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Indien will den Klimawandel mit mehr marktbasierten Instrumenten bekämpfen. Daher entwickelt die Regierung Strategien, um Projekte für erneuerbare Energien zu unterstützen. Fonds zur Mobilisierung von Finanzmitteln aus dem Privatsektor wurden eingerichtet und indische Unternehmen fördern Initiativen, die Nachhaltigkeit in ihre Kerngeschäfte integrieren sollen. Bei der Ausgabe „grüner Anleihen“ rangiert Indien mittlerweile weltweit auf dem siebten Platz. Doch es mangelt noch immer an verwertbaren Daten, insbesondere über die Auswirkungen grüner Technologien auf die Wirtschaft.

Windräder im indischen Flachland.© Nikita Podobulkin, iStockPhoto

Privatsektor-Klimafinanzierung in der indischen Debatte

Innerhalb der politischen Debatte, die in Indien stattfindet, ist die jeweilige Rolle öffentlicher und privater Gelder für die Klimafinanzierung eindeutig benannt und in die entsprechenden Domänen unterteilt und sie könnten einander ergänzen, um notwendige Maßnahmen zur Abmilderung des Klimawandels und der Anpassung an diesen in dem Land umzusetzen. Um die Gelder um einen Betrag von bis zu 2,5 Billionen US-Dollar zu steigern, was Schätzungen zufolge erforderlich ist, damit Indien seine INDC-Ziele erreicht, werden innovative Lösungen in einem großen Maßstab benötigt, die in dem Land umgesetzt werden müssten. Daher ist die Mobilisierung von Geldern des Privatsektors in Indien eine wichtige politische Entscheidung. Das Land setzt daher auf Technologie und Geschäftsmodelle, um zuverlässige Lösungen zu schaffen, mit denen Herausforderungen bei der Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels und der Anpassung an diesen bewältigt werden. Das Beispiel des Modells für die Ansammlung großer Mengen für LEDs, der Energieeffizienzmarkt im Rahmen des „Perform, Achieve and Trade“-Systems (umsetzen, erreichen und handeln; PAT) sowie Programme und Richtlinien im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien sind einige der bemerkenswerten Anstrengungen in diese Richtung. In diesem Anpassungsbereich wird jedoch weitere Unterstützung öffentlicher Gelder für die Klimafinanzierung benötigt, um die Finanzströme des Privatsektors in Anpassungsmaßnahmen umzuleiten. Während ein Teil der Debatte in Indien darin besteht, zu sehen, wie das Land einen wesentlichen und fairen Anteil der zugesagten externen (öffentlichen) Finanzierung erlangen kann, einschließlich privater Kapitalströme, besteht der andere Teil darin, zu erörtern, wie öffentliche Klimafinanzierung separat von privater Klimafinanzierung verfolgt werden kann.

Konkrete Initiativen

Die indische Regierung entwirft aktiv Strategien, um die Privatfinanzierung im Land in Bereichen zu fördern, die sowohl Milderungs- als auch Anpassungsmaßnahmen beinhalten. Eine der wichtigsten Strategien in diesem Bereich ist Indiens Umstellung von effektiver Kohlenstoffsubventionierung zu Besteuerung, die durch eine faktische Kohlenstoffsteuer auf Erdölprodukte von etwa 150 US-Dollar je Tonne umgesetzt wird; damit ist sie etwa sechs Mal höher, als vom Stern Review on Climate Change empfohlen, und zudem wird eine Sondersteuer für Kohle erhoben, deren Satz kontinuierlich erhöht wird und derzeit sechs US-Dollar je Tonne Kohle beträgt. Gemeinsam mit der öffentlichen Verpflichtung, in dem Land 175 GW an installierter erneuerbarer Leistung hinzuzufügen, wurde dem Privatsektor ein eindeutiges Signal gesendet, seine Investitionen in diesem Bereich hochzuschrauben. Es gab in dem Land einen Anstieg der Gesamtinvestitionen in den Bereich erneuerbare Energien von 23 %, womit im Jahr 2015 ein Betrag von 10,2 Mrd. US-Dollar erreicht wurde; dies konnte auf einige der oben aufgeführten Faktoren zurückgeführt werden.

Die indische Regierung hilft zudem privaten Investoren durch Projektsupport auf mehreren Ebenen in Bezug auf erzeugungsbasierte Anreize, Einspeisetarife, Steuererleichterungen, vergünstigte Zuteilung von öffentlichen Flächen, Absicherung der Kosten der Kreditaufnahme etc. Um die Finanzmittel zu erhöhen, die für erneuerbare Energien erforderlich sind, und die Teilnahme durch kleine und mittelständische Unternehmen zu erhöhen, hat die Reserve Bank of India (RBI) erneuerbare Energien als prioritären Sektor für die Kreditvergabe gekennzeichnet, womit Banken die Möglichkeit haben, bis zu 2,3 Mio. US-Dollar für Projekte erneuerbarer Energien zu vergeben und zu diesem Zweck auch Infrastrukturanleihen einzusetzen.

