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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Wer heute die Zeitung aufschlägt, den Fernseher oder das Radio anknipst, wird unweigerlich über die beharrliche Forderung nach mehr Integration stolpern. Was sich hinter dem Begriff verbirgt und welche Zutaten es braucht, damit Integration gelingen kann, bleibt dabei häufig unklar.

Auf der Suche nach Antworten hat sich das Team des Büros Bundesstadt Bonn der Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. gemeinsam mit Ali Can, dem Gründer des Vereins „Interkultureller Frieden e.V.“, vom 9. bis 11. Juli auf eine dreitägige interkulturelle Busreise quer durch den Süden NRWs begeben: Von Euskirchen nach Bergheim, Siegburg und Köln-Porz über Bergisch Gladbach bis nach Siegen. Immer unter dem Motto „Gesucht und Gefunden – Ihr Schlüssel zur Integration“.

(K)Ein Rezept für eine gelungene Integration

Warum dort ein Tisch mit Einmachgläsern voller bunter Filzkugeln stehe und was es damit auf sich habe, fragt eine Passantin. Kein Wunder, denn die bunten Farben sind ein echter Blickfang. Jede der Farben steht für einen Begriff, der etwas mit Integration zu tun hat: blau steht beispielsweise für Lernbereitschaft, rosa für Sprache, orange für Freiheit. Die schmalen hohen Vasen, in denen jeder Besucher relevante Bestandteile für eine gelungene Integration zusammenstellen kann, sind eine ideale Gesprächsgrundlage. Menschlichkeit, Freiheit, Grundgesetz, Miteinander, Sprache, Sicherheit – was ist es, das Integration erfolgreich macht? Dass es eine eindeutige Antwort auf diese Frage nicht gibt, zeigen die Ergebnisse: Der eine bestückt sein Glas mit einer kleinen Portion von allem, einem nächsten ist das Grundgesetz und die Entstehung gemeinsamer Werte besonders wichtig und wieder andere füllen ein ganzes Glas voll mit Menschlichkeit. „Wir sind alle Menschen und leben in einer gemeinsamen Welt, die Grenzen existieren also eigentlich nur im Kopf“, so die Erklärung.

„Wir sollten gemeinsam Feste feiern.“

Was sich nicht mit bunten Kugeln und einzelnen Schlagworten sagen lässt, können die Besucher auf Postkarten festhalten: „Es müsste mehr auf Neuankömmlinge zugegangen werden“, schreibt ein Paar. Er ist vor zwei Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen, sie hat seinen Deutschkurs geleitet. Ein junger Mann wünscht sich mehr Austausch und wechselseitigen Dialog. „Wo könnte das besser funktionieren als bei einem Fest“, schlägt eine ältere Dame vor und ist damit ganz bei Ali Can, der sich mehr Räume des Miteinanders wünscht, in denen aus Fremden Bekannte und vielleicht sogar Freunde werden können.

Lesung: „Wir müssen Räume schaffen, in denen ein Kennenlernen möglich ist.“

Gedanken wie diesen hat Ali Can in seinem Buch „Hotline für besorgte Bürger“ festgehalten. Daraus stellte er in einer Lesung am Montagabend in der Remise an der Burg Wissem (Troisdorf) Ausschnitte vor. An der anschließenden Fragerunde, die durch die Moderatorin Michaela Rensing geleitet wurde, nahm auch die Landtagsabgeordnete Katharina Gebauer teil. „Wie kann man Geflüchteten das Gefühl von Zugehörigkeit geben?“, so die Frage einer Zuhörerin. Die Antwort Ali Cans ist eindeutig: „Emotionale Zugehörigkeit hat viel mit zwischenmenschlichen Beziehungen zu tun. Angekommen fühlt man sich dann, wenn man Bekannte oder Freunde gefunden hat, mit denen man sich unterhalten kann. Hierfür muss man Räume schaffen, in denen ein Kennenlernen möglich ist.“ Persönliche Geschichten aus dem Leben des Autors und dem seiner Eltern, die selbst die Schwierigkeiten des Ankommens erlebt haben, untermauerten seine Worte. Weitere ganz konkrete Fragen, welche durch Katharina Gebauer umfassend beantwortet werden konnten, beschäftigten die Besucher: Wie arbeitet der neue Integrationsausschuss? Was kann ich tun, wenn Auszubildenden in meinem Betrieb die Ausweisung droht?

Eine Plattform für den offenen Dialog

Integration erfahr- und erlebbar machen, das war das Ziel der interkulturellen Busreise mit Ali Can, dem „Migranten unseres Vertrauens“ und so gab es nicht nur viele Möglichkeiten zum Mitmachen, sondern auch zum Mitreden. In einer Vielzahl persönlicher Gespräche wurden Diskussionen angestoßen, Erfahrungen ausgetauscht und der Begriff der Integration beleuchtet. Dass Migration und somit auch die Frage nach Integration kein neues Phänomen sind, belegen die Geschichten der älteren Standbesucher. Diese berichteten von ihren eigenen Fluchterfahrungen, beispielsweise nach dem Fall der Mauer, und den Herausforderungen des Ankommens. Doch wie es das Wort Diskussion schon sagt, wurden mitunter auch kritische Stimmen laut. Anschließende Gespräche, welche insbesondere Ali Can mit viel Geduld und Offenheit führte, aber auch Diskussionen zwischen den Standbesuchern, konnten dazu beitragen, Wut und Frust abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern. „Man merkt, wie gut es den Menschen tut, ganz ungezwungen in offener Atmosphäre über solch große Themen wie Integration zu sprechen“, resümiert Ali Can. Miteinander und nicht übereinander zu sprechen, auf Augenhöhe zu kommunizieren und lösungsorientiert zu denken, das ist ihm ein Anliegen „Wir haben es geschafft einen Raum zu schaffen, in dem ein offener Austausch möglich ist.“ Das positive Feedback der Besucher bestätigt das. „Es ist wichtig über Integration zu sprechen. Aktionen wie diese gibt es besonders in kleinen Städten wie Siegen viel zu selten“, bedankt sich eine Passantin.

Integration ist nur gemeinsam möglich

Integration nicht nur als Phänomen oder erstrebenswerten Zustand zu betrachten, sondern andere Zugänge finden, die an die eigene Lebensrealität anknüpfen, das war die Herausforderung, welcher sich alle Besucher mit Freude gestellt haben. Der Tenor: Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur gemeinsam und unter dem Zutun aller Schritt für Schritt bewältigt werden kann.

Kontakt

AbbildungDr. Ulrike Hospes ›
Leiterin des Büros Bundesstadt Bonn
Tel. +49 (0) 2241 246 4257
Ulrike.Hospes(akas.de


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