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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

100 Jahre nach der Wahl Konrad Adenauers zum Kölner Oberbürgermeister erinnerte der Kommunalkongress an den Namensgeber der Stiftung. Bereits während seiner Amtszeit setzte Adenauer zahlreiche städtebauliche Visionen um, die bis heute vorbildhaft für eine „Stadt der Zukunft“ sind. Unter diesem Motto diskutierten 250 Gäste, darunter Bundes- und Kommunalpolitiker sowie Wissenschaftler, auf Einladung der KommunalAkademie über Erfolge und Herausforderungen in den Räumen am Köln-Bonner Flughafen. Mit einer Exkursion und einem Empfang im Historischen Kölner Rathaus klang der zweitägige Kongress aus.

Wer mit dem Fahrrad durch Köln und Umgebung fährt, radelt an zahlreichen Stadtentwicklungen vorbei, die Adenauer initiiert hat: dem Grüngürtel, dem Müngersdorfer Stadion, der Universität Köln, der Stahlseilkonstruktion der grün gestrichenen Mülheimer Brücke, der Messe auf dem Deutzer Gelände, dem Niehler Hafen, den Ford-Werken sowie am früheren Flughafen Butzweiler Hof, der zu einem internationalen Knotenpunkt wurde. Damals konnten Bauprojekte schnell umgesetzt werden; es war eine andere Zeit. Heute verlaufen Großprojekte wie die Sanierung der Kölner Oper oder der Leverkusener Brücke über einen viel längeren Zeitraum. Mit Adenauers Amtsantritt im November 1917 zielte seine Kommunalpolitik darauf, Köln zu modernisieren und die Region zu einem florierenden Wirtschaftsstandort voran zu bringen. „Beschäftigung, Infrastruktur, kulturelle Modernisierung und Siedlungsbau sowie viele andere Themen bewegen uns damals wie heute“, sagte Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln. Veränderungen müssten genutzt werden, um die Gesellschaft zu gestalten, betonte sie. Damit Köln fit für die Zukunft wird, strebe sie eine Reform der Verwaltung sowie das "Projekt 2030" an. Zudem brächten Leuchtturm-Projekte wie der Deutzer Hafen, der Mülheimer Süden und die Parkstadt Süd Chancen für wirtschaftlichen Wandel und ließen urbane Quartiere entstehen.

Zusammenleben in Nordrhein-Westfalen

Mit der Adenauer-Woche soll nicht nur an die Vergangenheit erinnert werden, sondern mit ihm ein Blick in die Zukunft gewagt werden. Zum Wandel einer Stadt gehört auch ein sich wandelnder Begriff von Heimat. Mit der neuen Regierungskoalition in Nordrhein-Westfalen (NRW) wurde ein "Heimatministerium" auf den Weg gebracht. „Wir wollen Traditionen bewahren und Heimat für die junge Generation erlebbar und greifbar machen“, sagte Ina Scharrenbach. Die Ministerin für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung warnte davor, den Begriff nostalgisch zu verklären. „Heimat ist nicht exklusiv für eine bestimmte Gruppe, die schon immer da war.“ Die Herkunft und Geschichte eines jeden einzelnen Menschen müssten alle wertschätzen, forderte sie. Eng verwoben mit dem Begriff sei auch der Städtebau. Menschen engagierten sich für ihre Städte, wenn sie sehen, dass ihre Kommunen sie unterstützen und handlungsfähig seien. „Ohne Vertreter der Kommunalpolitik ist Demokratie nicht möglich." Sie relativierte die Kritik des Deutschen Städte- und Gemeindebundes zurück, Politik müsse transparenter werden. Es gebe zahlreiche Ausschüsse und Sitzungen, deren Protokolle einsehbar seien und die der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt würden. „Kommunalpolitiker machen Politik für die Bürger vor Ort und setzen sich für sie ein“, betonte Scharrenbach.

Kongressstadt Bonn

Die Wirkungsorte Adenauers am Rhein sind auch optisch miteinander verbunden. Rote Stahl-Stehlen des Künstlers Lutz Fritsch an den Verteilerkreuzen in Köln und Bonn an der Autobahn 555 verbinden seit 2008 die Region künstlerisch. Kunst und Kultur spielt in Bonn eine große Rolle. Neben dem alljährlichen Beethovenfest zeugen zahlreiche Museen wie zum Beispiel das Schumannhaus von historischen Bewohnern der Stadt. „Heute ist Bonn eine Stadt mit rheinisches Herzschlag und internationalem Flair“, erklärte der Bonner Oberbürgermeister, Ashok Alexander Sridharan. Bonn profitiere von der Ansiedlung der Vereinten Nationen und diverser Dax-Konzerne. „Bonn ist in den vergangenen 20 Jahren zu einem Kompetenzzentrum für globale Themen geworden“, sagte Sridharan. Im November findet unter anderem in der Kongressstadt die 23. UN-Klimakonferenz statt.

