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„Die Kriege der Zukunft werden um Wasser geführt“, warnte der spätere VN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali schon vor gut 30 Jahren. Seine Vorhersage hat sich bisher zwar nicht bewahrheitet. Der Blick auf die verschiedenen Weltregionen zeigt jedoch, dass die knapper werdende Ressource Wasser im Zentrum vieler Konflikte steht – oder diese zumindest erheblich verschärft.

Kadetten einer Marineschule bei einer Parade in Manila 2007.© Darren Whiteside, Reuters

Liebe Leserinnen und Leser,

„die Kriege der Zukunft werden um Wasser geführt“, warnte der spätere VN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali schon vor gut 30 Jahren. Seine Vorhersage hat sich bisher zwar nicht bewahrheitet. Der Blick auf die verschiedenen Weltregionen zeigt jedoch, dass die knapper werdende Ressource Wasser im Zentrum vieler Konflikte steht – oder diese zumindest erheblich verschärft.

Dies gilt insbesondere für den Nahen Osten, eine der wasserärmsten und zugleich instabilsten Regionen der Welt. Geradezu dramatisch ist die Lage im Gazastreifen, aber auch im Westjordanland sorgen ungeklärte Wasserfragen für Konflikte zwischen Israelis und Palästinensern, wie Marc Frings und Johannes Lutz in ihrem Beitrag zu dieser Ausgabe darlegen. Die erst kürzlich erfolgte Wiederbelebung des gemeinsamen israelisch-palästinensischen Wasserkomitees beweist zwar, dass beide Parteien zu pragmatischen Schritten bereit sind. Dennoch besteht die Gefahr, dass die Region weiter destabilisiert wird, sollte keine für beide Seiten akzeptable Lösung in der Wasserfrage gefunden werden.

Auch auf dem afrikanischen Kontinent könnten die Konflikte zunehmen, wenn die auch hier außerordentlich knappe Ressource Wasser weiterhin nicht nachhaltig genutzt wird. Welche Katastrophe überregionalen Ausmaßes an Afrikas größtem Süßwassersee drohen könnte, verdeutlicht Daniel El-Noshokaty in seinem Beitrag. Der Viktoriasee bildet die Lebensgrundlage für über 30 Millionen Menschen, doch Wasserverschmutzung und Ressourcenausbeutung sowie das dramatische Bevölkerungswachstum in der Region setzen das Ökosystem des Sees massiv unter Druck. Nur wenn die betroffenen Staaten ihre nationalen Anstrengungen deutlich verstärken und zugleich enger zusammenarbeiten, kann die Gefahr eines akuten Wassermangels wirksam bekämpft werden.

Im Gegensatz zu Afrika gehört Lateinamerika zwar zu den wasserreichsten Regionen der Welt. Allerdings ist die Ressource hier extrem ungleich verteilt und die Wasserversorgung damit vor allem ein Verteilungsproblem. Im Ringen um Lösungen geht es deshalb im Kern um die ordnungspolitische Frage, ob ein öffentlicher oder ein privater Träger besser geeignet ist, eine sichere und gerechte Trinkwasserversorgung zu gewährleisten, wie Gunter Rieck Moncayo und Maximilian Wichert in ihrem Beitrag eruieren. Im Ergebnis zeigen die Autoren, dass der entsprechende institutionelle Rahmen und eine Regulierung mit Augenmaß entscheidend sind, wenn es um eine funktionierende Wasserpolitik geht, und weniger die Frage, ob ein privater oder staatlicher Versorger tätig wird.

Gänzlich anderer Art sind die Herausforderungen in Südostasien, wo Wasser zu einem zentralen Sicherheitsthema geworden ist. Im Zentrum zahlreicher Konflikte steht das machtbewusste Auftreten Chinas, wie Rabea Brauer und Frederick Kliem am Beispiel des Mekong verdeutlichen. Durch den Bau zahlreicher Staudämme im Oberlauf des Flusses hat China die Möglichkeit, den flussabwärts gelegenen Staaten „das Wasser abzudrehen“. Vor diesem Hintergrund ist es umso wichtiger, so die Autoren, dass die Anrainer, einschließlich Chinas, zu einer regelbasierten Zusammenarbeit in Wasserfragen gelangen.

In der Gesamtschau verdeutlichen die Beiträge zum Schwerpunktthema dieser Ausgabe, welches enorme Konfliktpotenzial die rare und lebenswichtige Ressource Wasser birgt. Andererseits eröffnen grenzüberschreitende Wasservorkommen zahlreiche Möglichkeiten der Kooperation. Diese gilt es konsequent auszubauen, nicht zuletzt um zu verhindern, dass die Kriege der Zukunft um Wasser geführt werden.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre.

Ihr Dr. Gerhard Wahlers

Dr. Gerhard Wahlers ist Herausgeber der Auslandsinformationen (Ai), stellvertretender Generalsekretär und Leiter der Hauptabteilung Europäische und Internationale Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung (gerhard.wahlers@kas.de).

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