Staatssicherheit und Geschichtspolitik

Die Politische Meinung, (9/2006) 442

Zur Aufarbeitung des SED-Unrechtregimes trägt die Septemberausgabe mit dem Schwerpunkt „Staatssicherheit und Geschichtspolitik“ bei. Perspektiven von Zeitzeugen ebenso wie von Wissenschaftlern und Kulturschaffenden erhellen die vielfältigen Facetten einer authentischen Erinnerungskultur: Antisemitismus und Israelfeindschaft in der DDR werden ebenso beleuchtet (Konrad Weiß) wie die Problematik des Geschichtsrevisionismus von Stasi-Altkadern mit ihren aggressiven Offensiven im öffentlichen Rampenlicht (Karl Wilhelm Fricke). Dem 1976 von einem Stasi-Kommando an der deutsch-deutschen Grenze erschossenen Widerstandskämpfer Michael Gartenschläger, dessen Tod bis heute ungesühnt blieb gilt eine Würdigung, die nach den Defiziten in der Rechtsprechung fragt (Roman Grafe). Eine kritische Analyse bezieht sich unter der Überschrift „Verfehlte Vergangenheitsvermittlung“ auf die Arbeit der Stasi-Unterlagen-Behörde und nimmt dabei deren selbst definierte Vorgaben zum Maßstab (Hubertus Knabe). In zwei Besprechungen des Filmes „Das Leben der Anderen“ wird das Verhältnis von Fiktion und Geschichtsrekonstruktion reflektiert und ein erstaunlich realistisches DDR-Bild hervorgehoben (Manfred Wilke; Wolf Biermann). Weitere Beiträge befassen sich mit dem Phänomen „Extremismus“ als der Her¬ausforderung von streitbarer Demokratie sowie mit der veränderten Tonlage in der deutschen Chinapolitik. Ein Erstabdruck aus den Tagebuchaufzeichnungen Horst Osterhelds gewährt Einsichten in die innere Machtbalance der Großen Koalition von 1966 bis 1969, und eine Sammlung von dreißig Einsprüchen gegen die „vertalkte“ Republik plädiert für das Andenken einer realitätsbezogenen Politik. Um das Deutschlandbild im Zuge der Fußballweltmeisterschaft, das von der Deutschen Welle in einer weltweiten Publikumsaktion untersucht wurde, geht es in der Rubrik „WM-Rückschau“. Ein Essay mit dem Titel „Das Wunder von Berlin“ fragt nach Analogien zwischen Politik und Fußball und dem, was Deutschland aus der WM-Erfahrung lernen sollte.

Editorial

Michael Borchard mehr...

Antisemitismus und Israelfeindschaft in der DDR

Über ideologische Indoktrination und die Verdrängung von Schuld
Zu den fundamentalen Lebenslügen der DDR zählt die antifaschistische Staatsdoktrin: Das Totschweigen alles Jüdischen ebenso wie Hetzkampagnen gegen Israel und die Abweisung jeglicher Schuld gehörten jahrzehntelang zur Regierungspolitik. Konrad Weiß mehr...

"Offensive Desinformation"

Stasi-Geschichtsrevisionismus und historische Wahrheit
Bis in die Gegenwart kolportieren Stasi-Altkader die vermeintliche Rechtmäßigkeit ihres Handelns. Über das Verhältnis von Mielkes Nachfahren zur historischen Wahrheit - über Verdrängung, Verschweigen, Verleugnung und Verleumdung. Karl Wilhelm Fricke mehr...

Das Selbstbehauptungsrecht eines Unrechtsstaates

Die Prozesse gegen Stasi-Mitarbeiter wegen Tötung des Widerstandskämpfers Michael Gartenschläger
Bei dem Versuch, Selbstschussanlagen an der deutsch-deutschen Grenze abzumontieren, wurde Michael Gartenschläger 1976 von einem Stasi-Kommando erschossen. Der Tod des Widerstandskämpfers blieb bis heute ungesühnt. Roman Grafe mehr...

