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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Länderberichte

Heute beginnt mit dem Eröffnungsspiel Russland gegen Saudi-Arabien die 21. Fußballweltmeisterschaft. Sie wird in elf Städten in Russland ausgetragen, von Kaliningrad bis Jekaterinburg. Dazwischen liegen gut 3.000 km, die beiden Orte trennen drei Zeitzonen.

Eindruck von der Fußballweltmeisterschaft in Russland 2018. | © Reuters / Sergei Karpukhin© Reuters / Sergei Karpukhin

In Russland sind es immer gleich andere Dimensionen. Das Land ist riesig. Der Modernisierungsbedarf auch. So kommen die Spiele den Austragungsorten sehr zu gute. Straßen und Flughäfen werden modernisiert, Hotels gebaut, die Städte hübsch gemacht. Besonders in der Hauptstadt Moskau konnte man es verfolgen, wie sehr sich die Stadt in den letzten drei Jahren entwickelt hat – sehr zu ihrem Vorteil. Sie ist damit auch etwas weltoffener geworden. In der Metro kann man nun die Stationen in lateinischen Buchstaben lesen und sie werden sogar in Englisch angesagt.

Für die Fans, die in diesen Wochen nach Russland kommen werden, ist das gut. Neue Aufsteller auf den Straßen mit Stadtteilkarten und Hinweisen helfen zusätzlich bei der Orientierung. Seit knapp einer Woche sind auch die Straßen mit Fifa-Fahnen geschmückt, so dass man nun endlich auf den Fußball eingestimmt wird. Denn auf dieses Großereignis gab es im Straßenbild lange Zeit kaum Hinweise.

Umsonst sind diese vielen Baumaßnahmen dabei nicht zu haben. Mit gut 12 Milliarden Euro, wie es in hiesigen Zeitungen zu lesen ist, wird die Fußball-WM so teuer, wie keine zuvor. Trotzdem freuen sich viele Russen über die Spiele. Ausrichter für so ein prestigeträchtiges Ereignis zu sein, macht die Menschen im Land stolz. Und sie nehmen auch selbst Anteil daran: Anfang Mai waren 89 Prozent aller Tickets verkauft, davon gingen 46 Prozent und damit die meisten an die russischen Fans.

Dabei wurde alles getan, dass mit den Tickets kein Wucher getrieben werden kann. Ein Ticket ist gebunden auf den Namen, für den es gebucht wurde. Und auch die Aushändigung in Russland erfolgt per Kurier höchstpersönlich – was für Menschen, die viel unterwegs sind, enorm umständlich ist. Um es am eigenen Erleben deutlich zu machen: Es war partout nicht möglich, mit dem Kurier ein Datum für die Lieferung abzusprechen. Letztendlich musste für eine Vertrauensperson eine notarielle Vollmacht ausgestellt werden lassen, die damit dann das Ticket in Empfang nehmen konnte. Die Kosten beim Notar machten in etwa ein Drittel des Tickets aus. Dass Flüge und Hotels in diesen vier Wochen deutlich über dem normalen Preis liegen, ist in Russland nicht anders als in den anderen Austragungsorten bei früheren Weltmeisterschaften.

Wenn es außenpolitisch keine schwerwiegenden Ereignisse gibt, werden die nächsten Wochen für Russland und die Fans beschwerde- und politikfrei sein. Das ist natürlich Politik. Denn unbeschwerte Wochen mit aufregenden Spielen und guter Stimmung sind politisch erwünscht und hilfreich. Auch das ist in jedem Land so. Solche Großereignisse gehen immer jeweils mit den Regierenden nach Hause – im Guten wie im Schlechten. Und in Russland profitiert bei einer erfolgreichen WM in Besonderem der frisch wiedergewählte Präsident Putin. Er hat sich persönlich dafür eingesetzt, dass sie nach Russland kommt. Den Erfolg hat er schon sicher. Wie viel das zu seinem Wahlsieg am 18. März dieses Jahres beigetragen hat, wird man schlecht messen können. Aber es fügte sich in das positive Gesamtbild von ihm: Er ist ein Macher, er hat Russland wieder stark gemacht, Russland spielt wieder in der obersten Liga mit. Das gilt zwar noch nicht für die eigene Nationalelf, aber das ist ein verkraftbares Ärgernis. Viel mehr zählt, dass Russland in der Welt wieder gehört und ernst genommen wird.

Es führt nur leider nicht dazu, dass die Welt sicherer und das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen besser wird. Der große Vertrauensbruch für den Westen kam aufgrund der Krim-Annexion. Russlands Unzufriedenheit über das Verhältnis mit dem Westen ist bereits bei seiner Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007 deutlich geworden. Der Entfremdungsprozess begann schon wesentlich früher. Heute, so der Eindruck, nimmt Russland keine Rücksicht mehr darauf, was der Westen über Russland denkt. Wichtig ist nur, was Russland nützt – und dem eigenen Machterhalt.

Für seine vierte Amtszeit im Präsidentenamt gab es kein Wahlprogramm. Aber es gab Präsident Putins Rede zur Nation am 1. März, die als Programmrede verstanden werden konnte. Üblicherweise wird sie im Dezember gehalten. Diesmal wurde sie kurz vor die Präsidentschaftswahlen verschoben. Die zwei Stunden seiner Rede widmete Putin hälftig für zwei Schwerpunkte: Zum einen führte er aus, welchen Modernisierungsbedarf Russland hat und wie viel in den nächsten Jahren in Bildung und Soziales investiert werden muss und wird. Zum anderen zeigte er neue Waffensysteme und führte aus, wie sehr sich Russland militärisch bereits modernisiert hat. Man konnte dieser Rede zwei Dinge entnehmen: In dieser Amtsperiode wird der Schwerpunkt vor allem im innenpolitischen Bereich liegen. So wurde die Rede vielfach in Russland interpretiert und verstanden. Zum zweiten ein Signal an den Westen: Russland ist wieder stark, es ist bereit, mit dem Westen zu reden. Häufig verwendete Putin das Wort ‚verhandeln‘. Im Westen kam diese Rede allerdings anders an, ganz sicher nicht als ein Gesprächsangebot.

Verständigung ist schwer geworden. Leichtigkeit im Verhältnis zueinander gibt es nicht. In diesem Umfeld findet nun die Fußballweltmeisterschaft statt, die von Verständigung und Leichtigkeit geprägt sein sollte. Die Fans werden für gute Stimmung und Leichtigkeit sorgen. Vielleicht lässt sich davon etwas über die WM hinaus in die Politik retten.

Kontakt

AbbildungClaudia Crawford
Leiterin des Auslandsbüros Moskau
Tel. +7 495 626 00-75
Claudia.Crawford(akas.de


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