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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Jeder soll seinem Lebensentwurf folgen und sich verwirklichen können. Doch wenn alle sagen „Das ist mein Ding“, kommen wir schnell in eine Welt voller Einzelgänger. Wie bringt die Gesellschaft also die unterschiedlichen Ideen so zusammen, dass sie jedem eine gute Chance gibt? Diese Kernfrage des Jugendpolitiktages der Konrad-Adenauer-Stiftung in Dormagen formulierte der Schirmherr der Veranstaltung, Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit. Er machte den knapp 300 Schülern deutlich, dass sie eine Antwort auf diese Frage finden müssen: „Ihr lebt länger als der Gröhe, es ist eure Zukunft.“

„Die Jugend von heute, die Hoffnung von morgen, die Probleme von übermorgen“?

Gesagt, getan. In zwölf Workshops rauchten den ganzen Tag die Köpfe: Über Digitalisierung, Extremismus, Flüchtlinge und Integration, Grundgesetz, Journalismus, Werte und Wirtschaft diskutierten die Jugendlichen. Die Themen spiegelten die ganze Bandbreite der Herausforderungen wider, denen Deutschland und Europa gerade entgegenstehen. Vor allem aber: Sie sind mehr oder weniger miteinander verflochten. Das Problem dabei ist, dass die neue Unübersichtlichkeit Unsicherheiten hervorruft – und „die Bedingungen können wir nur begrenzt ändern“, so das Ratsmitglied der Stadt Oberhausen, Saadettin Tüzün. Gewisse Konflikte müsse man aushalten, es sei wichtig vorbereitet zu sein und Vertrauen zu entwickeln, so Tüzün. Aber: „Es gibt Menschen, die Chancen haben, und Menschen, die denken, dass sie keine haben“, führte Ulrich Schneekloth, Experte für Kinder- und Jugendforschung bei TNS Infratest, aus: „Zehn bis 15 Prozent der Jugendlichen blicken nicht optimistisch in die Zukunft, die dürfen wir nicht verlieren.“ Aber bringt „die Jugend von heute, die Hoffnung von morgen, die Probleme von übermorgen“, wie die Poetry Slammerin Pauline Cebullar spaßeshalber reimte?


„Anpacken ist immer besser, als sich treiben zu lassen“

Sie blicken oft in die Zukunft – und handeln: die Schüler des Dormagener Norbert-Gymnasium Knechtsteden. Nicht umsonst hat der Verein TransFair ihre Schule im Juni 2016 erneut mit dem Titel „Fairtrade-School“ ausgezeichnet. Beim Schülerwettbewerb econo=me gewann eine Schülergruppe der Sekundarstufe 1 den ersten Platz mit einem Beitrag zu „Eine Welt ohne Geld“. Und die Schüler engagieren sich sozial, beispielsweise für die Kinderhilfe Rumänien oder die Kinderkrebsklinik Düsseldorf. Dass das alles nicht selbstverständlich ist, verdeutlichte Poetry Slammer Nick Pötter, der einen literarischen Einblick in den inneren Wettstreit zwischen dem Streben nach Reichtum, Weisheit, Liebe und Gesundheit gab: Es sind die Themen der Jugendlichen, in deren Händen die Zukunft von morgen liegt. Und sie sollten immer wissen, so Pötter, dass zwischen diesen vier Geistern nie Gleichgewicht herrschen wird, auch bei ihm nicht, denn: „Ich bin Mensch!“ Ob ehrenamtlich oder politisch, Engagement ist heute wichtiger denn je. Der Schülerin Anna, die in ihrer Freizeit Flüchtlingen hilft, gibt diese Arbeit „Sachen, die man in der Schule nicht lernt.“ Mathias setzt sich politisch ein, das gibt ihm „Erfahrungen und Kontakte, die man später beruflich nutzen kann“, sagt er. Solch ein Einsatz gibt auch dem Ehrenamtskoordinator von Gummersbach, Naeem Khalaf, Hoffnung. Er habe im letzten Jahr eine „sehr große Welle der Hilfsbereitschaft im Namen der Nächstenliebe“ erfahren. Etwas bewirken zu können sei auch psychologisch zu erklären: „Anpacken ist immer besser, als sich treiben zu lassen“, ergänzte Schneekloth.

„Die Probleme unserer Zeit auf unsere Weise lösen“

Es schien fast so, als hätten die Schüler diese Aufforderung verinnerlicht. Denn die Workshop-Ergebnisse zeugten von Kreativität, von Verantwortungsbewusstsein und jugendlichem Elan. Sie produzierten eine Guerilla-Marketing-Kampagne („Integration statt Isolation“), entwarfen eigene Zeitungsartikel, produzierten ein Comic („Knallbunt auf den Punkt“), befragten Dormagener Passanten nach deren Kulturbegriff, diskutierten über die Vor- und Nachteile der Digitalisierung und überlegten sich, wie man Menschen deradikalisieren und gegen verschiedene Formen von Extremismus vorgehen kann (in einem Mix aus Polizeipräsenz, Satire und Zivilcourage). „Wir sollten die Probleme unserer Zeit auf unsere Weise lösen“, fasste Pauline Cebullar den – sichtlich erfreut über die vielfältigen Ergebnisse – den Tag zusammen. Denn er zeigte am praktischen Beispiel das, was Schneekloth noch zu Beginn analysiert hatte: Ein Markenzeichen unter Jugendlichen heutzutage sei es, tolerant zu sein und Vielfalt zu haben. Er wünschte sich daher mehr Gelassenheit: „Wir sollten den Jugendlichen die Freiheit lassen.“ Aber mit dieser kommt zugleich die Verantwortung für die Gestaltung der Zukunft, daran ließ Hermann Gröhe keine Zweifel: „Am Ende liegt es daran, was ihr daraus macht.“

Kontakt

AbbildungSimone Habig
Leiterin Regionalbüro Rheinland
Tel. +49 211 8368056-0
Simone.Habig(akas.de


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