Bad Münstereifel erhält Auszeichnung "Integrative Stadt 2017"

Wie eine Stadt sich wandeln kann, ohne dabei ihren Kern zu verlieren, zeigt das Beispiel Bad Münstereifel. In der Innenstadt wurde ein City-Outlet errichtet, das 250 Arbeitsplätze schuf und jährlich 2,5 Millionen Besucher unter anderem auch aus den Nachbarländern Belgien und Niederlande anlockt. „Das funktioniert nur mit bürgerschaftlichem Engagement und einem WIR-Gefühl“, erklärte Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian. Für das Erfolgsmodell erhielt sie stellvertretend für die Stadt Bad Münstereifel die Auszeichnung „Integrative Stadt 2017“ der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Facetten der Kommune der Zukunft

Megatrends wie der demografische Wandel, Landflucht oder die Digitalisierung stellen Städte vor große Herausforderungen. In einer Expertendiskussion gingen die Wissenschaftler und Politiker auf Facetten der Kommune der Zukunft ein. Damit sie auf die verschiedenen Herausforderungen angemessen reagieren kann, ist die Kommunalpolitik gefragt. Im Wechselspiel zwischen Bund und Länder muss geklärt werden, wer die Finanzmittel für den Strukturwandel der Städte und Regionen aufwendet. Infrastruktur oder das Verkehrswesen bezeichnet Prof. Dr. Volker Kronenberg als harte Faktoren. „Aber die harten und weichen Faktoren müssen sich ergänzen“, so der Akademische Direktor des Instituts für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn. Eine lebenswerte Region, ehrenamtliches Engagement und Heimat seien ebenfalls zentrale Elemente. Mit der Institutionalisierung von Wissen in Form von Universitäten in Köln und Bonn wurde ein großer Arbeitgeber geschaffen, der mit der Gesellschaft und der Kommune symbiotisch verwebt sei.

Für ehrenamtliches Engagement steht auch Tugba Tekkal. Die Fußballspielerin des 1. FC Köln engagiert sich als Leiterin des Projekts „Scoring Girls“, das sozialbenachteiligten und geflüchteten Kindern hilft, eine Heimat zu finden. „Eine Kommune der Zukunft ist gelebte Integration, indem man auf andere Menschen zugeht“, erläuterte Tekkal. Sie selbst ist in Deutschland geboren und hat kurdische Wurzeln. Dieser Background half ihr zwar im Umgang mit den Familien ihrer Vereinskinder, aber sie sei auch an Grenzen gestoßen. Dennoch gab es viele Erfolgsmomente, die sie im Herzen berührten.

Bezahlbarer Wohnraum und Fahrradschnellwege

Insbesondere junge Menschen werden von den Großstädten angezogen. Darauf müsse der Städtebau eine Antwort finden, so Oliver Wittke, Mitglied des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages. Es bedürfe mehr Single- und altersgerechte Wohnungen, da der demografische Wandel sich weiter verschärfen werde. Wittke hält es für skandalös, dass neugebauter Wohnraum immer noch nicht in allen Fällen barrierefrei gebaut werde, wobei dies doch günstiger sei als reguläre Bauten. „Wir müssen Sorge tragen, dass Wohnraum bezahlbar bleibt“, forderte er. Darüber hinaus setzt er sich als Mitglied des Verkehrsausschusses des Deutschen Bundestages für neue mobile Alternativen im Verkehrswesen ein. Als Leuchtturmprojekt nannte er Radschnellwege im Ruhrgebiet und verwies darauf, dass Carsharing und ein einheitliches Ticketsystem im öffentlichen Nahverkehr weitere Modelle sind, die ausgebaut werden müssten. „Das Fahrrad wird in der Zukunft ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel neben dem Auto sein und nicht mehr nur ein Sportgerät.“

