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„Radikalisierte Jugendliche suchen eine Vaterfigur in der Religion"

Ahmad Mansour fordert mehr Integrationsarbeit in Schulen und die Vermittlung eines demokratischen Islamverständnisses

27. Nov. 2015


Die islamistische Szene in Deutschland wächst kontinuierlich. Mittlerweile gibt es 25 bundesweite aktive islamistische Organisationen wovon etwa 7.000 Personen dem Salafismus anhängen. Der Islamexperte Ahmad Mansour weißt in seinem kürzlich erschienen Buch „Generation Allah“ auf die potentielle Gefahr hin, das besonders 15- bis 25Jährige leicht verführbar für die Radikalisierung der Salafisten seien.

„Der Salafismus vermittelt ihnen das Gefühl gebraucht zu werden und gibt ihnen zum ersten Mal in ihrem Leben eine Aufgabe“, erklärte der Autor und Psychologe am Mittwoch im Islam-Gespräch in der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Ein schwieriges Elternhaus, eine labile Psyche oder Rassismus seien push-Faktoren, die Jugendliche in die Hände der Salafisten treiben würden. Mansour berichtete von seinen Erfahrungen als Mitarbeiter der Deradikalisierungs-Beratungsstelle Hayat in Berlin und stellte fest, dass 80 Prozent der Hilfesuchenden Mütter seien. „Radikalisierte Jugendliche suchen eine Vaterfigur in der Religion, die ihnen Orientierung gibt und sie auch bestrafen kann“, erläuterte er. Dabei spiele auch eine Art „Angstpädagogik“ eine wesentliche Rolle, bei der nicht selten mit der Hölle gedroht werde. Doch diese fatale Auslegung des Islams habe nichts mit dem wahren Islam zu tun. „Sie praktizieren einen Buchstabenglaube“, bei dem sich die radikalisierten Jugendlichen nur an Texten orientieren, ohne sie kritisch zu hinterfragen.

Gerade mit Blick auf die Flüchtlingssituation warnte er die Gesellschaft davor, alle Flüchtlinge für radikal zu halten. Die Integration der Fliehenden sei eine große Herausforderung. „Sie wird eine Jahrhundertaufgabe sein“, sagte der Islamexperte. Zudem brächten sie ein anderes Islamverständnis mit als es in Deutschland bisher vertreten werde. Er warnte davor, Flüchtlinge als homogene Gruppe zu betrachten. Mansour, der selbst knapp einem Terroranschlag entgangen war und 2004 aus Israel floh, sieht in der Flüchtlingsbewegung eine große Chance das türkisch-konservativ geprägte Islamverständnis in Deutschland aufzubrechen.

Es sei die Aufgabe der Gesellschaft und insbesondere der islamischen Verbände, ein Islamverständnis zu vermitteln, das die Demokratie und ein europäisches Werteverständnis mit einbeziehe. Insbesondere die großen Islam-Verbände nimmt er dabei in die Pflicht. „Mahnwachen und Lippenbekenntnisse reichen nicht aus“, sagte er. Mansour selbst gehört dem im April gegründeten "Muslimischen Forum Deutschland" an, in dem sich theologisch liberal denkende Muslime zusammengeschlossen haben.

Mansour sprach sich für eine flächendeckende und auf Langfristigkeit angelegte Präventionsarbeit aus. „Wir brauchen ein neues Modell, dass der jugendlichen Welt angepasst ist.“ Ahmad Masour kritisierte in dem Zusammenhang die Sozialarbeit in Deutschland. „Sie ist den 1970ern und 1980ern stecken geblieben“, so der Psychologe. Lehrer und Sozialarbeiter müssten besser geschult werden und das nötige pädagogische Rüstzeug erhalten, um mit den Herausforderungen sicher und angstfrei umgehen zu können. Das Heranführen an Werte, freiheitliches Denken, Rechte und Demokratie müsse bereits in den Kindergärten geschehen. Nur so könne sich ein liberales Islamverständnis in Deutschland etablieren.

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