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Cover: The U.S.-China Relationship in an Evolving Global Economic Order

The U.S.-China Relationship in an Evolving Global Economic Order

EINE GESPRÄCHSRUNDE DES CENTERS FOR STRATEGIC AND INTERNATIONAL STUDIES MIT CHINESISCHEN UND AMERIKANISCHEN VERTRETERN

11. Mai 2015


Bereitgestellt von: Auslandsbüro USA, Washington D.C.


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Aktuelle Entwicklungen und die Etablierung neuer Institutionen, wie die AIIB (Asiatische Infrastrukturinvestmentbank), forcieren die Frage nach dem Rollenverhältnis der USA und China in einer globalen Wirtschaftsordnung. Wo liegen die Differenzen zwischen der amerikanischen und chinesischen Sichtweise auf globale Entwicklungen? Diese Themen wurden diplomatisch von Vertretern beider Länder in einer Paneldiskussion im Center for Strategic & International Studies (CSIS) in Washington D.C. am 29. April 2015 aufgegriffen.

Zu Beginn der Diskussion appellierte Chen Dongxiao, dass sowohl China als auch die USA sich in der nahen Zukunft weiter an die immer komplexer werdende globale Wirtschaft anpassen müssen. Einhergehend hiermit sei die einzelnen Wirtschaften in einem Gesamtbild zu sehen; erst mit einer gemeinsamen Öffnungen und weiteren Kooperationen seien die Veränderungen der Globalisierung zu bewerkstelligen. „Die Globalisierung 3.0 ist erst möglich, wenn wir eine gemeinsame Plattform schaffen, die G20 ist hierfür die primäre Grundlage!“, betonte Dongxiao. China hätte ambitionierte Reformen geplant und sei bereit zukünftig stärker mit den USA zu kooperieren.

Auch Evan Feigenbaum, Vertreter der US-Seite, sieht eine stärkere Kooperation in der Wirtschaftsbeziehung der beiden Großmächte als essenziell für die globale Wirtschaft der Zukunft. Er weist jedoch auch daraufhin, dass es auch zukünftig eine gewisse Konkurrenzbasis nicht nur realistisch, sondern auch weiterhin nötig sei, um sich kritisch mit unterschiedlichen Systemen auseinander zu setzen. Im Fokus stehe hierbei die Fragen: Passen die asiatischen Systeme und Institutionen überhaupt zu den USA? Gibt es eine gemeinsame Basis wie in den laufenden Verhandlungen der USA mit Europa?

Clay Lowery erweiterte die Diskussion um die Handelskomponente; und stellte sich hier ebenfalls die Frage: Kann und möchte die USA eine positive Rolle im US-China Verhältnis übernehmen, wenn es um gemeinsamen Handel geht? Bevor derartige Handelsabkommen eingegangen werden können, müsse diese Frage genauer beleuchtet werden. In diesem Zusammenhang ging er auch auf die künstliche Währung des IWFs ein, die sogenannte ‘Special Drawing Rights‘, die international als Zahlungsmittel verwendet werden kann. Lowery stellte sich hierbei die Frage, ob China tatsächlich die technischen Kriterien zur Aufnahme in den Währungskorb erfüllen kann. Bislang gäbe es noch viele Kontroversen in den unterschiedlichen Finanzsystemen Chinas und der USA. Er wies jedoch auch darauf hin, dass er hofft Möglichkeiten zu finden, die US-Interessen zu vertreten und gleichzeitig einen Schritt auf China zu zugehen.

Fang Jin spielte im weiteren Verlauf der Diskussion auf die enorme Verantwortung der beiden Länder in einer globalen Ordnung an. Die ‘Big Player‘ China und USA müssen sich beide reformieren, um dann als Vorbild für andere Länder und Entwicklungsländer agieren zu können. Dies würde vor allem eine Reformierung der politischen Entscheidungsfindung umfassen, um effizienter arbeiten zu können. Hierfür könnten teilweise neue Institutionen sinnvoll sein, so Jin. Darüber hinaus sei es sehr wichtig Entwicklungsländer in ihrer infrastrukturellen Entwicklung zu unterstützen. Dies sei die primäre Zielsetzung der AIIB.

