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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Am 19. Oktober 2017 veranstaltete die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) den Demokratiekongress „Demokratie und umzu“ für Schülerinnen und Schüler in Bremen. 150 interessierte Jugendliche aus acht Bremer Schulen nahmen am Kongress teil.

Nach der Begrüßung durch die Moderatorin Angela Elis führte Ralf Altenhof in die Thematik ein. „Angesichts des Wahlerfolges der AfD bei den Bundestagswahlen, ja dem Erstarken beider Ränder linksaußen und rechtsaußen erscheint die Auseinandersetzung mit Grundfragen der Demokratie wichtiger denn je“, erklärte der Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen und verdeutlichte, unter welchem Druck unser demokratisches System steht. „Die Demokratie ist immer gefährdet“, sagt Altenhof, „wir dürfen sie nicht für selbstverständlich halten.“ Zudem verwies er auf das wohl berühmteste Zitat Winston Churchills, Premierminister Großbritanniens 1940 bis 1945 und 1951 bis 1955: „Die Demokratie ist die schlechteste aller Staatsformen, ausgenommen alle anderen.“

Es folgte ein Gespräch mit Theresa Hein, Finalistin von „Germany´s Next Bundeskanzler/in“, einem Wettbewerb des Verbandes „Die Jungen Unternehmer“, bei dem die Stimme der jungen Generation gesucht wurde. Sie erklärte den Schülerinnen und Schülern, wie der Wettbewerb ablief und welche Aufgaben sie zu bewältigen hatte. „Mehr Werte, weniger Konformität“, nannte Hein als zentrale Aspekte ihrer Vision für die deutsche Politik. Auch seien Transparenz und Vertrauen unerlässlich für eine zukunftsorientierte und stabile Politik. Sie betonte besonders die Bedeutung des politischen Nachwuchses: „Deutschland braucht junge, unverbrauchte Ideen.“ Auf die Frage der Moderatorin, was ihre Motivation für die Teilnahme an dem Wettbewerb „Germany´s Next Bundeskanzler/in“ gewesen sei, erklärte Theresa Hein: „Ich habe den Wettbewerb als Chance gesehen, aus den politischen Stereotypen auszubrechen.“ In der nachfolgenden Diskussion stellten die Jugendlichen angeregt Fragen.

Die Schülerinnen und Schüler konnten sich mit dem Leitthema „Demokratie und umzu“ intensiv in den vier anschließenden Workshops beschäftigen: „Populismus als Korrektiv der Demokratie?“ mit Prof. Dr. Thorsten Müller (Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung Nordrhein-Westfalen), „Extremismus als Feind der Demokratie?“ mit Dr. Rudolf van Hüllen (Politikwissenschaftler und Dozent), „Soziale Medien als Jungbrunnen der Demokratie?“ mit Prof. Dr. Marianne Kneuer (Universität Hildesheim), und „Direkte Demokratie als Ersatz der repräsentativen Demokratie?“ mit Prof. Dr. Barbara Zehnpfennig (Universität Passau). Hier erarbeiteten die Jugendlichen in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Workshopleiter eine Präsentation für alle Teilnehmer, die im Anschluss an die Workshopphase im Plenum vorgestellt wurde. Dabei zeigten sich die Schülerinnen und Schüler sehr engagiert.

Gemeinsam mit Barbara Zehnpfennig wogen die Jugendlichen im Workshop „Direkte Demokratie als Ersatz der repräsentativen Demokratie?“ Argumente für und gegen ein direktdemokratisches System gegeneinander ab. So stellten sie heraus, dass direktdemokratische Elemente für mehr Nähe zwischen Bürger und Politik sorgen können. Auch könne so der Politikverdrossenheit entgegengewirkt werden. Allerdings sei die direkte Demokratie besonders anfällig für eine Beeinflussung durch aktuelle Stimmungslagen und Proteststimmen. Die Teilnehmer plädierten eher dafür, die repräsentative Demokratie mit direktdemokratischen Elementen zu ergänzen. Letztere sollten erstere aber nicht ersetzen.

Die Schülerinnen und Schüler des Workshops „Soziale Medien als Jungbrunnen der Demokratie?“ untersuchten unter anderem Online-Partizipationsmöglichkeiten hinsichtlich der Fragen „Wer beteiligt sich im Netz?“ und „Welche Partizipationsformen gibt es?“. Mit Blick auf den Bundestagswahlkampf 2017 sowie den US-Wahlkampf 2016 verdeutlichten sie Chancen, die soziale Medien für die Demokratie bieten, und ebenso welches Gefahrenpotenzial in Facebook, Twitter und Co steckt. Marianne Kneuer machte ihre Workshopteilnehmer darauf aufmerksam, dass sie die „informationsprivilegierte Generation“ seien. Niemals zuvor standen Informationen in vergleichbarer Menge und Breite zur Verfügung. Dennoch wären gerade diese „Superprivilegierten“ zu wenig informiert, so Kneuer.

Thorsten Müller erklärte im Workshop „Populismus als Korrektiv?“ den Schülerinnen und Schülern zuerst, dass Populismus nicht gleichbedeutend mit Extremismus ist, es jedoch sein kann. Populismus übertreibt, dramatisiert, überspritzt und ist voller Emotionen. Populisten zeigen sich volksnah und versuchen „Dinge auf den Punkt zu bringen“. Die Jugendlichen zeigten in ihrer Präsentation, dass sich auch die Volksparteien CDU und SPD sowie Parteien wie die FDP und Bündnis 90/Die Grünen insbesondere auf Wahlplakaten und in ihren Reden populistischer Mittel bedienen.

Mit Rudolf van Hüllen stellten die Schülerinnen und Schüler des Workshops „Extremismus als Feind der Demokratie?“ Linksextremismus, Rechtsextremismus und Islamismus gegenüber. Mit Songtexten aus der jeweiligen Szene wurden Merkmale der unterschiedlichen Formen sowie Gemeinsamkeiten analysiert. „Wir sind geschockt, wie diese Leute vorgehen“, sagten die Jugendlichen im Plenum. Zudem sei ihnen die Radikalität und Brutalität der drei untersuchten Extremismusformen noch nie so bewusst gewesen. „Der Mensch wird als Instrument für ihre politischen Ziele missbraucht“, so van Hüllen, „Extremisten nutzen geschickte und unauffällige Fangtechniken“.

Dr. Ludger Gruber, stellvertretender Hauptabteilungsleiter Politische Bildung der KAS, lobte in seinem Schlusswort die Jugendlichen für Ihr Engagement während der Arbeit in den Workshops und den angeregten Debatten. Auch an die vier Workshopleiter richtete er seinen Dank. Abschließend ermahnte er die Schülerinnen und Schüler dazu, sich ihrer politischen Macht bewusst zu werden: „Nutzen Sie Ihre Partizipationsmacht.“ Er betonte die Notwendigkeit eines respektvollen Umgangs innerhalb der politischen Debatte und besonders mit unterschiedlichen politischen Meinungen: „Eine politische Meinung ist nie neutral. Sie hat immer einen Wert.“

Am Demokratiekongress der Konrad-Adenauer-Stiftung nahmen die folgenden Schulen teil: St.-Johannis-Schule, Schulzentrum Grenzstraße, Wilhelm-Kaisen-Oberschule, Oberschule am Park, Oberschule Ronzelenstraße, Ökumenisches Gymnasium, Oberschule Lerchenstraße, Albert-Einstein-Schule.

Kontakt

AbbildungDr. Ralf Altenhof ›
Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen
Tel. +49 421 163009-0
ralf.altenhof(akas.de


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