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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Am 15. und 16. Februar 2016 veranstalteten das European Ideas Network (EIN) der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament und die Konrad-Adenauer-Stiftung ein Seminar zu aktuellen Fragen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion sowie zum Zusammenhang von Digitalisierung und künftigem Wohlstand.

Die Eurozone: Stabil oder fragil?

Die Zukunft der EWWU wurde aus der Perspektiven von drei Mitgliedsstaaten beleuchtet: Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln stellt die Frage, ob mehr Stabilität zusätzlich zu den bereits beschlossenen Reformen noch ein Mehr an finanzpolitischer Koordinierung erfordern würde? Sein Ratschlag war, die bestehenden Instrumente zunächst wirken zu lassen, bevor möglicherweise über weitergehende Schritte der fiskalischen Integration nachgedacht wird, wie sie auf europäischer Ebene bereits heute populär sind. Miguel Marin von der Stiftung für soziale Studien FAES in Madrid skizzierte die spanische Debatte, die demgegenüber klar eine weitere fiskalische Integration für notwendig hält, um die Eurozone zu vollenden und einen echten Ausgleichsmechanismus zu schaffen. Sebastian Plociennik vom Polnischen Institut für Auswärtige Angelegenheiten PISM blickte aus der Perspektive eines Nicht-Euro-Landes auf die aktuellen Entwicklungen und machte deutlich, dass aus polnischer Sicht die Frage, welche Vorteile ein Beitritt in nächster Zeit bringen würde, tendenziell unbeantwortet sei.

Deutlich wurde an den verschiedenen Perspektiven erneut, dass bereits unterschiedliche ökonomische Einschätzungen der Krisenursachen und damit der Bewältigungsstrategien bestehen, die wiederum zu sehr unterschiedlichen politischen Positionierungen selbst innerhalb derselben politischen Familie führen. Sehr deutlich wurde, dass beispielsweise aus spanischer Sicht einerseits die Strukturreformen und die damit erzielten Fortschritte anerkannt werden. Andererseits legten die politische Entwicklung und Wahlergebnisse, die im Zuge dieser Maßnahmen für die Parteien entstehen, die diese Reformen durchsetzen, den Schluss nahelegen, dass man auf Reformen verzichten sollte oder dass man bereit sein müsste, sie mit großer Flexibilität anzugehen, um auf soziale Verwerfungen im Zuge der Reformen besser reagieren zu können. Während aus Sicht der beiden Euroländer der Euro auch als politisches Projekt, das mehr als eine Währung ist, anerkannt wurde, war die polnische Sicht der Dinge, einen Beitritt grundsätzlich aus nüchternen Sicht der ökonomischen und sozialen Vorteile und Folgen zu diskutieren, ein klares Kontrastprogramm. Insgesamt belegte die Podiumsdiskussion die Notwendigkeit des gemeinsamen Austausches unterschiedlicher wirtschaftspolitischer Grundorientierungen, die gerade nicht als Schwäche oder Missverständnis, sondern als Chance und Gelegenheit voneinander zu lernen gesehen werden sollten.

Digitalisierung und Wohlstand: Disruption als Chance oder Risiko?

Im zweiten Teil des Seminars stand die Digitalisierung im Fokus. Die Frage, welche Aufgaben der Politik zufallen, um die Chancen der Digitalisierung für Wohlstand und Wachstum zu nutzen, war ein zentraler Punkt in der Diskussion. James Waterworth von CCIA führte seinen Impuls auch mit einem historischen Blick auf Technologieumbrüche vor Augen, wie schnell und tiefgreifend die Digitalisierung Wirtschaft und Gesellschaft verändert. Stephan Liening von der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages skizzierte gegenüber den europäischen Gästen, wie das Thema Digitalisierung im Deutschen Bundestag und in den Ministerien verankert ist und erläuterte Eckpunkte der Digitalen Agenda der Bundesregierung. Anhand vieler Beispiele verdeutlichte Lars Zimmermann, CEO der Hy! GmbH, die starke Dynamik und das disruptive Potential digitaler Technologien für Wirtschaft und Gesellschaft. Nur wer die Möglichkeiten der Digitalisierung erkennt und nutzt, wird auch zukünftig eine Wertschöpfung erzielen, die Wohlstand sichert und mehrt. Der leichte Zugang und der hohe Mehrwert digitaler Angebote dominieren die Nutzungsentscheidung gegenüber den Bedenken zu Datenschutz und Datensicherheit. Zimmermann sieht daher das Thema Datensicherheit als einen zentralen Zukunftsaspekt. Karim Lesina von AT&T bekräftigte die Notwendigkeit, dass die Aus- und Weiterbildung der Fachkräfte die Dynamik der Digitalisierung aufgreifen müsse, damit die berufliche Qualifikation der Mitarbeiter mit den Anforderungen vernetzten Arbeitens Schritt halten kann.

Kontakt

AbbildungMatthias Schäfer ›
Leiter des Teams Wirtschaftspolitik
Tel. +49 30 26996-3515
Matthias.Schaefer(akas.de


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