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Arnold Stadler präsentierte seinen neuen Roman „Rauschzeit“, ein Buch, das nicht nur über die Liebe zwischen den Menschen, sondern auch von der Liebe zur Sprache erzählt. Überdies setzt es sich mit der Frage auseinander, welche Rolle Sehnsucht, Glück und Liebe im Leben der beiden Protagonisten Alain und Mausi spielen. Sie sind beide vierzig und seit 15 Jahren miteinander verheiratet. Ihrer Liebe und Ihrem Verlagen ist inzwischen Nüchternheit gewichen und jetzt beginnt laut Stadler „die vegetarische Zeit ihres Lebens.“

Der Roman führt einem vor Augen, wie schnell sich das Blatt des Lebens ändern kann. Es lässt den Leser mit der Frage zurück, wie anders vielleicht auch sein Leben hätte verlaufen können, wenn er an der ein oder anderen Stelle anders abgebogen wäre oder sich anders entschieden hätte. Stadler setzt sich intensiv mit der Identität seiner Protagonisten auseinander und taucht dabei tief in deren Lebensgeschichte ein. Überdies lässt der Autor interessante Betrachtungen über verschiedene Aspekten unserer Geschichte, Philosophie, Literatur und Musik miteinfließen und entführt den Leser an ganz unterschiedliche Orte der Welt. „Rauschzeit“ ist einerseits ein Buch über Fehler, Enttäuschungen und Schmerz, aber eben auch eine Liebeserklärung an die Sturm- und Drangzeit des Studentenlebens der 80er Jahre sowie eine Hommage an Frankreich, Freiburg und im Besonderen an Köln. Denn dort auf einer Bank, von der Alain auf der „schäl sick“ sitzend nach vorn auf Dom und Rhein sowie rückwärts auf sein Leben blickt, spielt die Handlung hauptsächlich.

„Die Liebe ist das Warten auf die Liebe.“

Im Gespräch mit dem Moderator ging der Autor darauf ein, wie es zum Titel des Romans kam und schilderte, dass das Buch nach musikalischen Prinzipien geschrieben bzw. komponiert ist. Das Leitmotiv des Buches ist für ihn die Suche nach dem Glück und die Frage nach dessen Definition. Nicht von ungefähr lautet der zentrale Satz des Buches, der an mehreren Stellen wiederholt wird und den Roman einleitet, „Was ist Glück? Nachher weiß man es.“ Weitere Kostproben aphoristisch zugespitzter Meistersätze, die Stadlers Markenzeichen sind, lauten: „Die Erinnerung ist ein Rückspiegelschmerz.“ „Die Zukunft war damals meine Sehnsucht, wie nun die Vergangenheit meine Heimat ist.“ „Die Welt war der Ort, wo uns die Zeit davonlief.“ „Die Liebe ist das Warten auf die Liebe.“ Überdies entpuppt er sich wieder als Erfinder neuer und kreativer Wortschöpfungen wie „Schneeflockengeschwindigkeit“ oder „Schwarzwaldtannenschwermut“. In einem Interview sagte Stadler einmal: „Ich glaube meine Bücher leben von Sätzen. Ich bin doch nicht als Schriftsteller auf der Welt, um irgendwelche komplexe Gedanken notdürftig schriftstellerisch zu verkleiden. Das sollen die Philosophen und Sachbuchautoren machen. Ich verstehe mich als ein solcher Schriftsteller, der auf die Suche nach den richtigen Sätzen ist. Und die müssen Poesie im Bauch haben.“ Diesem Prinzip ist er treu geblieben!

Stadler machte deutlich, dass es die Aufgabe eines guten Romans sei, die Welt in Sprache zu übersetzen. Der Roman ist für ihn die Vergegenwärtigung der Welt in all ihren Facetten. Er legte Wert auf die Feststellung, dass Romane Geschichten erzählen ohne dabei allerdings Lösungen anzubieten. Am Ende der Veranstaltung erwähnte er, dass er mit dem Roman „Rauschzeit“ sein Alterswerk eingeläutet habe, dem aber noch viele weitere Bücher folgen würden.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

Herausgeber
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.


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