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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Am 04. Dezember 2017 präsentierte die Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) „Das Politische Quartett“ im Foyer des Theaters Bremen. Basierend auf der Literatursendung des Zweiten Deutschen Fernsehens „Das Literarische Quartett“ wurden vier politische Neuerscheinungen der letzten zwölf Monate kontrovers besprochen. Robert Bücking (Bündnis 90/Die Grünen), MdBB, Elisabeth Motschmann (CDU), MdB, Prof. Dr. Eva Quante-Brandt (SPD), Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Verbraucherschutz in Bremen, und Ralf Altenhof, Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen, bildeten „Das Politische Quartett“.

Mit einem eigens für diese Veranstaltung gedrehten Intro im Stile des „Literarischen Quartetts“ wurde in den Abend eingeführt. Dieses zeigte zu Beethovens Streichquartett Nr. 9 C-Dur op. 59,3 (Rasumowsky-Quartett op. 59 Nr. 3) zentrale Symbole der Stadt Bremen, wie unter anderem den St. Petri Dom, das Rathaus, die Bremische Bürgerschaft und die Bremer Stadtmusikanten. Der Film endete mit dem charakteristischen Zoom auf den Veranstaltungsort, in diesem Falle das Theater Bremen.

Auf die unterschiedliche Parteimitgliedschaft der Diskutanten hinweisend, benannte Ralf Altenhof die „Liebe zu Büchern“ und das Bedürfnis, über das Gelesene zu diskutieren, als das verbindende Element zwischen den Rezensenten. „Die kontroverse Betrachtung“ sei Ziel des Abends und „ein Schuss Polemik angebracht und durchaus erwünscht“.

Eva Quante-Brandt stellte die neuerschienene Briefsammlung des 1960 verstorbenen deutschen Romanisten Victor Klemperer vor. In „Warum sollen wir nicht auf bessere Zeiten hoffen. Ein Leben in Briefen“, publiziert im Aufbau Verlag, wurden Klemperers Briefe ab 1909 erstmals abgedruckt und veröffentlicht. Die Briefe gäben einen „interessanten Blick jenseits der Tagebücher“, erklärte die Senatorin und bezeichnete sie als „imposantes Zeugnis seines Lebens“. Besonders bedrückend für sie sei die Verdeutlichung der gesellschaftlichen Isolation Klemperers und seiner Frau im Dritten Reich gewesen. Ebenso sein ständiger „Kampf um Anerkennung“ habe sie berührt, so Quante-Brandt. Ralf Altenhof warf mit Verweis auf Klemperers politisches Wirken in der DDR ein, dieser sei eine zwiespältige Gestalt gewesen – Opfer des Dritten Reiches und Verharmloser der SED-Diktatur. Beides sei zur Kenntnis zu nehmen, man dürfe die Vergangenheit des Romanisten nicht verklären. „Er war überzeugt, nur durch Überwindung der Herrschaft des Kapitals kann verhindert werden, dass Faschismus wieder stattfinden kann“, konstatierte Robert Bücking. „Die Stärke des Buches“, resümierte Elisabeth Motschmann, „ist die innere Befindlichkeit Klemperers“. Alle vier Diskutanten einte jedoch die Überzeugung, dass die Briefsammlung Klemperers nicht mit der Qualität seiner Tagebücher vergleichbar sei und die Veröffentlichung lediglich auf die Hoffnung des Verlages, an den Erfolg der Tagebücher anknüpfen zu können, zurückzuführen wäre.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Motschmann beschäftigte sich mit „Die blinden Flecken der RAF“, erschienen im Klett-Cotta Verlag, von Wolfgang Kraushaar, Politikwissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialforschung. Sie selbst habe die Zeit der Roten Armee Fraktion (RAF) politisch miterlebt und das Buch hätte einige Erinnerungen wieder zu Tage befördert. „Inwieweit kann der RAF-Terror mit dem aktuellen islamischen Terror verglichen werden“ sei nur eine der Fragen, die sich Kraushaar in seinem Buch, das laut Robert Bücking einem „Ermittlungsbericht“ gleiche, stelle. Auch sei der Autor bemüht, die „mythische Verklärung und Selbstheroisierung der RAF“ zu erklären, so Motschmann. Beeindruckt im negativen Sinne habe sie die enorme Zahl weiblicher Mitglieder in der RAF. So waren Zweidrittel der aktiven Terroristen Frauen und diese stammten primär „aus gutem Hause“. Die Bundestagsabgeordnete der CDU widersprach jedoch Kraushaars These, der linksextremistische Terror sei mit der RAF zu Ende gegangen. „Das Politische Quartett“ beurteilte das Buch als „akribische Aufarbeitung einer Epoche“.

