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Konrad-Adenauer-Stiftung (Logo)Veranstaltungsberichte

Extremismus bedroht das Fundament der Demokratie und stellt die Grundwerte in Frage. Doch welche Grundwerte sind das und wie kann sich eine Demokratie gegen extremistische Angriffe wehren?

Diese Fragen diskutierte die Autorin und Journalistin Düzen Tekkal bei ihrer Lesung in Düren mit den Gästen. Schweigen ist keine Option – mit dieser Devise ginge die Autorin an viele komplexe Themen heran, sagt die Leiterin des Regionalbüros Rheinland der Konrad-Adenauer-Stiftung, Simone Habig, in ihrer Begrüßung. „Eine stabile Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie liegt in der Verantwortung aller.“

„Wir dürfen Hass nicht mit Hass begegnen“
In seinen Grußwort richtet sich der Schirmherr der Veranstaltung Thomas Rachel MdB direkt an die Gäste. Deutschland sei ein weltoffenes Land, aber in letzter Zeit habe sich gezeigt, dass dies nicht selbstverständlich sei. „Die Würde des Menschen ist unantastbar, das ist der zentrale Gedanke, der die Gesellschaft ausmacht. Die Demokratie muss sich wehrhaft verteidigen, ohne die Grundprinzipien aufzugeben.“ Er appelliert, sich in Alltagssituationen ruhig und sachlich dem Hass entgegen zu stellen.

Angst nimmt uns die Freiheit
Auch Düzen Tekkal kennt Situationen, in denen sie mit Hass konfrontiert ist. Die Veröffentlichung ihres Buches „Deutschland ist bedroht. Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen“ habe nicht jedem gefallen. Aber sie macht weiter: „Seit ich mich erinnern kann, kämpfe ich für die Freiheit.“ Die Bedrohung der Demokratie durch die „bösen Zwillinge“ Rechtsextremismus und religiöser Extremismus betreffe alle und erfordere, dass viel mehr widersprochen wird – auch, wenn das schwierig sei: „Ich gehe ein persönliches Risiko ein, wenn ich die Wahrheit sage.“ Seitdem sie ihr Buch veröffentlicht hat, habe sich viel bestätigt, sagt Tekkal. Die „bösen Zwillinge“ hätten ein Gesicht bekommen, zuletzt in Chemnitz.

„Wir haben ein Identitätsproblem“
Tekkal spricht über Integration und bezieht sich dabei auch auf die umstrittene Aussage von Innenminister Horst Seehofer: „Die Migration ist die Mutter aller Probleme – ich würde eher sagen: Unser Umgang mit der Migration ist die Mutter aller Probleme“, erklärt Tekkal. In einer pluralistischen Gesellschaft gäbe es kaum allgemeingültige Antworten. Wir müssten uns klar werden, was unsere Werte sind. Das Bild des ehemaligen Fußballnationalspielers Özil mit dem türkischen Präsidenten Erdogan sei deswegen so schmerzhaft, weil es gezeigt habe, dass die Integration selbst dort nicht funktioniert habe. Auf der anderen Seite seien viele Menschen gut integriert: „Das funktioniert, weil Werte in der Solidargemeinschaft weitergegeben werden. Ich hatte Nachbarn, Trainer und Mitschüler, die mich ‚mit erzogen‘ haben.“

„Für Lösungsansätze sind wir zuständig“
Damit sich die Demokratie gegen Extremismus wehren könne, müssen die Lücken geschlossen werden, in denen Extremisten rekrutieren. Eine Integrationsoffensive und mehr Bildung seien gefragt: „Wir können und müssen mehr ausrichten, als wir uns zutrauen.“ Im Anschluss diskutieren Düzen Tekkal und Thomas Rachel mit den Gästen. Es geht um Transparenz von religiösen Einrichtungen, um Extremismus vorzubeugen. „Religionsfreiheit ist keine Einbahnstraße, es gibt mit ihr auch Pflichten“, sagt Tekkal. Sie spricht sich auch dafür aus, sich bewusst gegen Extremismus jeder Art einzusetzen – jeder mit seinen Talenten. „Diese Menschen sind die Eckpfeiler der Gesellschaft.“ Ihre Schwester bietet kostenloses Fußballtraining für Mädchen mit Migrationshintergrund und für deutsche Mädchen aus schwierigen Verhältnissen an: „Gemeinsam kicken sie althergebrachte Frauenbilder in die Tonne.“ Ein Zuschauer ergänzt den Titel der Veranstaltung: „Die Menschheit ist bedroht. Aber wir sind da stark, wo wir weltweit gemeinsame Werte finden.“ Tekkal bekräftigt dies und schließt den Abend: „Ich arbeite gegen die Angst.“

Kontakt

AbbildungSimone Habig
Leiterin Regionalbüro Rheinland
Tel. +49 211 8368056-0
Simone.Habig(akas.de


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