Schiit, Alewit, Salafist und was es noch so gibt Jedem eine Interpretation der Schrift und Sunnah liegt Dass die Religion des Islam in Gruppen sich spalten werde In Lager, die Lüge und List verbreiteten auf der Erde Dies sagte nicht nur einst der Prophet zu seiner Zeit Sondern bezeugt der Koran selbst in aller Deutlichkeit In Sure al-Imran, Vers sieben, steht es geschrieben Die Gefahr der Missdeutung der Schrift und Intrigen Daher beschreibt der Koran die Methodik seiner Interpretation Die schützen und wahren soll seine authentische Version Nur in seiner Gesamtheit ist er zu deuten von Leuten mit tiefer Kenntnis Die eindeutigen Verse als Säule zur mehrdeutigen Verse Bewährnis'

Weiter suchte das Mädchen und ihr entgegnete Wie der Koran die Menschen ausrief sich zu begegnen In Sure al-Hugurat, Vers dreizehn, wird gesagt Wir haben euch in verschiedene Völker gemacht, damit ihr einander kennen lernen sollt Eine Vervollständigung durch andere, der Weg der Integration wird gewiss gewollt Und weiter: Arbeite für dein Leben als lebtest du ewig am Ort Und arbeite für dein Jenseits als stürbest du morg' Fleiß solle der Mensch in diesem Leben erbringen Es in materiellem und moralischem Fortschritt verbringen Je mehr das Mädchen las und lernte, Desto mehr verstand sie die geforderten Werte Friede, Freiheit und Gerechtigkeit Prinzipien, die wir teilen in unserer Menschlichkeit

Die Finsternis der Unwissenheit hatte sich langsam gelöst Und quälende Fragen durch verständige Antworten erlöst Und plötzlich, so schien es ihr Als war es aus mit all der Wirr'

Die Welt, das weiß ich nun, teilt sich nicht in schwarz und weiß Auch meine Identität, das denk' ich heut', schließt sich nicht aus diesem Kreis Ich kann mich als Deutsche ebenso wie Muslime sehen Und mag dies für dich im Widerspruch stehen Dann lass mich dir sagen, mein lieber Freund Ein letztes Wort, was dich vielleicht überzeugt Gewalt, Unterdrückung, Grausamkeit, kurzum Islamismus Verhält sich zum Islam wie Nazismus zum Patriotismus Und weiter, wieso sehen wir die Welt nur in ihren Grenzen? Erkennen nicht Völker und Menschen, die einander ergänzen?

Ich trage einen Traum in meinem Herzen Er hält mich wach trotz aller Schmerzen Ich wünsche mir, eines Tages zu sehen Wie die Mauern der Angst und Unwissenheit zusammenbrechen Durch die einfache Formel - Dem Andern' zuhören und lassen sprechen.

 

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