zur Navigation springen
Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Veranstaltungsberichte

Zeithistorischer Workshop für Nachwuchswissenschaftler/innen

Bonn, 29.-30. März 2017

5. Apr. 2017


Am 29. und 30. März fand im Gustav-Stresemann-Institut in Bonn die erste Tagung der Hauptabteilung Wissenschaftliche Dienste/Archiv für Christlich-Demokratische Politik zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses statt. Mehr als 30 Doktoranden und Habilitanden der Geschichte und Politikwissenschaft trafen sich zum Austausch über ihre Forschungsprojekte.

Der Leiter der Hauptabteilung WD/ACDP, Professor Dr. Hanns Jürgen Küsters, begrüßte die Gäste und eröffnete die Tagung. Er bedankte sich für die unerwartet hohe Resonanz auf die Einladung zur Veranstaltung. Dies zeige den hohen Bedarf einer kontinuierlichen Nachwuchsförderung. Angesichts der weiterhin schwierigen Berufswege in der Wissenschaft sehe sich die KAS besonders in der Pflicht. Mit der Einrichtung der Habilitationsstipendien und der Etablierung des Austauschprogramms mit der London School of Economics seien schon wichtige Fortschritte erreicht worden. Die KAS werde aber versuchen, noch mehr zu tun, um insbesondere die schwierigen Übergang von der Promotion zur Post-Doc-Phase zu begleiten.

Anschließend gab Professor Dr. Sönke Neitzel (Universität Potsdam) einen Überblick über die jüngsten Entwicklungen in der Historiographie zu den Internationalen Beziehungen. Sowohl in der Politik- als auch Militärgeschichte seien seit den 1990er Jahren fruchtbare Weiterungen vorgenommen worden. Die Öffnung des Fachs für kulturwissenschaftliche Ansätze habe nichtstaatliche Akteure in den Blick genommen, die bis dato nicht oder nur unzureichend berücksichtigt worden seien. Allerdings warnte Neitzel davor, das Kind mit dem Bade auszuschütten. In einigen Arbeiten der jüngsten Zeit tauche der Staat als handelnde Instanz gar nicht mehr auf. Dadurch würden kleinere blinde Flecken früherer Forschung durch einen großen blinden Fleck ersetzt, so dass sich die Aussagekraft der Studien nicht erhöhe, sondern reduziere. Abschließend appellierte Neitzel an die Nachwuchsforscher, möglichst multiperspektivische Zugänge zu wählen und vor allem möglichst viele Staaten zu berücksichtigen.

Am nächsten Tag führte Professor Dr. Tilman Mayer (Universität Bonn) durch die aktuelle Historiographie der Ideen-, Demokratie-, Wirtschafts- und Gesellschaftsgeschichte und –politik. Er betonte den Vorteil der Politikwissenschaft, auch Prognosen für die Zukunft abgeben zu dürfen, was den Historikern versagt sei. Allerdings, so Mayer weiter, seien solide historische Kenntnisse die Voraussetzung für belastbare Prognosen. Die Geschichte liefere Fallbeispiele und Erkenntnisse, die dem Politikwissenschaftler in seiner Betrachtung der Gegenwart und möglichen Zukunft helfe. Als Beispiel führte er die deutsche Wiedervereinigung und ihre Lehren für eine mögliche Wiedervereinigung Nord- und Südkoreas an.

Darüber hinaus könnten sich beide Fächer auch methodisch befruchten. Die Historiker könnten sich stärker als bisher sozialwissenschaftlicher Instrumentarien bedienen, während die Politikwissenschaftler aus der Historisierung vergangener sozialwissenschaftlicher Forschung wichtige Erkenntnisse für ihre heute Forschung gewinnen könnten. Dies sei etwas in der historischen Untersuchung demoskopischer Befragungen sichtbar. Für die Politikwissenschaft sei der Gegensatz zwischen demokratischen und nichtdemokratischen Systemen weiterhin eine wichtige Analysekategorie, in der auch die Totalitarismusthese ihren Platz habe. Insbesondere für die Politikwissenschaftler plädierte Mayer für eine stärkere Nutzung der Expertenbefragung als Mittel zum Erkenntnisgewinn.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Präsentation der laufenden Untersuchungen der Nachwuchswissenschaftler. 19 Referate aus den beiden Fächern, die zeitlich vom 19. bis ins 21. Jahrhundert und geographisch von Europa über China und Japan bis in die USA reichten boten ein eindrucksvolles Panorama aktueller Forschung. In der Abschlussrunde betonten die Teilnehmer den hohen fachlichen Gewinn der Tagung und regten eine Verstetigung an.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

Herausgeber
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.


zum Anfang springen