Menetekel Leverkusener Rheinbrücke

Hört man die Verkehrsmeldungen im Radio, wird schnell klar, dass es täglich im Raum Köln-Bonn zu Staus und Behinderungen kommt. „Die Leverkusener Rheinbrücke ist der Menetekel für die Verkehrsdichte“, warnte Roters. Im Zwiegespräch diskutierten die beiden ehemaligen Kölner Regierungspräsidenten Hans Peter Lindlar und Jürgen Roters über den wunden Punkt der regionalen Mobilität. Roters räumte ein Versäumnis in der Vergangenheit ein, die Infrastruktur nicht gewartet zu haben. Eine Vielzahl der Brücken in NRW müssten nun saniert werden. Damit verbunden seien zahlreiche LKW-Unfälle auf der Strecke, die aber mit einem cleveren Bremskontrollsystem größtenteils vermieden werden könnten, schlug Lindlar vor. Der Zulieferverkehr sei in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, da sich das Kaufverhalten ins Internet verlagert habe. „Wir müssen auf umweltfreundliche und intelligente Logistik setzen“, sagte Lindlar, damit die Innenstädte nicht blockiert werden. Im Zusammenhang mit Wohnraumschaffung bemerkt Roters eine „Renaissance der Städte“. Lindlar, der auch Mitglied des Günter Rinsche-Kreises der Stiftung ist, sprach sich für den Schutz der Freiräume und Naherholungsgebiete im städtischen Umland aus. „Diese Freiräume müssen wir schützen.“ Eine bessere Verzahnung zwischen Stadt und Land über den öffentlichen Nahverkehr seien Zukunftsaufgaben der Kommunen. Beide Politiker zeigten sich zuversichtlich, dass Köln auf dem richtigen Weg zu einer Zukunftsmetropole sei. „Der Kölner ist selbstverliebt und heimatbesoffen, aber et hätt noch immer jot jejange“, sagte Lindlar.

Gelebte deutsch-französische Freundschaft

Die Aussöhnung mit Frankreich, das über Jahrhunderte in Erbfeindschaft mit Deutschland lebte und im Zweite Weltkrieg gipfelte, war das ganz besondere Anliegen von Konrad Adenauer. Diese Bemühungen, die 1963 in einem deutsch-französischen Freundschaftsvertrag mündeten, durchziehen bis heute die politische Arbeit der Stiftung. Daher war es selbstverständlich, dass eine hochrangige französische Delegation aus der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes zu Gast des Kongresses war. Gérard Dériot, Senator des Départements Allier, lobte die freundschaftliche Verständigung und Zusammenarbeit beider Länder insbesondere auf kommunaler Ebene. Ähnlich wie in Deutschland machen sich populistische Strömungen und Wahlverweigerung breit. Eurokrise, Flüchtlingsströme und Brexit treiben die Menschen sowohl auf dem Land als auch in der Stadt um. Deriot forderte eine engere Kooperation der EU-Staaten und insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich. „Gemeinsam können wir Lösungen finden“, ist er überzeugt.

Der Kommunalkogress hat zur länderübergreifenden Verständigung, aber auch zur Wertschätzung der Leistungen Konrad Adenauers beigetragen, der 1922 sagte: „Kein Mensch kann die Zukunft sehen. Aber ich stehe auf dem Standpunkt, lieber einmal etwas zu viel getan als eine Gelegenheit versäumt. Denn die versäumte Gelegenheit kommt nie wieder. Das ist ein Schaden, der nicht ausgemerzt werden kann.“


Den Kommunalkongress im Konferenzzentrum des Flughafens Köln/Bonn flankierten themenbezogene Aussteller aus der Region:
Neben der KommunalAkademie der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Adenauer Campus stellten sich vor:

Kulinarische Spuren Adenauers präsentierte das Café Profittlich, das ein „Notbrot“ zur Verkostung anbot, dessen Rezeptur Konrad Adenauer in der Hungersnot nach dem Ersten Weltkrieg als Erster Beigeordneter der Stadt Köln erfand. Wir danken allen Ausstellern für ihren engagierten Beitrag zum Gelingen unseres Kongresses.

Über diese Reihe

Die Konrad-Adenauer-Stiftung, ihre Bildungsforen und Auslandsbüros bieten jährlich mehrere tausend Veranstaltungen zu wechselnden Themen an. Über ausgewählte Konferenzen, Events, Symposien etc. berichten wir aktuell und exklusiv für Sie unter www.kas.de. Hier finden Sie neben einer inhaltlichen Zusammenfassung auch Zusatzmaterialien wie Bilder, Redemanuskripte, Videos oder Audiomitschnitte.

Herausgeber
Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.


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