Robert Bücking führte ein in „Heimatlos. Bekenntnisse eines Konservativen“, erschienen im Rowohlt Verlag. Der deutsche Journalist und Literaturkritiker Ulrich Greiner thematisiere in seiner „Bekenntnisschrift und Streitschrift“ die anhaltende Marginalisierung konservativer Ideen im Lande und spreche vom „Recht davon, rechts zu sein“, so Bücking. Ulrich Greiner fühle sich „politisch heimatlos“, erklärte Elisabeth Motschmann. Eva Quante-Brandt offenbarte ihre Enttäuschung, denn der Autor „reißt alles mal so an und lässt den Leser alleine“. Sie kritisierte die fehlende Argumentationslinie: „Nichts ist durchargumentiert“. Die Senatorin hielt den Buchtitel „Heimatlos“ für geschickt gewählt, um das Buch käuflicher zu machen. Ralf Altenhof resümierte augenzwinkernd: „Vielleicht hat er den falschen Titel gewählt. Vielleicht auch den falschen Untertitel. Vielleicht ist er nicht in erster Linie ein Konservativer, sondern nur ein enttäuschter Rot-Grün-Wähler“.

Der Leiter des Politischen Bildungsforums der KAS-Bremen stellte das Buch „Gegen Demokratie. Warum wir die Politik nicht den Unvernünftigen überlassen dürfen“, erschienen im Ullstein Verlag, des amerikanischen Philosophen und Politikwissenschaftlers Jason F. Brennan vor. Für den Autor sei die „Epistokratie“ (Herrschaft der Wissenden) die bessere Staatsform und er vertrete die Position, dass „manche Bürger ob ihrer Uninformiertheit kein Wahlrecht haben sollten“. Zwar widersprach er Brennans These, jedoch habe die Unwissenheit vieler Wähler den Brexit sowie die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA ermöglicht. Insofern sei das Buch zumindest „intellektuell reizvoll“. Elisabeth Motschmann bezeichnete Brennans Werk als „Plagiat“. Bereits der antike griechische Philosoph Platon habe in seiner Politeia die Epistokratie zur idealen Staatsform erklärt. Für Robert Bücking beweise „Gegen Demokratie“ kein historisches Bewusstsein. Ein „unhistorisches Buch über Demokratie“ sei vollkommen abwegig, so der Politiker der Grünen. „Wahnsinnig uninspirierend“ sei das Lesen für Eva Quante-Brandt gewesen. Sie empfinde es als fragwürdig, Demokratie lediglich auf Wahlen zu reduzieren. Ralf Altenhof konnte Jason Brennans Buch letztlich doch etwas Positives abgewinnen: „Auch schlechte politische Bücher wie dieses regen zum Nachdenken an“.

Mit den charakteristischen Abschlussworten „Und so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen“, beendete Ralf Altenhof „Das Politische Quartett“ und bedankte sich für die angeregte und differenzierte Diskussion sowie für die Aufmerksamkeit und rege Teilnahme der 100 Zuschauer. 1686 Seiten hätte jeder der Diskutanten – in seiner Freizeit – lesen müssen. Das sei nicht selbstverständlich. Der kräftige Applaus des Publikums zeigte, dass die Gäste dies zu würdigen wussten. Zum Abschluss des Abends lud der Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen die Anwesenden zu einem Empfang mit Imbiss und Getränken ein.

Kontakt

AbbildungDr. Ralf Altenhof ›
Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen
Tel. +49 421 163009-0
ralf.altenhof(akas.de


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