Die Regierung hat zudem zwei nationale Fonds eingerichtet – den National Clean Environment Fund (finanziert durch die Sondersteuer auf Kohle – Cess on Coal) und den National Adaptation Fund on Climate Change (finanziert durch Zuteilungen aus dem regulären Haushalt). Diese zwei Fonds sehen eine Mobilisierung der Privatsektorfinanzen durch Unterstützung von Projektentwicklern vor, indem Risikobürgschaften, Risikokapitalfinanzierung, Seed-Finanzierung etc. bereitgestellt werden. Zudem haben nationale Entwicklungsbanken, Geschäftsbanken und andere private Finanzinstitute eine einzigartige Rolle im Kontext der Umsetzung und Förderung von Akteuren im Privatsektor, da sie eine privilegierte Position auf ihren lokalen Märkten, fundierte Kenntnisse und langfristige Beziehungen zum lokalen Privatsektor sowie ein gutes Verständnis lokaler Investitionshürden haben.

Indien verstärkt und expandiert weiter marktbasierte Mechanismen für den Kampf gegen den Klimawandel. Derzeit gibt es zwei wichtige Mechanismen – die Zertifikate für erneuerbare Energien (RECs), bei denen Stromversorger verpflichtet sind, einen Teil ihrer Elektrizität von Herstellern erneuerbarer Energien zu beziehen, und das PAT-System, das darauf abzielt, durch einen marktbasierten Mechanismus die Energieeffizienz in Großindustrien zu verbessern. Diese haben das Potenzial, beträchtliche Beträge privater Gelder für die Sektoren erneuerbarer Energien und der Energieeffizienz zu mobilisieren. Zusätzlich sind große Unternehmen, die Nachhaltigkeit in ihr Kerngeschäft integriert haben, im grünen Index der Bombay Stock Exchange, dem GREENEX, aufgeführt, der im Jahr 2012 eingeführt wurde und 25 der größten Unternehmen Indiens umfasst.

Des Weiteren wird das Unternehmensgesetz 2013 (Companies Act 2013), das Unternehmen, deren Gewinne ein gewisses Maß erreichen, dazu verpflichtet, 2 % ihres Jahresgewinns für Corporate Social Responsibility-Aktivitäten (CSR) auszugeben, ebenfalls von Unternehmen für Klimaschutz und Initiativen für erneuerbare Energien eingesetzt. Schätzungen deuten an, dass ein fairer Anteil der verfügbaren CSR-Mittel von etwa 3,5 Mrd. US-Dollar pro Jahr in Umweltinitiativen investiert wird. Indische Unternehmen beginnen, anspruchsvolle Initiativen einzuleiten, um Nachhaltigkeit in ihr Kerngeschäft aufzunehmen; dies geschieht in Form von unterschiedlichen Maßnahmen, wie zum Beispiel die Festlegung interner Kohlenstoffpreise, Verpflichtungen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen, Umstieg auf saubere Produktionsmethoden etc. Gemäß dem Carbon Disclosure Project (CDP) haben im Jahr 2016 44 indische Unternehmen einen internen Kohlenstoffpreis verwendet oder dies innerhalb der nächsten zwei Jahre geplant, was gegenüber 2015 eine Zunahme von 63 % darstellt.

Erfahrungen und Hürden

Indien ist nun weltweit auf Platz 7 bei der Ausstellung gekennzeichneter grüner Anleihen im Volumen von 2,7 Mrd. US-Dollar und nicht gekennzeichneten klimabezogenen Anleihen von etwa 15,7 Mrd. US-Dollar. Im Jahr 2016 haben zahlreiche private Finanzinstitute, nationale und private Banken, öffentliche Finanzgesellschaften und Behörden aus den Bereichen Energie und Infrastruktur erfolgreich großvolumige grüne Anleihen ausgegeben. Am bemerkenswertesten ist die Ausgabe einer grünen Anleihe der National Thermal Power Corporation (NTPC) im Wert von 300 Mio. US-Dollar, um weitere Wind- und Solarenergieprojekte zu ihrem Portfolio hinzuzufügen. Das ist ein wichtiges Beispiel für die Nutzung von fossilen Brennstoffbilanzen, die verwendet werden, um private Finanzmittel für den Klimaschutz aufzutreiben. Bei der COP21 war viel Bewegung bei den Großinvestoren und Privatbanken Indiens festzustellen, die spezifische Versicherungen für die Kreditvergabe, Investition und Beschaffung von Kapital für erneuerbare Energien und Energieeffizienz forderten, mit einigen beachtlichen Vereinbarungen und Zusicherungen, die im Jahr 2016 vorgenommen wurden. Zum Beispiel haben IDFC Alternatives und Ostro Energy große Geschäfte zum Kauf erneuerbarer Energieprojekte abgeschlossen, während ein Joint Venture zwischen der SoftBank, Bharti Enterprises Ltd. und der Foxconn Technology Group aus Taiwan Pläne zur Investition von 20 Mrd. US-Dollar in den indischen Solarstromsektor angekündigt hat.

