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Veranstaltungsberichte

Islam und Islamismus: eine Klärung in aufgeregten Zeiten

Vortrag und Podiumsdiskussion

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Am 29. Oktober 2015 veranstaltete das Politische Bildungsforum Thüringen mit dem

Koordinator Islam und Religionsdialog der Konrad-Adenauer-Stiftung Berlin Thomas Volk und Prof. Dr. Tilman Seidensticker, Lehrstuhlinhaber für Semitische Philologie und Islamwissenschaft an der FSU-Jena, einen Vortrag mit anschließender Diskussion zu dem Thema: „Islam- Islamismus. Eine Klärung in aufgeregten Zeiten“.

Zu Beginn nahm der Thomas Volk zu den vielen verschiedenen Facetten des Islam, so den Glaubensrichtungen, 8 Rechtsschulen als auch deren Verbreitung in der Islamischen Welt Bezug. Danach erörterte er den Charakter des Islams in Deutschland, seine Facetten, als auch Verbände. Bei dem Islam handelt es sich um eine monotheistische Religion, die sich im 7. Jahrhundert durch den Propheten Mohammed konstituiert hat und die auf einem holistischen Ansatz basiert. Weshalb der Islam laut Volk nicht nur als Religion, sondern auch als Weltanschauung und Rechtsauffassung begriffen werden könne. Das Wort Islam leitet sich demnach von dem arabischen Wort aslama ab und bedeutet übersetzt Hingabe und Unterwerfung. Volk konstatiert, dass man unter Muslimen also sich Hingebende bzw. diejenigen, die sich Gott unterwerfen, verstehe.

Volk betont, dass davon bzw. von der Religion Islam, der Islamismus streng zu trennen sei. Demzufolge handele es sich bei Islamismus, um eine politische Ideologie, die charakteristisch für das Zeitalter der Moderne sei. Kennzeichnend für diese politische Ideologie sei außerdem, dass Islamismus einen universalen Herrschaftsanspruch erhebe und infolgedessen mitunter Gewaltanwendung legitimiere, damit als „islamisch“ definierte Ziele umgesetzt werden können.

Die am dynamistischen und somit auch am stärksten ansteigende Strömung des Islamismus, aber zugleich auch radikalste Ausprägung, sei der Salafismus. Dieser fordere dazu auf, den Islam der ersten Generationen gleichbleibend in der heutigen Zeit zu praktizieren. Ziel von Salafismus sei es folglich Pluralismus zu beseitigen. Volk unterstreicht, dass für diese Ausprägung des Islamismus primär kennzeichnend sei, dass dem 7. Jahrhundert, d.h. dem Ursprungsislam „nachgeifert“ werde. Gewalt in einem zuvor nicht gekanntem Maße werde pervertiert. Daneben spricht er die hohe Anzahl an Konvertiten an. Immer mehr junge Menschen, vorrangig Männer und ansteigend auch aus westlichen Industriestaaten, würden „zum Islamismus, allerdings nicht zum Islam selbst.“, .konvertieren, und sich in den Dienst terroristischer Vereinigungen stellen.

Im Anschluss Prof. Dr. Tilman Seidensticker, Lehrstuhlinhaber für Semitische Philologie und Islam-wissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena mit seinen Ausführungen zum Thema. Zunächst weist Seidensticker darauf hin, dass eine „allgemein akzeptierte Definition des Begriffs Islamismus“ nicht existent sei. Dies ließe sich u.a. damit begründen, dass oftmals die eigene Weltanschauung darauf Einfluss habe, ob und was man als Islamismus klassifiziert. Daneben sei keine allgemein gültige Definition vorhanden, da das Phänomen des Islamismus Wandlungen erfahren habe. Sein Vortrag allerdings basiere auf folgender Definition. Demnach handele es sich beim Islamismus „um Bestrebungen zur Umgestaltung von Gesellschaft, Kultur, Staat oder Politik anhand von Werten und Normen, die als islamisch angesehen werden.“

Seidensticker erläutert, dass er sich bei dieser Definition bewusst für den Begriff „Bestrebungen“ entschieden habe, da dieser Aktivitäten umfasse, welche von „missionarischer oder erzieherischer Tätigkeit über das Engagement in politischen Parteien bis hin zu revolutionären Planen“ reichen würden. Folglich werde deutlich, dass die unterschiedlichen Ausprägungen des Islamismus in eine ähnliche Richtung gehen würden, sich allerdings auf verschiedene gesellschaftliche Teilbereiche beziehen. Ferner würden die Mittel, mit denen die jeweiligen islamistischen Strömungen, ihre Ziele erreichen möchten, stark variieren. Dies lege deutlich dar, dass islamische Werte sowie Normen „immer eine subjektive Auswahl und Interpretation aus der breiten, religiösen, kulturellen und politischen islamischen Tradition sind“. Charakteristisch für Islamismus sei, dass sich von der religiös-politischen Geschichte distanziert werde. Auch sei eine „Verabsolutierung des Islams“ für diese politische Ideologie spezifisch. Anhand dieser solle sich das gesamte staatliche Leben orientieren. Daneben komme verstärkt die Forderung nach der „Souveränität Gottes“ auf. Seidensticker erläutert, dass diese westliche Prinzipien, wie beispielsweise das der Volkssouveränität ablehne. „Menschengemachte Gesetzte“ werden entpflichtet, stattdessen werde für die Scharia plädiert, so Seidensticker.

An Ende des Vortrages weist er wie sein Vorredner Volk nochmals darauf hin, dass es sich bei der Religion des Islams um eine sehr vielfältige und facettenreiche Religion handele, deshalb bedürfen Textkorpora des Korans, einer kritischen Auslegung. Nur durch eine historisch-kritische Koranexegese könne man Islamismus schließlich (präventiv) bekämpfen.

Im Anschluss an die Vorträge erfolgte eine angeregte Diskussion, in welcher die Ursachen für die Radikalisierung nochmals zur Sprache kamen Die beiden Referenten betonen, dass hier die Opferrolle von Relevanz sei. Diese sei zu einer gravierenden Komponente des Islams geworden. Sodass vor allem schwache Integrierte und Chancenlose Zuflucht im Islamismus bzw. in islamistischen Vereinigungen suchen würden. Gerade unter dem Eindruck der vielen Muslime unter den Flüchtlingen, sei eine wirksame Integration notwendig.

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