Was können und müssen die USA und China verändern, um besser gemeinsam arbeiten zu können? Chen Dongxiao war der Meinung, dass bereits gewisse Transformationen stattgefunden haben. Er glaubt an ein gemeinsames Leadership, um die Herausforderungen der globalen Zukunft zu bewältigen. Hier könnten sie gemeinsam den langwierigen Weg der globalen Herausforderungen (z.B. Klima) steuern und beschleunigen, um damit Länder wie Indien mit an einen Tisch zu bringen.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie so eine Beschleunigung und Reformierung konkret aussehen könnte, betont Dongxiao, dass China selbstredend nicht jedes globale Problem lösen könne, der Fokus ihrer Entwicklungspolitik solle erst einmal auf die Förderung von Infrastruktur liegen; wenn hier eine erfolgreiche Mobilisierung stattfinden würde, sei der erste Schritt zur Reformierung getan. Auf eine weitere Frage aus der Audienz, was die USA von China und seinem Bankensystem lernen könnte, gibt Evan Feigenbaum zu bedenken, dass die Systeme und die Investmentmaßnahmen Chinas und den USA sehr unterschiedlich und daher schwer zu vergleichen seien. Insbesondere US-Investitionen im asiatischen Raum seien nach wie vor sehr kompliziert. Hier müssten die richtigen politischen Rahmenbedingungen gegeben sein, um intensivere private Finanzflüsse zwischen den Ländern zu ermöglichen.

Die Diskussionsteilnehmer sind sich einig: Man müsse miteinander arbeiten, um einen gemeinsamen positiven Output zu erreichen. Sollte dies nicht geschehen, sei ein effizienter Umgang mit der Globalisierung nicht möglich. Zudem müssten sich die Länder erst an die Anpassungen und nötigen Koordinierungen gewöhnen, die eine engere Beziehung der beiden Länder mit sich bringen würde.

Im Anschluss an die Diskussion gab Nathan Sheets, Undersecretary for International Affairs im U.S. Treasury, eine Zusammenfassung darüber was von dem sogenannten Projekt „US-China Strategie und Economic Dialogue“ dieses Jahr zu erwarten sei. Das Projekt, welches seit 2009 zu tragen kommt, bietet eine Plattform für die beiden Ländern, um gemeinsam die Herausforderungen und Möglichkeiten von bilateralen, regionalen und globalen Thematiken abzustecken und zu diskutieren. Diesen Sommer geht das 2-tägige Dialogprogramm in die siebte Runde. Nathan Sheets betont das große Interesse beider Seiten im Dialog voran zu kommen und Verantwortung zu übernehmen für die komplexen Themen der globalen Wirtschaft. Vorgesehen sind viele Besuche und Telefonkonferenzen mit Führungskräften aus der Wirtschaft und politischen Größen; diese sollen ein besseres Verständnis für die unterschiedlichen Perspektiven geben. Die globale Finanzkrise 2007 hat, laut Sheets, die Notwendigkeit eines solchen Dialogs bewiesen. Wie auch im Jahr 2014 sei einer der wichtigsten Themen des Dialogs für dieses Jahr der Klimawandel und der Umgang mit diesem. Er erhofft sich durch die Fortsetzung des Dialogs mehr Austausch, mehr Transparenz und mehr Liberalisierungen im Finanzsektor zwischen China und den USA. Diese Faktoren könnten dann zur Harmonisierung, effizienteren Wirtschaftens und weltweit höheren Qualitätsstandards führen.

Beitrag von Louisa Rademacher

Verantwortlich und Redaktion Dr. Lars Hänsel


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