Während Indien in Bezug auf die Zweckmäßigkeit seiner Politik, Konsistenz und Vorhersehbarkeit seiner kohlenstoffarmen Energieinfrastruktur relativ stabil ist, wird für die Anpassungsfinanzierung ein stärkerer Fokus von privaten Akteuren verlangt. Während die indische Regierung durch ihre Haushaltszuweisung von über 50 Mio. US-Dollar für den National Adaptation Fund zum Klimawandel für die Geschäftsjahre 2015-16 und 2016-17 einen guten Anfang gemacht hat, wird konservativen Schätzungen zufolge ein Betrag von etwa 1,8 % des indischen BIP für Anpassungsmaßnahmen bis zum Jahr 2050 benötigt. Sowohl öffentliche als auch private Gelder wären von essentieller Bedeutung, um in diesem Bereich wesentliche Fortschritte zu erzielen.

Während der angestrebte national festgelegte Beitrag Indiens (Intended Nationally Determined Contributions (INDC)) an sich ein gewaltiges Marktsignal an Technologieentwickler darstellt, ernsthaft in saubere Technologien in Indien zu investieren, besteht eine große Unsicherheit bezüglich der Verfügbarkeit von Geldern für die Forschung und Entwicklung (R&D) und den potenziellen Puffer gegen Investitionsfehlschläge. Vor diesem Hintergrund wird die Senkung der Risiken von Klimaprojekten zu einer elementaren Notwendigkeit für die Branche. Die Initiative der Regierung, „Make in India“, kann ebenfalls als Gelegenheit angesehen werden, der Klimaschutzbranche Aufwind zu verleihen. Obwohl der Finanzsektor und Finanzvermittler nun begonnen haben, sich auf den erneuerbaren Sektor zu fokussieren, da der politische Wille gegeben ist und das Bewusstsein gestärkt wurde, fehlen ihnen nach wie vor das Verständnis und die Fähigkeit, saubere Technologien und Energieeffizienzprojekte zu analysieren, was zu einer mangelnden Verfügbarkeit von Geldmitteln für diese Branchen führt. Das liegt an einem Mangel an fundierten Daten, die spezifisch der Wirkungsanalyse von grünen Technologien und Projekten dienen. Außerdem fehlt es aufgrund einer mangelhaften Verfügbarkeit öffentlicher Finanzströme in Entwicklungsländer im Rahmen des UNFCCC-Finanzmechanismus an Vorhersehbarkeit bezüglich verfügbarer Finanzen, um den Privatsektor innerhalb des Landes über Milderungsmaßnahmen hinaus einzusetzen.

Die G20 als Rahmen zur Förderung der Klimafinanzierung durch den Privatsektor

Die G20 werden als potenziell starker Motor für die Schaffung von Rahmenwerken und gemeinsamen Verpflichtungen zur Klimafinanzierung sowie zur Gründung internationaler Partnerschaften angesehen. Die Schwerpunktlegung der G20 auf unterschiedliche Sektoren und Themen, insbesondere in Bezug auf Unternehmen und weltweiten Handel, sorgen dafür, dass diese Plattform einzigartig positioniert ist, um in der Lage zu sein, die private Klimafinanzierung zu verstehen und zu fördern, sowohl aus der Perspektive der weltweiten Nachhaltigkeitsentwicklung als auch von privaten Branchen und Unternehmen. Obwohl der Privatsektor sich zunehmend der Tatsache bewusst ist, dass die negativen Auswirkungen des Klimawandels gemildert werden müssen, besteht ein erkennbarer Bedarf nach Richtlinien und Rahmenwerken, mit denen Klimaprojekte sicherer gestaltet werden und der Privatsektor Gelegenheit erhält, daran teilzunehmen. Mit der Dynamik, die seit dem Jahr 2016 durch die G20-Arbeitsgruppe “Green Finance“ erzielt wurde, darunter die Förderung der Fortschritte zu Finanzinstrumenten innerhalb der einzelnen Länder, ist Indien offen und sieht große Chancen darin, durch dieses Forum erfolgreiche Rahmenwerke für die Förderung der privaten Klimafinanzierung im Land zu besprechen und zu erörtern.

Über den Autor: Dr. Prodipto Gosh ist Wissenschaftler am The Energy and Resource Institute, Neu-Delhi.

Weiterführende Literatur


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