Verfehlte Vergangenheitsvermittlung

Zur Zukunft der Stasi-Akten-Behörde
Die Birthler-Behörde hat an selbst definierten Vorgaben kontinuierlich vorbeigewirkt. Kostenintensiv und wenig effizient hat sie ihren Bildungsauftrag überdehnt und gräbt dabei zuständigen Einrichtungen das Wasser ab. Hubertus Knabe mehr...

Wieslers Umkehr

Eine Besprechung des Filmes "Das Leben der Anderen"
Die Darstellung des SED-Repressionsnetzes im Film "Das Leben der Anderen" gibt Einblicke in gebrochene Biografien - auch innerhalb der Stasi. Zum Verhältnis von Fiktion und Geschichtsrekonstruktion. Manfred Wilke mehr...

Die Gespenster treten aus dem Schatten

Warum der Stasi-Film eines Westdeutschen erstaunen lässt
Der Film "Das Leben der Anderen" verleiht phantomhaften Tätern lebendige Gesichtszüge. Das Debüt eines westdeutschen Regisseurs zeichnet ein erstaunlich realistisches DDR-Sittenbild. Wolf Biermann mehr...

Innenansichten der Macht

Erinnerungen an die Große Koalition der Jahre 1966 bis 1969
Mit Tagebuchaufzeichnungen hat Horst Osterheld von seinem Dienst als außenpolitischer Berater Zeugnis abgelegt. Im Mittelpunkt des hier erstmals abgedruckten und von Ulrich Schlie eingeführten Textes steht die innere Machtbalance der Großen Koalition von 1966 bis 1969. Ulrich Schlie mehr...

Extremismus als Herausforderung der Demokratie

Die Demokratie muss streitbar bleiben
Gerade in Auseinandersetzung mit extremistischen Kräften muss Demokratie streitbar bleiben: im Sinne ihres eigenen Selbstverständnisses hilft sie so, zwischen demokratischem Schein und extremistischen Sein zu unterscheiden. Harald Bergsdorf mehr...

Kleine, feine Unterschiede

Deutschlands neue Chinapolitik
Neue Töne in der deutschen Chinapolitik klingen mit der Unterstreichung der Menschenrechte an. Gereifte bilaterale Beziehungen ermöglichen einen engagiert-kritischen Umgang mit dem Reich der Mitte. Jörn-Carsten Gottwald, Benedikt Seemann mehr...

Denk mal an...

Einsprüche gegen die vertalkte Republik
Mediale Plumpheit schockiert nicht mehr, Existenzfragen werden eingenebelt. Politik aber beginnt mit dem Betrachten der Realität: Dreißig Einsprüche gegen die "vertalkte" Republik. Manfred Funke mehr...

"Deutschland - ein Märchenland"

Eine Publikumsaktion der Deutschen Welle zur Fußballweltmeisterschaft
In einer weltweiten Aktion im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft befragte die Deutsche Welle ihr Publikum nach seinem Deutschlandbild. Die Resonanz übertraf alle Erwartungen. Johannes Hoffmann mehr...

Das "Wunder von Berlin"

- kontrovers -
Klinsmann anfangs beargwöhnter Reformkurs ist nun durch Erfolg legitimiert. Was Deutschland aus der WM-Erfahrung lernene sollte: Analogien zwischen Politik und Fußball. Johannes Urban mehr...

"Grundton D"

- gelesen -
Eckhard Fuhr: Wo wir uns finden. Die Berliner Republik als Vaterland / Reinhard Mohr: Das Deutschlandgefühl. Eine Heimatkunde / Matthias Matussek: Wir Deutschen. Warum uns die anderen gern haben können Günter Müchler mehr...

Konfliktstoff Religion

- gelesen -
Sammelrezension - Neue Literatur zum Thema Religion und Gewalt Thomas Brose mehr...

Künstlerische Kulminationspunkte

- gelesen -
Gottfried Benn/Ernst Jünger: Briefwechsel 1949 - 1956 Volker Strebel mehr...

Aktuelles intern

Neue Aktionen, Programme und Publikationen der Konrad-Adenauer-Stiftung mehr...

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